Auf der Suche nach Freundschaft und Liebe kommt der Heranwachsende Jim Stark (James Dean) vom „richtigen“, geraden Weg ab, den seine Eltern für ihn vorgesehen haben. Wegen Problemen in seiner vorherigen Schule ist die Familie umgezogen, doch in der neuen High-School gerät Jim wieder in eine Auseinandersetzung. Jim hat sich in die hübsche Judy verliebt, doch sein Nebenbuhler fordert ihn heraus: Sie rasen mit ihren Autos auf eine Klippe zu. Der Rivale kommt bei dieser Mutprobe ums Leben. Von den Ereignissen verwirrt laufen Jim, Judy und der junge Plato in ein altes Haus am Stadtrand und verstecken sich dort. Plato ist verzweifelt und durcheinander und stürmt schließlich aus dem Gebäude, wo er von einem Polizisten erschossen wird. Das dramatische Ende zeigt Jim und Judy, wie sie versuchen, das Geschehene zu begreifen – und es lässt offen, ob ein gemeinsames Leben für sie möglich ist.
In den fünfziger Jahren gab es in den USA kaum Verständnis für die Träume der Jugendlichen. Ihre Eltern stellten ihnen Autos zur Verfügung und schickten sie zur Schule, doch sie gaben ihnen keine Liebe und Wärme. Es war die Zeit von Coca-Cola, von einer noch relativ neuen Fernsehwelt, von Vorstadthäusern und Atombombentests.
Lebensangst als Thema
Nach einer Umfrage von 1956 hatten 95 Prozent der Jugendlichen Angst vor dem Leben. Um sich lebendig zu fühlen, forderten sich die jungen Leute daher gegenseitig heraus. Kleinigkeiten wurden zum Anlass genommen, sich zu prügeln oder Mutproben zu bestehen, wie zum Beispiel ein Autorennen auf die Meeresklippen zu. Das Band, das Judy zum Start schwenkt, lässt nicht nur die beiden Konkurrenten um ihre Gunst losfahren, sondern ist ein Zeichen für die ganze Generation, aufs Gas zu treten und die Energie, die in ihr steckt, loszulassen. Man sieht Jim Stark und seinen Rivalen losfahren und man erkennt, wie es in ihren Augen blitzt. Sie scheinen vor unbändiger Angst und Wut und Lust gleichzeitig zu lachen und zu schreien.
James Dean – das Idol
Die jungen Männer, die voller Wut steckten, wurden die „Lost Generation“ genannt. Ihre Angst vor dem Leben, gepaart mit Nervosität und einem gewissen Hang zur Kriminalität, erkannten sie in James Dean alias Jim Stark wieder. Er war ein Halbstarker, er wurde von niemandem verstanden und er hatte diesen gehetzten Blick. Er trug Blue Jeans und einen roten Blouson und seine Haltung drückte das aus, was seine Fans spürten: Frustration und dennoch einen Hauch von letzter Hoffnung, Einsamkeit und Todesangst. Als James Dean bei einem Autounfall starb, schien dies ein letztes Zeichen für seine Anhänger zu sein, dass er nur so mit dem Leben fertig wurde. Noch immer ranken sich Legenden um seinen frühen Tod.
James Dean spielte die Rolle des Außenseiters mit einer Intensität, die wohl niemand anders erreicht hätte. In der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg, dem Korea-Krieg und der Kubakrise suchten die jungen Leute ihren Platz in der Gesellschaft, und genau für dieses Gefühl der Unsicherheit und Einsamkeit stand der Schauspieler James Dean.
Regisseur Nicholas Ray und sein Erfolg
In den Filmen von Ray waren Heimatlosigkeit, Verbrechen und Gewalt die Hauptthemen, ebenso wie die Identitätssuche in Liebesproblemen. Nicholas Ray führte Regie für junge Menschen, die mit den üblichen gesellschaftlichen Moralvorstellungen nicht zurechtkamen. Er nahm sich den Generationskonflikt zum Thema und ließ die Protagonisten in diesem Rahmen Klassenkonflikte austragen. Die Fallstudie eines Dr. Robert Lindner mit dem Titel „Rebel without a Cause“ kam ihm in die Hände und Ray griff sofort zu. Der Untersuchungsausschuss für unamerikanische Umtriebe behauptete zunächst, Jugendkriminalität gebe es in den USA nicht, und ließ die Dreharbeiten stoppen, doch nachdem das Problem ausgeräumt werden konnte, wurde sogar das Budget erhöht.
Die Reaktionen bei den ersten halböffentlichen Vorführungen ließen einen großen Erfolg vorausahnen. Es wurde in Farbe weitergedreht, so dass James Deans rote Jacke durch das neue „Warner Colour“ gut zur Geltung kam.
Durch Cinemascope, Farbe und Tempo wurde der Film zum Kassenknüller. Die Jugend schlug zum ersten Mal im Kino zu, hart und zornig. Noch immer ist dieser Film ein Symbol für die Rebellion gegen die Gesellschaft, Polizei und die gutbürgerlichen Eltern.
1955
"Denn sie wissen nicht, was sie tun" / "Rebel without a Cause"
Regie: Nicholas Ray, Drehbuch: Stewart Stern, Produzent: David Weisbart.
Schauspieler: James Dean, Natalie Wood, Sal Mineo, Jim Backus, Dennis Hopper, u.a.
Quellen:
Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Kinoklassiker. Rasch und Röhring Verlag, 1986.
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