
- Vor dem Eingang des Gestapokellers + Schlossblick - Sigrun Hopfensperger
Eine der schönsten Sehenswürdigkeiten Osnabrücks ist zweifellos das gelbe Barockschloss, das einst vom Fürstbischof Ernst August I. erbaut wurde. Heute sitzt in den Räumlichkeiten des Schlosses die Verwaltung der Universität. Daneben befinden sich etliche Seminarräume für die Studierenden im Schlossgebäude, und die Aula wird für zahlreiche Veranstaltungen genutzt. So beschaulich das imposante Gebäude ist und so idyllisch der angrenzende Schlossgarten von vielen Menschen – hauptsächlich Studenten aus aller Welt – zum Entspannen genutzt wird, das Schloss in Osnabrück besitzt auch eine dunkle Seite: im Keller des Westflügels befinden sich die Räumlichkeiten der einstigen nationalsozialistischen Osnabrücker Gestapo.
Vom Hegertorwall zum Schloss
Ursprünglich hatte die Geheime Staatspolizei der Nationalsozialisten in Osnabrück ihre Räumlichkeiten am Hegertorwall. Zwischen 1937 und 1938 jedoch wurden ihr eigene Räume im Westflügel des Schlosses zur Verfügung gestellt. Von dort aus leitete die Gestapo die Festnahme und Überführung zahlreicher Menschen aus der gesamten Region Osnabrück in verschiedene Konzentrationslager. Eines der bekanntesten Opfer der Nazidiktatur war die kommunistische Widerstandskämpferin Lissy Rieke, für die 2008 in Osnabrück ein Stolperstein verlegt wurde.
Von der Notwendigkeit zum Erinnern hin zur Gedenkstätte
Es waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Personaldezernates der Universität, die in den auslaufenden 1990er Jahren das Bedürfnis hatten, an die dunkle Vergangenheit des Schlosses zu erinnern. So stifteten sie freiwillig aus ihrem privaten Budget eine Gedenktafel am Eingang des Westflügels, die darauf hinweisen sollte, welche geschichtsträchtigen Räume für die Aufarbeitung des dunkelsten Punktes in der deutschen Geschichte sich im Keller darunter befanden. Danach gründete sich eine Forschungsinitiative, die historische Dokumente aus dieser Zeit zusammentrug. Seit 2001 wurde daraus eine feste Gedenkstätte, die die Kellerräumlichkeiten der Öffentlichkeit zugänglich macht und bedrückende Exponate der Zeitgeschichte – Auszüge aus Verhaftungs- und Überstellungsakten – zeigt.
November 2011 – die Gedenkstätte Gestapokeller feiert ihr zehnjähriges Bestehen
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Gedenkstätte Gestapokeller wurden nicht nur die Räumlichkeiten zugänglich gemacht, sondern den zahlreichen Gästen auch ein sehr eindrückliches Rahmenprogramm geboten. Die Göttinger Theatergruppe „Stille Hunde“ führte in den Seminarräumen des Juridicums am Hegertorwall ein eigens für das Klassenzimmer produziertes Stück „Die Besserung“ auf, das dem Zuschauer die Zeit des Nationalsozialismus und dessen Kälte im Umgang mit Menschen im Allgemeinen und hier den Umgang mit sogenannten asozialen Jugendlichen im Besonderen anschaulich näher brachte. Diese Jugendlichen wurden in das niedersächsische Jugend-Konzentrationslager Moringen verbracht und die fiktive Geschichte stand mit zwei Fällen stellvertretend für unzählige Deportationen junger Menschen dorthin, die von der Gesellschaft – oftmals von den eigenen Eltern – als asozial und undeutsch eingestuft wurden. Im Anschluss gab es für die Gäste Gelegenheit, das Stück zusammen mit den brillanten Schauspielern Christoph Huber und Stefan Dehler zu diskutieren.
Einmal im Monat eintauchen in den bedrückendsten Teil der Osnabrücker Geschichte
Jeden ersten Sonntag im Monat kann die Gedenkstätte Gestapokeller von 14-17 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist dabei frei, allerdings kann man mit einer Spende die Weiterführung des Projektes unterstützen.
Internetquellen:
Homepage der Gedenkstätte Gestapokeller
Homepage der Göttinger Theatergruppe „Stille Hunde“
