Weil heute Kinder und Enkel nicht immer in der Nähe leben, fällt ihnen oft erst bei einem Besuch auf, mit welchen Problemen ihre älteren Angehörigen zu kämpfen haben und wo dringend Unterstützung nötig wäre. Dann gilt es, möglichst rasch Hilfe für den Alltag und/oder für Pflege oder Betreuung zu organisieren und für Notfallsituationen vorzusorgen.
Alltagshilfen
Tipp 1: Angebote im haushaltsnahen Bereich speziell für Senioren werden vielfach bereitgestellt von Wohlfahrtsverbänden, kirchlichen Institutionen, ambulanten Pflegediensten oder Vereinen, die aus ehrenamtlichem Engagement für Senioren heraus entstanden sind. Zunehmend bieten auch selbständig arbeitende Seniorenassistenten oder Seniorenbegleiter ihre Dienste an.
Hier wird fündig, wer für ältere Angehörige folgendes sucht: Haushaltshilfen, Hausmeistertätigkeiten (kleine Reparaturen wie Birnen auswechseln, Bild aufhängen, Gartenarbeiten usw.) Einkaufsservice bzw. Bring und Holdienste, Begleitservice (zum Arzt, zu Behörden, zu kulturellen Veranstaltungen), Essen auf Rädern.
Und meist sind es diese Hilfestellungen im Alltag, die es auch besonders betagten Menschen ermöglichen, weiterhin in ihren eigenen vier Wänden zu leben: Wer nicht mehr kochen mag oder kann, lässt sich das Essen eben bringen oder geht zum Mittagstisch im nahen Seniorenheim. Wer sich nicht mehr gerne allein im Straßenverkehr bewegt, benötigt Begleitung.
Tipp 2: Viele besorgte Angehörige, die sich selbst nicht kümmern können, greifen auf die Angebote von Haushaltshilfen aus Osteuropa zurück. Aber Vorsicht: Wer nicht aufpasst, gerät schnell in die Situation, eine Haushaltshilfe illegal zu beschäftigen. Dafür drohen Strafen übrigens Strafen bis 5.000 Euro.
Sicherheit
Wie schnell ist eigentlich Hilfe da, wenn mal etwas passiert? Schon ein Seniorenhandy gibt oft Sicherheit. Stürzt aber ein allein stehender Mensch in seiner Wohnung und kann das Telefon nicht erreichen, ist die Gefahr groß, dass Hilfe zu spät kommt - erst nach Stunden oder manchmal Tagen. Wer im Anfangsstadium einer Demenz durch Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit und Wortfindungsstörungen manchmal „verloren geht", dem hilft vielleicht die Ortung per Demenz-App.
Tipp 3: Ein Hausnotrufsystem(monatlich rund 18 Euro) mit einem so genannten Notruffinger, den man wie eine Uhr ums Handgelenk trägt oder um den Hals hängt, sorgt dafür, dass auf Knopfdruck umgehend ein Anruf in einer rund um die Uhr besetzten Notrufzentrale eingeht. Dort wird nach einem zuvor individuell festgelegten Plan schnelle Hilfe im Notfall organisiert. Auch kann man einen täglichen Kontrollanruf, den Vitalruf, vereinbaren. Erreicht die Zentrale zur vereinbarten Zeit den Kunden nicht, löst dies ebenfalls Alarm aus. Solche täglichen Lebenszeichen-Anrufe lassen sich jedoch auch privat unter Freunden organisieren oder mit einem Pflegedienst oder einem Pflegeheim vereinbaren.
Tipp 4: Wie trittsicher und barrierefrei ist eigentlich die Seniorenwohnung? Schon mit kleinen Veränderungen lassen sich die typischen Unfälle von alten Menschen vermeiden: Laufwege müssen optimale ausgeleuchtet sein, Stolperfallen wie Kabel und Läufer entfernt und Handläufe und Griffe installiert werden. Im Bad helfen Toilettensitzerhöhung, Badewannen-Lifter oder Dusch-Klappsitz Unfälle zu vermeiden. Gehilfen wie Stock oder Rollator geben zusätzliche Sicherheit. Diese Produkte gibt es im Sanitätsfachhandel und im Internet unter dem Stichwort Seniorenprodukte.
Betreuung
Tipp 5: Wer sich darum sorgt, dass der/die allein stehende Senior/in vereinsamt oder den Tagesablauf nicht mehr so recht im Griff hat, findet eine weitere Alternative für Betreuung in der so genannten Tagespflege. Sie umfasst in der Regel folgende Angebote: Der Angehörige wird zu Hause abgeholt und verbringt den Tag mit anderen Senioren in einer Tagesstätte. Hier bieten Altenpflegerinnen nicht nur Mahlzeiten, Getränke und Unterstützung beim Toilettengang an, sondern sorgen für ein unterhaltsames Programm und Abwechslung.
Diese Angebote gelten meist von 9 bis 18 Uhr an Werktagen, können aber auch stundenweise genutzt werden. Gut beraten ist, wer sich ein Angebot in der Nachbarschaft sucht, dann ist die Chance groß, bekannte Gesichter zu sehen und Kontakte zu Menschen zu knüpfen, die nur wenige Minuten entfernt leben. Die Kosten sind je nach Angebotsumfang recht unterschiedlich und beginnen bei einem Stundensatz von 7,50 Euro.
Auch hier sind die Hauptanbieter Wohlfahrtsverbände und kirchliche Institutionen, die ihre Tagespflege an vorhandene Einrichtungen (Pflegeheime) koppeln. Nun entdecken aber auch immer mehr ambulante Pflegedienste diesen Bereich für sich und betreuen ihre Kunden in entsprechend ausgestatteten Räumen. Möglicher Vorteil: Die Atmosphäre dort ist eher familiär, und wenn das Essen nicht von einem Lieferservice kommt, dann wird selbst gekocht – meist mit begeisterter Unterstützung der Tagesgäste.
Pflege
Tipp 6: Pflegebedürftigkeit bedeutet nicht automatisch, dass man für den Betroffenen einen Platz im Seniorenheim suchen muss. Pflege lässt sich auch für den häuslichen Bereich organisieren. Die ambulante Versorgung zu stärken („ambulant vor stationär“) ist das erklärte Ziel der Gesundheitspolitik. Dafür entstehen gerade überall Pflegestützpunkte und Beratungsstellen, die jeden dabei unterstützen, eine geeignete Lösung zu finden. Die Beratung ist kostenfrei.
Tipp 7: Die bundesweite und vom Bund geförderte Initiative „Pflegebegleiter“ will dafür sorgen, dass ambulante Lösungen finanzierbar sind. Pflegebegleiter knüpfen vor Ort Netzwerke, die es erlauben, die Arbeit der Pflegeprofis von ambulanten Diensten zum Beispiel mit dem Einsatz ehrenamtlich tätiger Menschen zu kombinieren. Pflegebegleiter kümmern sich besonders um Entlastungsangebote für pflegende Angehörige.
Tipp 8: Neues ausprobieren: In den letzten Jahren entwickeln sich neue Wohnformen - quartiersnah und barrierefrei gebaut, folgen sie anderen Konzepten als stationäre Betreuungsformen. Mehrgenerationenprojekte, die auf das Prinzip nachbarschaftlicher Hilfe bauen, werden staatlich gefördert. Aus Privatinitiativen entstehen Wohngemeinschaften für demenziell erkrankte Menschen. Seniorenzentren auch betreutes Wohnen, ambulante Pflegedienste helfen WGs, betreutes Wohnen umzusetzen. Es lohnt sich, solche Projekte vor Ort zu prüfen.
Kosten
Tipp 9: Die aufgeführten Angebote kann man natürlich durchweg privat bezahlen. Lässt sich aber nach Antrag und Begutachtung durch einen Prüfer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) eine Pflegebedürftigkeit feststellen, dann erhält der Betroffene eine Einstufung in eine der drei Pflegestufen.
Tipp 10: Menschen mit einem besonderen Betreuungsbedarf (z.B. demenziell Erkrankte) können seit 1. Juli 2008 zweckgebunden für spezielle Betreuungsleistungen jährlich zusätzlich bis zu 2.400 EUR erhalten ("Pflegestufe 0"). Und zwar auch dann, wenn sie bislang keine Pflegestufe haben.
Hinweis: Wer weitergehende Informationen zu allen hier angesprochenen Themen sucht, der findet sie in den über 100 Beiträgen dieser Rubrik Generation 50 plus.
