
- Millerntor-Stadion - Ingo Krüger
Am 15. Mai 2010 feiert der FC St. Pauli seinen 100. Geburtstag. Mit zahlreichen Veranstaltungen begeht der Kiezclub dieses Jubiläum. Alle Abteilungen des Sportvereins aus dem wohl bekanntesten Stadtteil Hamburgs bieten den über 7.800 Mitgliedern und noch viel mehr Anhängern ein umfangreiches und abwechslungsreiches Festprogramm.
Der FC St. Pauli fordert Celtic Glasgow
Die in der 2. Bundesliga erfolgreich kickenden Fußballer treffen am 18. Mai auf den schottischen Spitzenverein und ehemaligen Europapokalsieger Celtic F.C. aus Glasgow. Seit dem ersten Aufeinandertreffen beider Teams 1995 pflegen ihre Fans eine Freundschaft, die in zahlreichen Besuchen ihren Ausdruck findet. Das Match endete übrigens passenderweise remis. Doch nicht nur die aktuelle Lizenzspielermannschaft misst sich mit einem internationalen Gegner. Eine All-Star-Auswahl mit St. Pauli-Größen wie Klaus Thomforde, Holger Stanislawski und Ivan Klasnic erwartet drei Tage vorher den FC United of Manchester.
Das 27.000 Einwohner zählende Viertel im Herzen der Hansestadt steht 2010 ganz im Zeichen des braun-weißen Jubiläums. Doch nicht nur die Jäger des runden Leders begehen das Centennium. Die Schachabteilung des FC St. Pauli richtet vom 10. bis 18. Juli ein großes Turnier mit fast 400 Teilnehmern aus. Am 19. Juni veranstalten die Handballer den St. Pauli Cup und am 28. August die Tischtennisabteilung den Kiez-Cup.
Fettes Brot, Bela B. und Kettcar am Millerntor
Für das kulturelle Wohl sorgen Fettes Brot, Bela B. von der Kult-Band Die Ärzte, die Hamburger Independent-Helden Kettcar und diverse andere Musiker am 29. Mai. Die Erlöse des Geburtstagskonzerts im Allerheiligsten, dem Millerntor-Stadion, gehen an soziale Projekte im Stadtteil. Wer sich nicht dröhnenden Bässen und lauten Rockgitarren hingeben möchte, der kann dem vorgelesenen Wort lauschen. Funktionäre, Spieler und Prominente wie Reinhold Beckmann tragen am 5. Mai in der Südtribüne des Stadions aus dem Werk „FC St. Pauli. Das Buch“ vor.
Ein Museum auf St. Pauli
Eine Ausstellung zur Vereinsgeschichte darf zum 100. Geburtstag nicht fehlen. Doch um diese zu besichtigen, muss niemand ein Hamburger Museum aufsuchen. Auf dem Südkurvenplatz vor dem Millerntor-Stadion türmen sich meterhohe Seecontainer. Dort erfährt der Interessierte alles über die wechselvolle Historie des Kiezclubs. „Die Retrospektive zum hundertjährigen Vereinsjubiläum versteht sich weder als ‚Hall of Fame’ noch möchte sie Austragungsort für Devotionalienkult sein“, so die Kuratorin der Ausstellung Diana Schmies. Die kulturelle Bedeutung des Vereins stehe im Vordergrund. Ab Juni 2010 können Besucher der Ausstellung überprüfen, ob die Verantwortlichen dies so auch umgesetzt haben.
St. Pauli ist nicht nur ein Stadtviertel der Freien und Hansestadt Hamburg, sondern auch ein Dorf. Zumindest für einen Tag. Am 23. Mai öffnet das so genannte St. Pauli-Dorf seine Pforten. An diesem Datum präsentieren sich auf dem Heiligengeistfeld alle 17 Abteilungen und auch Fan-Gruppen der Öffentlichkeit. Neben den landesweit bekannten Fußballern betreiben auch Handballer, Kegler, Triathleten, Schachspieler und noch viele mehr ihre bevorzugte Sportart beim FC St. Pauli. Damit ist er der fünftgrößte Sportverein Hamburgs.
FC St. Pauli - Kiez, Kult und Kommerz
Der FC St. Pauli gilt in der Öffentlichkeit als der „etwas andere Verein“. Von diesem Ruf lebt der Klub sehr gut. Das Stadion ist regelmäßig ausverkauft, der Bekanntheitsgrad sehr hoch. 2008 erwirtschaftete das Hamburger Unternehmen Upsolut Merchandising, das die exklusiven Verwertungsrechte im Merchandising für sämtliche Marken des FC St. Pauli innehat, laut Handelsblatt 5,5 Millionen Euro Umsatz. Zum Vergleich: Ein Bundesligist nimmt im Durchschnitt knapp über 7 Millionen Euro ein. Die Kiezkicker spielten allerdings 2002 letztmalig im Oberhaus des deutschen Fußballs.
In der Diskussionsrunde „Fußball zwischen Kiez, Kult und Kommerz - 100 Jahre FC St. Pauli“ debattieren am 8. Juni Schriftsteller wie Ulla Hahn und Clemens Meyer, Fußballphilosoph Klaus Theweleit, Ex-Profi Yves Eigenrauch sowie Geschäftsführer Helmut Schulte über das Image des Vereins. Die Fußballaffinität eines Klaus Theweleit, dessen Werk „Tor zur Welt. Fußball als Realitätsmodell“ 2004 erschienen ist, ist bekannt. Offen ist, was Autoren wie Ulla Hahn oder Clemens Meyer qualifiziert, sich ausgiebig über den FC St. Pauli zu äußern.
Ein braun-weißes Rathaus in Hamburg
Ein umfangreiches Festprogramm steht dem mit 100 Jahren doch recht rüstigen Jubilar bevor. Da darf eine Ehrung nicht fehlen. Am 17. Mai verleiht Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck dem FC St. Pauli anlässlich seines Jubiläums die „Sportplakette des Bundespräsidenten“. Da erstrahlt für einen Tag auch das ehrwürdige Rathaus der Hansestadt in den braun-weißen Vereinsfarben.
