
- Die Weltkugel des Hotel Atlantic bei Nacht - Hotel Kempinski Atlantic
100 Jahre lang gingen Stars und Starlets, Politiker und Wirtschaftsgrößen sowie Staatsoberhäupter und Könige ein und aus - das berühmte Hotel Atlantic an der Hamburger Außenalster wurde am 2. Mai 2009 100 Jahre alt. Die Nobelherberge, an dem inzwischen der Zahn der Zeit nagt, schaut auf eine bunte und bewegte Vergangenheit zurück.
"Wie schön, zum ersten Mal seit 1947 zurück im Hotel Atlantic zu sein. Wo sind all die Jahre dazwischen geblieben?", schrieb der ehemalige James-Bond-Darsteller Roger Moore 1993 ins Gästebuch des Hotels. Spurlos ist die Zeit weder an dem britischen Schauspieler noch an dem Hotel an der Alster vorbei gegangen. Denn wo jahrzehntelang Prominente und VIPs ein- und ausgingen, wenn sie in der Hansestadt gastierten, herrschen heute Verfall und Probleme mit Gästeschwund, der breiten Hotellandschaft und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise.
Hotel Atlantic - das "weiße Schloss an der Alster"
Am 2. Mai 1909 wurde das "weiße Schloss an der Alster", wie die Hanseaten das Hotel stolz nennen, eröffnet. Mit einer 76 Meter langen Alsterfront, einer Außenfassade von 660 Quadratmetern und Baukosten von damals 14 Millionen Reichsmark war er ursprünglich primär für Erste-Klasse-Passagiere gedacht, die mit den Luxusdampfern der Hamburg-Amerika-Linie am Hamburger Hafen angelegt haben.
Schon bald wohnten und speisten Weltstars, Politiker und Großindustrielle sowie Touristen aus Übersee exotische Köstlichkeiten wie Känguruschwanzsuppe und Hummergerichte, wo wenige Jahre zuvor noch Hausfrauen ihre Schmutzwäsche spülten und Schiffe anlegten, um Holz, Torf und Waren für die Bewohner von St. Georg zu liefern. Auch Autokönig Henry Ford, indische Maharadschas, Kaiser Hirohito von Japan und König Fuad von Ägypten gehörten schon in frühen Jahren zu den Gästen des schnell weltweit beliebten Grandhotels.
Gäste von Adolf Hitler bis zu den britischen Besatzern
In den 1930er Jahren residierte Adolf Hitler gern in den Suiten des 252-Zimmer-Hauses, wenn er die Hansestadt besuchte. Beide Weltkriege überstand das Atlantic unbeschadet. Während des Zweiten Weltkriegs stand in den Speisekarten folgender pragmatischer Hinweis: "Die Möglichkeit eines Fliegeralarms zwingt uns, unsere verehrten Gäste um sofortige Bezahlung zu bitten." Trotz der Kriegswirren erlitt der Besucherstrom des Hotels aber nie einen deutlichen Einbruch.
1945 wurde das Hotel für fünf Jahre von den britischen Besatzungsmächten in Norddeutschland besetzt. Mit dem Beginn der Bundesrepublik Deutschland nahm der Prominentenfluss im Hotel zu, das zunehmend auch Künstler, Musiker und Schauspieler beherbergte.
Prominente und Politiker sind Stammgäste im Hamburger Hotel
Dazu zählen u.a. die deutschen Bundeskanzler Willi Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder, die Politiker Henry Kissinger und Michail Gorbatschow sowie Neil Armstrong, der Dalai Lama, Romy Schneider, Marlene Dietrich, Elizabeth Taylor, Arnold Schwarzenegger, Tom Cruise, Anthony Hopkins und der Schah von Persien.
Beim Gastieren der Rolling Stones während ihrer Hamburger Konzerte 1998 und 2003 kam es vor dem sonst eher ruhigen Hoteleingang zu Massenbelagerungen internationaler Fans, vor allem als Sänger Mick Jagger um die Alster joggte. 1992 belegte Superstar Michael Jackson während seiner Deutschlandtournee mit Band und Begleitern für eine Woche lang 30 Zimmer und machten die Hotelbar zu seinem Wohnzimmer.
Udo Lindenberg und James Bond als Ehrengäste im Atlantic
In den letzten Jahren machten vor allem zwei Persönlichkeiten im Hotel von sich reden – Udo Lindenberg und James Bond. Deutschrocker Lindenberg zog 1995 ins Hotel ein und wohnt seitdem dort fest, um dem Rock'n'Roll-Lifestyle mit seinen legendären Hotelnächten zu frönen. Mittlerweile lebt der Rockstar eher gesund, malt viele Bilder und gehört schon zum festen Inventar des Hotels.
Im Frühjahr 1997 wurden zahlreiche Szenen des James-Bond-Films "Tomorrow Never Dies" (Der Morgen stirbt nie) im und um das Gebäude sowie auf dem Hoteldach gedreht. 007-Darsteller Pierce Brosnan, der mehrere Wochen unter großen Medienrummel in der Hansestadt drehte, durfte im Hotel Bondgirl Teri Hatcher verführen, einen Bösewicht eliminieren und auf dem pompösen Hoteldach mit seiner markanten Weltkugel seinen Häschern entfliehen. Millionen von Bondfans weltweit sahen das Atlantic auf der Leinwand, als der Blockbuster zu Weihnachten 1997 in die Kinos kam.
Die Zukunft des Kempinski Hotel Atlantic
Mittlerweile bröckelt beim Hotel nicht nur der Putz, sondern auch das Renommee. In den letzten Jahren sind viele neue und weitaus modernere Hotels wie das Le Royal Meridien an der Alster oder das pompöse Park Hyatt Hotel in der Nähe der Reeperbahn zur Hamburger Herbergslandschaft dazu gestoßen, in die die Promis heute einkehren.
Das heutige Kempinski Hotel Atlantic hingegen hat aufgrund seiner Fassade sowie abgewohnter Zimmer, abgetretener Teppiche und abgenutzter Möbel im August 2008 seine Einstufung als Fünf-Sterne-Hotel verloren. Eine Neubewertung sollte erfolgen, wenn der heutige Besitzer, die Octavian Hotel Holding, das Gebäude für 22 Millionen Euro renovieren lässt. Die Weltwirtschaftskrise hat die Pläne jedoch vorläufig auf Eis legen lassen, so dass das große Jubiläum einen bitteren Beigeschmack erhält.
Nach einem bewegten Jahrhundert stehen dem geschichtsträchtigen Hotel, dass immer noch einen Concierge für individuelle Gästewünsche beschäftigt und klassische Zimmerschlüssel anstatt moderner Chipkarten an die Gäste ausgibt, hoffentlich noch viele erfolgreiche Jahre bevor. Es wäre schade, wenn die noblen Zimmer, das sogenannte "Staatsappartement", die drei Luxussuiten für 5.000 Euro pro Nacht sowie die 13 Ballsäle bald keine illustren Gäste mehr beherbergen würden. Und wenn die imposante Weltkugel auf dem Dach, das Wahrzeichen des Hauses, an den Nationalfeiertagen der über 100 Länder, die ein Konsulat in Hamburg betreiben, nicht mehr leuchten würde.
Mehr Informtionen gibt es auf der Website des Hotel Atlantic.
