
- Symbolisch fliegen die Kraniche für Japan - S-M. Erdmann
Die schlimmen Ereignisse in Japan nicht vergessen, die Menschen in ihrem Kummer nicht allein lassen, weltweit Mitgefühl zum Ausdruck bringen, dass will die Aktion „1.000 Kraniche für Japan“ bewirken. Unterschiedliche Gruppen, Einzelpersonen oder Firmen beteiligen sich an diesem Projekt oder haben in einer kirchlichen Einrichtung selbst eine solche Aktion geplant. Im Internet, wo hunderttausende Menschen miteinander vernetzt sind, können sich diese Personen in einem Ziel vereinen. Neben den anteilnehmenden Buttons, die in den Sozialen Netzwerken in den Profilbildern einzelner Menschen auftauchen und „Atomkraft. Nein Danke!“ oder „Pray for Japan“ zum Ausdruck bringen, rufen verschiedenen Gruppen auch zu besonderen Aktionen auf. Eine dieser Aktionen ist das Projekt „1.000 Kraniche für Japan“.
Der Kranich in der japanischen Mythologie
Die Legende um den Kranich ist in Japan sagenumwoben und uralt. Es heißt, ein Kranich würde ein Alter von 1.000 Jahren erreichen. Eine andere Geschichte spricht davon, dass 1.000 aus Papier gefaltete Kraniche die Götter dazu veranlassen, dem Bittendem einen Wunsch zu gewähren. Der Kranich gilt in Japan seit jeher als Zeichen für Langlebigkeit und Glück, wird als Glücksbringer zu Hochzeiten, Geburten oder wichtigen Anlässen verschenkt und gehört zu den wohl beliebtesten Origami-Figuren. Er steht als Symbol für die Hoffnung. – Ein Kranich, der die Ängste und Sorgen der Menschen auf seinen unendlichen Flügeln weit hinaus in den Himmel tragen kann.
Die Geschichte von Sadako aus Hiroshima – 1.000 Kraniche für einen Wunsch
Die erneute radioaktive Verseuchung vom 11. März in Japan erinnert in seinen Auswirkungen nicht nur an den atomaren Reaktorunfall von Tschernobyl, sondern wirft gleichzeitig den Atombombenabwurf von Hiroshima 1945 in Erinnerung. Damals waren die Gefahren noch neu für die Menschen, die mit dieser neuen Waffe in Berührung kamen und sorgten mit der Zeit für Krankheiten, die vor diesem Bombenabwurf nicht auftraten. Weit verbreitet und im Volksmund als Hiroshima-Krankheit betitelt, war Leukämie. Eine heimtückische Krankheit, die meist tödlich endete, weil es zur damaligen Zeit noch kaum Möglichkeiten zur Heilung gab.
Das Mädchen Sadako Sasai war zur Zeit des Bombenabwurfs zwei Jahre alt und befand sich in unmittelbarer Nähe zur Abwurfstelle. Wie durch ein Wunder überlebte das Mädchen, konnte nach dem Eintreten der Normalität in Hiroshima wieder zu Schule gehen und war eine begnadete Sportlerin. Mit zwölf Jahren machte sich die Krankheit auch in ihrem Körper breit – Sadako erkrankte an Leukämie. Eine Freundin erzählte ihr von der „Legende der 1000 Kraniche“ und diese gab ihr in dieser schweren Zeit neuen Lebensmut. Sadako wollte gesund werden und wieder Sport treiben und so begann das Mädchen in jeder freien Minute Kraniche zu falten, um sich von den Göttern Gesundheit zu wünschen. Jeder, der sie besuchen kam, faltete mit ihr. Darüber vergaß sie ihren Schmerz und ihre Krankheit, so dass sie wieder fröhlich wurde. Sadako schaffte es 1.000 Kraniche zu falten, verstarb kurz darauf am 25. Oktober 1955 an den Folgen der Leukämie. Ihre Geschichte beeindruckte jedoch tief.
Ein Denkmal für die Opfer von Hiroshima
Sadakos Aktionismus hat bei ihren Freunden für viel Aufsehen gesorgt. Eine Gruppe von Kindern aus Sadakos Klasse fing an, Kraniche zu falten und für 20 Yen zu verkaufen, um den Opfern von Hiroshima, zu denen Sadako letztlich auch gehörte, ein Denkmal zu setzten. Viele Menschen aus Japan beteiligten sich an der Aktion, Spendengelder aus mehr als neun Ländern konnten schließlich zusammen getragen werden. Mehr als drei Jahre haben sie gesammelt, dann konnten ein Denkmal für Sadako errichten lassen. Noch heute steht das Denkmal, welches als „Kinder-Friedens-Denkmal“ bezeichnet wird, im Park von Hiroshima und soll als Mahnmal an die schlimmen atomaren Folgen erinnern. Das aber auch in Friedenszeiten die Radioaktivität in Japan zu einem solch schlimmen Unglück führt, damit hatte wohl niemand wirklich gerechnet. So zeigt die Natur im 21. Jahrhundert ihre Gewalt über den fortschrittlichen Menschen. Das Unglück von Fukushima hat einmal mehr bewiesen, wie abhängig die Menschen von der Natur sind. Die Ohnmacht über das Erdbeben und den verheerenden Tsunami vom 11. März, veranlasst die Menschen wieder dazu, Anteilnahme zu zeigen - durch Aktionen wie „1.000 Kraniche für Japan“ versuchen die daran beteiligten Menschen, das Unglück zu verarbeiten und wollen gleichzeitig einen Funken Hoffnung schenken.
1.000 Kraniche für Japan – eine Legende als Hoffnungsschimmer
Deutschlandweit beteiligen sich Organisationen, Einzelpersonen oder auch Firmen an diesen Aktionen. Sie wollen damit ihr Mitgefühl für das japanische Volk zum Ausdruck bringen. Jeder kann sich daran beteiligen und Origami-Kraniche für Japan falten. Faltanleitungen werden zuhauf im Internet angeboten, so dass es ein Leichtes ist, sich im Falten zu versuchen. Die Bilder oder die gefaltenen Kraniche werden dann eingesandt. Sind 1.000 Stück zusammen getragen, soll gemeinsam für Japan der Wunsch geäußert werden, dass nichts Schlimmeres mehr passiert und die Menschen nachts wieder ruhig schlafen können. Die Aktion kommt in einer Zeit, wo Nachrichten eine Halbwertzeit von wenigen Tagen haben. Das Unglück soll nicht vergessen werden, so wie viele Katastrophen vorher schon! Die Menschen in Japan haben nach dem Erdbeben und dem Tsunami ihr Hab und Gut sowie viele ihrer Familienangehörigen und Freunde verloren, sie leben in einer völlig zerstörten Umgebung, in der auch mehr als vier Wochen nach der Katastrophe keine Normalität eingetreten ist und wo das Leben auch in Zukunft nicht vorhersehbar ist. Nach dem anfänglichen Aufschrei in den Medien soll dieses Ereignis nicht in der Masse der Informationsflut untergehen. Deshalb beteiligen sich immer mehr Menschen an der hoffnungsvollen Aktion. An Karfreitag 2011 wurden zum Beispiel beim Kinderkreuzweg der Gemeinde Falkenhagen symbolisch die ersten Kraniche fliegen gelassen.
Quellenangaben:
- Zzzebra - Das Web-Magazin für Kinder: 1.000 Kraniche für Sadako
- Origami-Kunst.de Faltanleitung für Origami-Kraniche
- Pressemitteilung vom 16. März 2011
- Aqua-Comfort.de: Aktion für Japan
