125 Jahre Kudamm: Open Air Show "Plasticiens Volants"

Seepferdchen - Jessy Medernach
Seepferdchen - Jessy Medernach
Schwebende Fabelwesen füllen den Himmel über Berlin und tauchen die Menschen in eine Fantasiewelt ein.

Überdimensionale Drachen, Schlangen, Eidechsen und andere Fabelwesen füllen am 4. September 2011 den tiefblauen Himmel über dem Kurfürstendamm. Sie schweben lautlos über die staunenden Menschen hinweg, senken dann den riesigen Kopf und schnappen nach der Menge oder sie lassen sich geduldig von Kinderhänden streicheln. Wilde, dumpfe Urklänge füllen die Szenerie und tauchen die Zuschauer in eine Traumwelt ein. Farbig leuchtende Marionetten eilen auf Stelzen vorbei, Krebse und Seepferdchen tummeln sich durch die Mengen und zum Finale schwebt ein Heißluftballon, mit der Aufschrift „Happy Birthday Kudamm“, zwischen riesigen Wurzeln hindurch, unter ihm schaukelt eine Artistin in atemberaubender Höhe.

Die französische Künstlertruppe „Plasticiens Volants“

Unten an den Seilen und auf Stelzen befinden sich rund 40 französische und Berliner Puppenspieler, die sich im Laufe der Inszenierung mit ihren Fabelwesen vereinen sollen. Die Truppe „Plasticiens volants“ wurde bereits 1976 als Straßentheatergruppe gegründet und hat seither auf zahlreichen Feiern und Festen in Frankreich und Spanien die Menschen verzaubert. 1992 setzte die Truppe auf der Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele ihr Können unter Beweis, danach folgten Auftritte in ganz Europa, Kanada, Australien, Südamerika und Asien. Die Truppe ist nach eigenen Ansichten fasziniert von allem was über ihren Köpfen passiert und interpretiert alte Erzählungen (Simurgh), Geschichten (Don Quijote) und Mythen (Babilonia) poetisch neu. Ziel ist es, eine Geschichte zu erzählen und dabei die Fantasie und Gefühlswelt der Menschen anzusprechen.

Die Entstehung der Riesenmarionetten

Plasticiens Volants haben ihren Sitz in dem kleinen Graulhet bei Toulouse, wo sie eine alte Gerberei aufgekauft haben. Das, 8000 m2 große, Fabrikgebäude bietet ausreichend Platz für Büros und Werkstätte. Hier entstehen alle Tiere, Marionetten und Kostüme, bevor sie in die Welt geschickt werden. Marc Bureau, künstlerischer Leiter von Plasticiens Volants, weist auf die Schwierigkeit hin, Marionetten zu bauen, die keine feste Struktur haben, aber sich so bewegen lassen, dass der Eindruck entsteht sie seien lebendig. Zuerst werden kleine Lehmfiguren geformt, die am Computer weiterentwickelt werden. Danach werden die Fabelwesen aus Stoffstücken zusammengenäht und zum ersten Mal mit Helium und Luft gefüllt. Erst jetzt kann man die Struktur erkennen und sieht, wie sich die Marionetten in der Luft bewegen lassen. Zum Schluss bemalen Künstler die Puppen, wobei sie darauf achten müssen, dass diese sowohl aus der Nähe betrachtet gut aussehen, als dass sie aus der Ferne erkennbar sind. Die Arbeit an dem neuen Stück „Big Bang“, das die Entstehung der Welt poetisch nacherzählt, dauerte drei Jahre.

Beim Anblick der bis zu 20 Meter langen Fabelwesen, die aus der Unendlichen Geschichte entflohen zu sein scheinen, staunen selbst die Erwachsenen. Dieser Verzauberung von Jung und Alt, ist wohl der weltweite Erfolg der Künstlertruppe zu verdanken.

Quelle:

http://www.plasticiensvolants.com

Jessy Medernach, Jessy Medernach

Jessy Medernach - Lebt seit einem Jahr in Berlin, stammt aus dem kleinen Luxemburg und ist hin und her gerissen zwischen dem lärmenden, schmutzigen, ...

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