Die nicht ganz vollbesetzte Maschine aus Wien setzt am Flughafen in Bukarest auf und die rumänische Metropole zeigt nicht gerade ihr schönstes Gesicht. Der Himmel hat die Schleusen geöffnet und es regnet in Strömen. Aber das Wetter passt auch zum noch immer allgegenwärtigen Charme des kommunistischen Baustils, der auch 21 Jahre nach der Revolution das Stadtbild prägt. Dennoch hat der am 25. Dezember 1989 zu Tode gebrachte Diktator Nicolae Ceausescu Rumänien auch ein bauliches Erbe zurückgelassen, dass dem Besucher den Atem raubt.

Der Präsidentenpalast Palatul Parlamentuliu

Der monströse "Palatul Parlamentuliu" ist mit 1100 Räumen auf einer Fläche von 350.000 m2 das zweitgrößte Gebäude der Welt. Der Bau dieses Volkshauses, das die Umsiedlung von 40.000 Einwohnern und den Abbruch eines Fünftels der Altstadt erforderte - unter anderem wurden 19 Kirchen zerstört, davon standen neun unter Denkmalschutz - beschäftigte 700 Architekten und rund 20.000 Arbeiter und Soldaten. Der "Conductator" Ceausescu und seine Frau Elena - die Wissenschaftsministerin, die gerade vier Jahre Grundschule besuchte - konnten sich an ihrem Lebenswerk nicht mehr erfreuen. Ceausescu konnte keine einzige Rede vom Balkon den Baues zu seinem Volk halten. Ganz im Gegenteil zum inzwischen ebenfalls verstorbenen Michael Jackson, der allerdings nicht ganz genau wusste, wo er war. Er verwechselte in seiner Rede Bukarest mit Budapest.

Rumänien ist nicht Bukarest

Rumänien ist auch zwanzig Jahre nach Zusammenbruch des Kommunismus und drei Jahre nach dem Beitritt zur Europäischen Union ein Land der Gegensätze. Der durchschnittliche Bürger muss mit 400 Euro im Monat auskommen, wobei zum Beispiel der Treibstoff für Autos genau so viel wie in Österreich kostet. Der Wechsel von Staat zu privat brachte wie überall auf der Welt auch in Rumänien Sieger und Verlierer hervor. Dies zeigt sich besonders in der Walachei, dem flachen südlichen Teil des Landes. Inmitten von Dörfern mit kleinen, zum Teil fast verfallenen Häusern und ein bisschen Grundfläche, wo Gemüse für den Eigenbedarf angebaut und Kleinvieh gehalten wird, stehen Häuser, die manchen Westeuropäer vor Neid erblassen lassen.

Transsylvanien und die Karpaten

Verlässt man die walachische Tiefebene und überquert die Karpaten, ändert sich das Landschaftsbild schlagartig. Nicht nur in den kleinen Dörfern, vor allem aber in den Hauptorten Hermannstadt (Sibiu) und Kronstadt (Brasov) in Siebenbürgen ist der 800 Jahre alte Einfluss der Siebenbürger Sachsen an der Bausubstanz zu sehen. Die Siebenbürger Sachsen kamen übrigens nicht aus dem deutschen Bundesland gleichen Namens. Der Ausdruck bezieht sich auf den mittelalterlichen Begriff "Schwert" und alle Kolonisten aus Westeuropa, die Steuerfreiheit bekamen und sich in Siebenbürgen ansiedelten, waren fortan Siebenbürger Sachsen.

Weltkulturerbe der UNESCO - Die Moldauklöster

Ganz im Norden Rumäniens, im Landschaftsteil der Bukowina, liegen die faszinierenden orthodoxen Klöster, die Weltkulturerbe der UNESCO sind. Sucevita, ein Nonnenkloster aus dem 16. Jahrhundert, wurde zur Abwehr von Osmaneneinfällen stark befestigt. An den vier Ecken der Anlage, die durch sechs Meter hohe und drei Meter dicke Mauern verbunden ist, stehen noch die vier Wachtürme. Die Kirche von Sucevita ist die am reichsten verzierte der Bukowina. An der Nordfassade sieht man eine prachtvolle Darstellung der Himmelsleiter. Ebenfalls ein Nonnenkloster ist Moldovita, eines der größten in der Bukowina. 1532 wurde seine Kirche bemalt. Am berühmtesten ist die Belagerung Konstantinopels in vorherrschenden Gelbtönen. Dieses dramatische Fresko ist sehr gut erhalten und zeigt eine Gesamtübersicht der an Türmen reichen Stadt mit Hunderten von Figuren. Mit einer Außergewöhnlichkeit kann das Kloster Voronet aufwarten. Berühmt gemacht haben die "Sixtinische Kapelle des Ostens" ihre Fresken - 1547 unter der Herrschaft von Petru Rares entstanden - namentlich die Darstellung des Jüngsten Gerichts an der Westfassade. Das Geheimnis des leuchtenden Blautons, das so einmalig ist, dass es den Namen "Voroneter Blau" erhielt, soll die Beimischung von Lapislazulistaub gewesen sein. Die Wissenschaft ist sich aber bis heute noch nicht sicher darüber. Eines ist allerdings sicher - Rumänien ist mehr als die Heimstätte von Vlad, dem Pfähler. Besser bekannt als Graf Dracula.