2010 eines der drei wärmsten Jahre in der Klimastatistik

UNO-Generalsekretär entnimmt polare Eisprobe - UN Foto/Mark Garten
UNO-Generalsekretär entnimmt polare Eisprobe - UN Foto/Mark Garten
Trotz des Bilderbuchwinters im Dezember hat das vergangene Jahr gute Chancen als wärmstes seit Beginn der Temperaturvergleiche in die Geschichte einzugehen.

Der strenge Winter im vergangenen Dezember kann die Statistiker nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Jahr 2010 mit hoher Wahrscheinlichkeit im Weltmaßstab zu den drei wärmsten Jahren seit Beginn der instrumentalen Temperaturmessungen im Jahr 1850 gehört. Nach Angaben der UNO-Organisation für das Weltwetter (WMO) besteht nach dem bisherigen Vergleich der Werte für Januar bis Oktober sogar die Möglichkeit, dass 2010 als das bisher absolut wärmste Jahr in die Annalen eingeht.

Die Kombination der Lufttemperatur über der globalen Wasser- und Landoberfläche für Januar bis Oktober 2010 liegt voraussichtlich 0,55 Grad Celcius (Toleranz plus oder minus 0,11 Grad) über dem Jahresmittel von 14 Grad im Zeitraum von 1961 bis 1990. Das ist bislang der höchste Wert in der Statistik noch vor dem Januar-Oktober Anstieg von 1998 (0,53 Grad) und von 2005 (0,52 Grad).

Temperaturanstieg 2010 war Thema auf der Weltklimakonferenz

Das endgültige Ergebnis für 2010 wird erst feststehen, wenn im Frühjahr 2011 die Werte für November und Dezember des Vorjahres vollständig ausgewertet sind. Nach vorläufigen operativen Messwerten lagen die Temperaturen vom November 2010 ähnlich hoch wie 2005 - ein weiteres Anzeichen für den rekordverdächtigen Temperaturanstieg.

Diese Daten, die mit Hilfe der 189 Mitgliedstaaten der Welt-Meteorologie Organisation zusammengestellt wurden, gelangten bereits Ende letzten Jahres während der Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancun an die Öffentlichkeit. Sie sollten zu weiteren Fortschritten bei der Eindämmung der durch menschliche Aktivitäten verursachten Treibhausgas-Emissionen beitragen, in denen Wissenschaftler die Hauptursache für die globale Erwärmung und den Klimawandel seit Beginn des Industriezeitalters sehen.

Eisfläche der Arktis kleiner und dünner

Im vergangenen Jahr registrierten Meteorologen auch das drittschwächste arktische Sommereis nach 2007 und 2008, das am 19. September 2010 nur eine Fläche von 4,6 Millionen Quadratkilometern bedeckte, die um mehr als zwei Millionen km2 unter dem langjährigen Durchschnitt lag. Der Herbstfrost kam ebenfalls nur sehr langsam mit einer Eisfläche, die am 28. November 2010 den geringsten Wert für diese Jahreszeit in der Geschichte aufwies.

Im Gegensatz dazu lag die Ausdehnung des antarktischen Eises insgesamt etwas über dem Normalwert mit der geringsten monatlichen Durchschnittsfläche von 3,16 Millionen km2 im Februar, die das Langzeitmittel um 0,22 Millionen km2 übertraf.

Die kontinentalen Oberflächentemperaturen waren in den meisten Teilen der Welt höher als normal, wobei die Extreme in zwei Gebieten auftraten – in großen Teilen Kanadas und Grönlands sowie in der nördlichen Hälfte Afrikas und in Südasien bis hin zum Westen Chinas. Im Jahresmittel war es in Westgrönland und der östlichen kanadischen Arktis um drei Grad Celsius wärmer als normal. In Nordafrika und Südasien wurde das langjährige Mittel um ein bis drei Grad überschritten.

Höchsttemperaturen für Kanada, Grönland, Nordafrika und Südasien

Viele Länder und Gegenden beider Regionen wie etwa Tunesien, die Türkei die arabische Halbinsel oder die kanadische Arktis und die Küste Grönlands erlebten das wärmste Jahr in der Statistik. Die Durchschnittstemperaturen über dem kanadischen Festland waren ebenfalls die bisher höchsten.

Nur in begrenzten Landgebieten fielen die Temperaturen unter das langjährige Mittel, besonders in Teilen des westlichen und mittleren Sibiriens, Teilen von Südamerika, im Inneren Australiens, Teilen von Nord- und Westeuropa, Ost-China und dem Südosten der USA. Es war das kälteste Jahr seit 1996 für Nordeuropa und seit 1998 für Nordasien, vor allem wegen der überdurchschnittlich niedrigen Wintertemperaturen.

Für einige europäische Länder, darunter Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Norwegen, war 2010 das kälteste Jahr seit 1996.

Monsunregen 2010 in Teilen Asiens besonders heftig

Die maritimen Oberflächentemperaturen lagen unter dem Durchschnitt über einem Großteil des Pazifiks als Resultat der La Niña-Winde, die sich über das Jahr hinweg entwickelten. Doch über dem Indischen Ozean und dem Atlantik war es deutlich wärmer als in normalen Jahren. Besonders im tropischen Nordatlantik wurden Rekordtemperaturen gemessen.

In einer Untersuchung verschiedener Regionen registriert die WMO 2010 die schlimmsten Fluten in Pakistan seit Menschengedenken als Folge ungewöhnlich ergiebiger Monsun-Regenfälle, durch die 1.500 Menschen umkamen und über 20 Millionen obdachlos wurden. Die Sommerregenzeit fiel auch im westlichen Indien besonders heftig aus und China erlebte die gewaltigsten Monsun-Fluten seit 1998.

Jedoch machten die durchschnittlichen Monsun-Niederschläge über Indien insgesamt nur zwei Prozent mehr als die Normalmenge aus. Unter dem langjährigen Mittel blieben sie im Nordosten Indiens und in Bangladesch, das seine trockenste Monsunperiode seit 1994 verzeichnete.

Hitzewelle in Finnland, harter Winter für Iren und Schotten

Die nördliche Hemisphäre spürte außergewöhnliche Hitzewellen in verschiedenen Gebieten Eurasiens, wobei sich die Extreme auf West-Russland konzentrierten. Auch in Finnland, der Ukraine und Weißrussland wurden extreme Höchstwerte gemessen. Eine Häufung besonders warmer Nächte gab es in weiten Teilen Südost-Europas, unter anderen in Serbien.

Der Winter 2010 zeigte sich in vielen Teilen der Nordhalbkugel ebenfalls abnormal. So mussten die Iren und Schotten den kältesten Winter seit 1962-63 ertragen. Viele Gebiete Nord- und Mitteleuropas hatten den kältesten Winter seit 1978-79, 1986-87 oder 1995-96, obwohl die Temperaturen nicht besonders spektakulär in historischen Langzeitvergleichen ausfielen.

Laut WMO-Studie verzeichnete Nordafrika besonders warme Verhältnisse während des Winters 2010, während Kanada seinen wärmsten und trockensten Winter in der Geschichte erlebte, in dem das Thermometer vier Grad Celcius über dem langjährigen Mittel anzeigte.

Teile des Amazonas-Beckens waren Ende 2010 hart von der Trockenheit betroffen und das südwestliche China musste gleich mit zwei ausgedehnten Trockenperioden nacheinander zum Ende 2009 und zu Beginn 2010 fertig werden.

Der Autor an der UNO-Mission in Sierra Leone, Foto: UNIOSIL

Christian Holger Strohmann - Mehr als 20 Jahre lang habe ich für die Vereinten Nationen (United Nations Organisation - UNO) auf allen Kontinenten als Journalist, ...

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