
- Micky Maus (c) Disney - http://www.lustiges-taschenbuch.de
Der Entstehung von Legenden liegt oft ein tragischer Kern inne. So auch im Falle des jungen Walt Disney, der plötzlich vor dem Nichts stand, als er die Rechte an seiner erfolgreichen Zeichentrickfigur „Oswald the Lucky Rabbit“ verloren hatte. Rückblickend betrachtet ein Glücksfall, denn aus einer finanziellen Notlage heraus wurde die Figur der Micky Maus geboren: Der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte!
Der Weg zum ersten Micky Maus Heft 1951
Bis das erste Micky Maus Heft in Deutschland erschien, sollten freilich noch mehrere Jahrzehnte vergehen. Zwar publizierte der Schweizer Verlag Bollmann zwischen 1936 und 1937 die Comicreihe „Micky Maus Zeitung“, die auf insgesamt 19 Ausgaben kam. Doch vor allem auf Grund der politischen Situation in Deutschland war dem Magazin kein Erfolg beschieden.
Es dauerte bis kurz nach Kriegsende, ehe der dänische Verlag Egmont begann, Disney-Comics zu produzieren. Nach dem Erwerb der entsprechenden Lizenz von Disney erschienen 1948 die ersten Disney-Comics in Schweden. 1951 folgte der Einstieg auf den deutschsprachigen Markt. Der 29. August 1951 markiert den Beginn der Micky Maus Zeitschrift. An diesem Tag wurde das erste Micky Haus Heft ausgeliefert – und avancierte prompt zum Riesenerfolg!
Erika Fuchs übersetzte Carl Barks Vorlagen
Der enorme Erfolg der von Erwachsenen oft als „Schundheftchen“ titulierten Disney-Comics basierte auf dem glücklichen Zusammentreffen zweier Umstände: Zum einen dem Abdruck der außergewöhnlich gelungenen Comics des US-Zeichners Carl Barks (1901 – 2000), zum anderen den kongenialen Übersetzungen ins Deutsche durch Erika Fuchs (1906 – 2005). Wie die mit einem Doktortitel in Kunstgeschichte ausgestattete Erika Fuchs dazu kam, ausgerechnet Comics zu übersetzen, kann wiederum nur als Fügung des Schicksals betrachtet werden.
Nachdem sie bereits längere Zeit für „Reader's Digest“ Artikel ins Deutsche übersetzt hatte, wurde sie von Ehapa kurzerhand zur Chefredaktion der Heftreihe Micky Maus ernannt. Ein Kulturschock für die in Comics völlig unbeleckte Erika Fuchs, die in späteren Interviews freimütig zugab, dem Micky Maus Heft anfangs keinerlei Chancen auf dem deutschsprachigen Markt eingeräumt zu haben. Sehr rasch wurde ihre Skepsis aber durch den Verkaufserfolg der Disney-Comics widerlegt.
Was das Micky Maus Heft von anderen Comics unterscheidet
Trotz aller Kritik konservativer Kreise, die im Micky Maus Heft den literarischen Untergang des Abendlandes heraufdräuen sahen, sowie späterer Konkurrenz durch andere Verlage und Comicreihen, behauptete sich die Zeitschrift seit 1951 als Fels in der Brandung des Zeitgeistes. Vergleicht man die ersten Ausgaben der anfangs noch monatlich erscheinenden Micky Maus Hefte mit späteren, lassen sich zwar deutliche Entwicklungen im Umfang, in der Druckqualität und natürlich dem Inhalt selbst feststellen. Doch im Grunde blieben die Figuren vom Zeitgeist unberührt: Donald Duck trägt immer noch seinen Matrosenanzug, fährt ein seltsames kleines Auto und reagiert auf Misserfolge oder Widerspruch aufbrausend.
Lediglich Micky Maus avancierte im Laufe der Zeit zu einem oft sehr ernsthaften Charakter, dessen Leidenschaft der Verbrecherjagd gilt. In der kurzlebigen Comicreihe „Ein Fall für Micky“ betrieb die berühmteste Maus der Welt sogar eine Detektei in Entenhausen und bekam es unter anderem mit Zombies, Vampiren, international agierenden Fälscherbanden oder korrupten Politikern zu tun.
Spaß im Mittelpunkt der Micky Maus Hefte
Im Mittelpunkt der Micky Maus Hefte standen und stehen aber harmlose Comicabenteuer, die dank ihres satirischen Materials auch von Erwachsenen gerne gelesen werden. Vor allem die von Erika Fuchs betreuten Übersetzungen erfreuen sich in Fankreisen höchster Beliebtheit. Dabei handelte es sich weniger um korrekte Übertragungen ins Deutsche, als vielmehr höchst freie Adaptionen.
Ganze Generationen an Lesern wuchsen oft unbewusst mit verborgenen klassischen Zitaten in den Micky Maus Heften auf. Ihren literarischen Heroen zollte Erika Fuchs bei jeder sich bietenden Gelegenheit Tribut. Geradezu legendär ist der leicht abgewandelte Rütlischwur aus Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“.
Während es bei Schiller noch hieß: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr.“, parodierten dies Tick, Trick und Track angesichts drohender Zwangswaschmaßnahmen durch ihren Onkel, indem sie sich schworen: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr“.
Entenhausen im digitalen Zeitalter
Gefahr durch die Auswirkungen des digitalen Zeitalters auf die klassischen Medien droht den Disney-Comics wohl nicht. Zwar mussten auch beim Micky Maus Heft Rückgänge bei den Verkäufen hingenommen werden. Doch nach wie vor gilt das Micky Maus Heft als Klassiker unter den deutschsprachigen Comics und erfreut sich hoher Popularität. Nicht nur unter Kindern und Jugendlichen, sondern auch unter Erwachsenen.
Man kann deshalb ruhigen Gewissens weiterhin behaupten: Trends kommen und gehen, das Micky Maus Heft bleibt!
