Alle fünf Jahre muss der Rat für deutsche Rechtschreibreform der Kultusministerkonferenz (KMK) einen Bericht vorlegen, der Vorschläge zur Anpassung des Regelwerks enthält. So will es die Satzung. Nach der letzten Rechtschreibreform im Jahr 2006 ist es 2011 wieder soweit. Tatsächlich übergab der Rat für deutsche Rechtschreibung bereits am 1. Oktober seine Änderungsvorschläge. Doch kaum eine Zeitschrift oder Zeitung berichtete. Sind die Medien sauer, weil die schreibende Zunft nicht in die Reformdebatte miteinbezogen wird? Vermutlich nicht saurer als das Volk.
Die Rechtschreibreform hat mehr Gegner als Befürworter
Zahlen des Instituts für Demoskopie in Allensbach belegen, dass die Zahl der Rechtschreibreformgegner ständig steigt. Von 2004 bis 2005 stieg die Zahl der Gegner von 49 auf 61 Prozent. Wir erinnern uns: Die letzten Rechtschreibreformen waren 1996 und 2004. 2006 wurde die Reform erstmals reformiert und noch immer besteht große Verwirrung.
Dabei hatten die Zeitungen so schön eingelenkt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte sich bis 2006 geweigert, die Reformen zu übernehmen und blieb bei der traditionellen Schreibweise. Die Springer-Presse machte die erste Reform noch mit, kehrte aber 2004 zur traditionellen Schreibweise zurück, um 2006 neu zu reformieren. Inzwischen folgen fast alle Tageszeitungen der Reform oder befolgen laut Verein für Sprachpflege e.V. „eine eigene Hausorthographie“. Zeitschriften und Bücher hingegen werden jedoch noch oft in der traditionellen Rechtschreibung gedruckt. „Dazu gehört ein Drittel der Neuerscheinungen, die für den Preis der Leipziger Buchmesse 2010 benannt waren“, weiß Thomas Paulwitz in der Deutschen Sprachwelt.
Was erwartet uns bei der Rechtschreibreform 2011?
Nachdem die 2006er Reform einige bewährte Schreibweisen, die in den Jahren zuvor gestrichen wurden, wieder zugelassen hatte, kann man davon ausgehen, dass weitere Schreibvarianten zugelassen werden. Erfundene Fremdwortschreibungen sollen gestrichen werden, etwa das Wort „Fassette“ statt Facette. Spagetti und Tunfische bekommen wohl ihr h zurück. Doch weitere Details sind bislang noch nicht durchgesickert. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil es bei den Rechtschreibdebatten in den anderen Reformjahren relativ hoch her ging.
Ob man die noch immer so falsch aussehenden, reformierten Wörter wieder „richtig“ schreiben darf, werden wir vermutlich alle erst wissen, wenn gegen Mitte oder Ende 2011 die neuen Wörterbücher vorliegen. Wer möchte, kann sich zwei, drei Exemplare kaufen und abends mit Freunden die Einträge vergleichen. Das könnte witzig werden, denn bislang widersprechen sich die Marktführer Duden und Wahring.
Was das Rechtschreibprogramm im PC anbelangt, bleibt abzuwarten. Ein Hilfsprogramm, das die neuen Schreibweisen wieder in die alten umwandelt, gibt es bereits. Der Falsch-nach-Richtig-Konverter (FNR) ist aber leider nicht ganz einfach zu bedienen, denn schließlich kann er nicht einfach alle ss in ß umwandeln. Die deutsche Sprache ist einfach zu mehrdeutig, als dass ein Programm alle Unklarheiten beseitigen könnten. „Der Anwender muss selbst entscheiden, wie geschrieben werden soll“, sagt Dr. Jürgen Langhans, der Entwickler der Software. So gesehen brauchen wir eigentlich alle keine Reform.
