
- 21.12. 2012 – Zeitenwende für Welt und Menschheit? - Rolf Schneider
In immer mehr Artikeln und Buchtiteln taucht das Datum des 21.12. 2012 (amerikanisch 12.21.12) auf. Dabei beziehen sich die Verfasser jeweils auf einen Mayakalender, der dieses Datum mit dem Ende der Welt in ihrer bisherigen Form als auch einer Veränderung der Menschheit verbindet. Die Menschen sollen demnach zu diesem Datum einen neuen Bewusstseinszustand beziehungsweise eine neue spirituelle Dimension erreichen.
Zeitvorstellungen unterschiedlicher Kulturen
Bereits 1790 wurde auf dem alten Zentralplatz von Mexico City ein riesiger und berühmt gewordener aztekischer Sonnenstein gefunden. Er stellt auf vier Metern Durchmesser die fünf Weltzeitalter in Form von „fünf Sonnen“ dar. Der Stein belegt, dass unterschiedlichste Kulturen ähnliche Zeitvorstellungen hatten und auch in ihrem Verständnis der Zeitepochen sehr ähnliche Gedanken aufwiesen.
Der Mayakalender und sein 21.12.2021
Auch der Mayakalender bezieht sich auf fünf Weltzeitalter von je 5.125 Jahren, die zusammen den Präzessionszyklus darstellen. Dieser Zyklus umfasst die 25.625 Jahre, welche die Erde braucht, um den kompletten Tierkreis zu durchlaufen. Die Erde bewegt sich aufgrund ihrer Eigenpendelbewegung innerhalb des Kosmos und verändert so ständig ihre Position. Nach Auffassung der Mayas ist die jeweilige Position der Erde im Kosmos verantwortlich für unterschiedliche Energiekonstellationen, denen sich die Natur und das Leben auf der Erde anpassen. Der letzte im Mayakalender verzeichnete Zyklus von 5.125 Jahren endet zur Sommersonnenwende am 21.12.2012. Der Mayakalender verblüfft durch seine exakten und versierten Berechnungen, die bis heute in der Wissenschaft anerkannt sind. Doch rechtfertigt die wissenschaftliche Anerkennung der Daten auch die eher weniger wissenschaftlichen Auslegungen dieser Daten?
Kosmos, Energie und Auswirkungen auf die Erde
Die Menschen registrieren Tag täglich die Auswirkungen unterschiedlicher kosmischer Stellungen der Erde: Tag- und Nachtrhythmus, die Jahreszeiten oder Flut und Ebbe sind von Sternen beziehungsweise Mond (mit Magnetfeld) und Sonne (mit Intensität der Sonnenstrahlung) beeinflusst. Viele Menschen klagen bei Vollmond über Schlafprobleme doch wissenschaftlich lässt sich kein Zusammenhang herstellen. Dennoch klagt die Polizei über mehr Gewalt in Vollmondnächten und Hebammen verzeichnen mehr Geburten. Ist nun der Mond schuld, oder schlägt die menschliche Psyche den Menschen hier ein Schnippchen. Gehen einfach mehr Leute bei Vollmond in die Kneipen, weil sie davon ausgehen, dass sie sowieso nicht schlafen können, und dann sind sie mit ein paar Bier und der durch Übermüdung bedingten Aggression gereizter und deshalb kommt es zu mehr Gewalt, oder ist der Mond schuld?
Auswirkungen des Datums 2012 in der Wirtschaft
Im Bereich der Wirtschaft hat das Datum bereits Auswirkungen. So manch einer verdient sich hiermit eine goldene Nase. So wurde 2009 der Katastrophenfilm 2012 des Regisseurs Roland Emmerich veröffentlicht und fand mit seiner Weltuntergangsdarstellung, die letztlich ein Neuanfang der Menschheit aufzeigte, (Dollar)-reichen Anklang.
In der esoterisch-spirituellen Szene erobern Menschen wie die Maya-Priesterin Nah Kin, welche die Göttin in jedem erweckt, oder Karin Tag, die bei einem Ritual der Inka als Hüterin von Corazon de Kuz („Herz des Lichts“ – peruanischer Kristallschädel) erkannt wurde, mit Prophezeiungen die Szene. Auch bei den Inka gibt es Prophezeiungen zu 2012.
Bereits 2009 fand ein Kongress 2012 in Hamburg statt, der im Oktober 2010 erneut durchgeführt wird. Folgende Persönlichkeiten mit ihren Theorien werden sich dort präsentieren: Lee Carroll, José Argüelles, Bruce Lipton, Alberto Villodo, Gregg Braden, Diana Cooper, Star Sounds Orchestra sowie Karin Tag.
Die Erwartung eines neuen Bewusstseins am Ende von 2012
Vor allem die Erwartung eines neuen Bewusstseins lässt die esoterisch-spirituelle Szene aufleben. So heißt es auf der Startseite zum Kongress 2012: „ ... steht das Jahr 2012 für den Übergang von unserer jetzigen Lebensform zu einer neuen, die in eine höhere Bewusstseinsform mündet. Während manche dieses Ereignis zum Anlass für die Warnung vor großen Katastrophen nehmen, sehen die spirituellen Lehrer und Weisen dagegen dieses magische Datum als Fixpunkt für die Beschleunigung des Bewusstseinswandels, der für uns alle schon spürbar ist.“
Das neue Bewusstsein wächst bereits
Die inzwischen nicht mehr von der Hand zu weisenden Wirtschaftskrise, Bankenkollaps und Insolvenzen ganzer Staaten, Milliarden Liter Öl vor der Kalifornischen Küste, Übersäuerung der Meere, Naturkatastrophen und dergleichen mehr, haben bereits für Veränderungen im Bewusstsein der Menschen gesorgt: grenzenloses Wirtschaftswachstum, grenzenlose Ausbeutung der Natur und grenzenlose Ausreizung des Ökosystems Erde werden immer mehr als nicht mehr gangbare Wege erkannt. Natürlich suchen die Menschen mit ihrem Gefühl der Hilflosigkeit und mit ihren Ängsten, diesen Phänomenen gegenüber, nach Lösungswegen und Alternativen. Liegt dies nun am Mayakalender oder einfach daran, dass die Zeit für einen Wertewandel einfach reif ist?
Das Bewusstsein in ständiger Entwicklung
In seinem Buch „Halbzeit der Evolution“ hat Ken Wilber (1990, S. 21ff) eine Entwicklung des menschlichen Bewusstseins vom Animalischen zum Kosmischen hin nachvollzogen. Die Phasen sind: 1. - Zustand faktischer Identität mit dem Leben des Körpers und seiner physischen Umwelt. Das menschliche Bewusstsein hatte sich noch nicht von der primitiven Natur des tierischen Körpers gelöst. Das Leben war nur auf die Befriedigung tierischer, auf den Körper gerichteter Bedürfnisse gerichtet. 2. - Durch das Heraustreten des Kerns innerer Erfahrung entstand das Ego, das über sich selbst nachdenkt. Durch die Erkenntnis des Egos wurde der „Primitive Schlummer“ abgelegt. Der paradiesische Zustand der vollkommenen Einheit mit der Natur wurde überwunden … Das Ich-Bewusstsein entwickelte sich zu dem heutigen individuellen, geschärften und räumlich bestimmten Bewusstsein. 3.- Diese zweite Phase gilt es in einer dritten Phase des Überbewussten der Seele und des Geistes noch zu überwinden.
Vielleicht ist es nun an der Zeit, die zweite Phase zu überwinden und einen Bewusstseinswandel zu vollziehen, ein Ich-Bewusstsein in Einheit mit der Natur zu entwickeln, welches von Quantität zu Qualität, von Konkurrenz zu Kooperation und von ausschließendem Denken zu ganzheitlich einschließendem Denken und Handeln führt.
