24 Jahre Reaktorunfall Tschernobyl - Der atomare GAU

Atom Gefahrenzeichen - public domain
Atom Gefahrenzeichen - public domain
Am 26. April 1986 ereignet sich bei Tschernobyl ein folgenschwerer Reaktorunfall, der die Gefahren der friedlichen Nutzung der Atomenergie vor Augen führt.

Am 26. April 1986 ereignete sich in der Nähe der ukrainischen Stadt Tschernobyl der bislang folgenschwerste Unfall eines Atomreaktors, in dessen Verlauf größere Mengen von Radionukliden austraten. Durch diesen größten anzunehmenden Unfall, abgekürzt als GAU, wurde auch die bundesrepublikanische Bevölkerung mit den Auswirkungen der sogenannten friedlichen Nuzung der Atomenergie konfrontiert. Mit den Luftströmungen wurden radioaktive Partikel über weite Gebiete verteilt und gelangten somit auch in die Bundesrepublik Deutschland.

Ursachen des Unfalls im Reaktorblock Nummer 4

Anfangs stellte die Sowjetunion Fehlhandlungen und das Versagen des Personals in den Vordergrund, wobei ausschließlich grobe Verletzungen einer Reihe von Bedienungsvorschriften für den Unfall verantwortlich gewesen seien. Mit gezielten Fehlinformationen wurden zudem die prinzipiellen technischen Mängel der Konstruktion des in Tschernobyl eingesetzten Reaktortyps "RBMK" heruntergespielt.

Infolge genauerer Informationen, die der Westen im Rahmen von Kooperationen mit Osteuropa erhielt, traten die technischen Mängel der RBMK-Konstruktion sowie organisatorische Defizite immer stärker in den Vordergrund, was zu einer Relativierung der individuellen Schuld des Reaktorpersonals führte. Allerdings sind neben den gravierenden Mängeln der reaktorphysikalischen Auslegung auch Defizite in der der Betriebspraxis anzuführen, die dem Personal folgenschwere Verletzungen der Betriebsvorschriften verhältnismäßig leicht machten.

Verlauf des Unfalls am 26. April 1986

Der Reaktorunfall erfolgte durch eine Reihe von Bedienungsfehlern im Zusammenhang mit einem technischen Experiment, welches eine Sicherheitsabschaltung simulierte. Die Anzahl der Kernspaltungen nahm innerhalb weniger Sekunden rapide zu, woraufhin die Brennelemente aufgrund des großen Temperaturanstieg schmolzen. Die Brennstäbe zerplatzten, es kam zu einem nicht mehr beherrschbaren Anstieg des Dampfdruckes und letztlich zum Bersten von etwa 30 Prozent der Druckröhren. Die Explosion, die zur Zerstörung des Reaktorgebäudes führte, hatte ihre Ursache in der Entzündung von Wasserstoff beziehungsweise Wassergas. Der Reaktortyp bei Tschernobyl ist ein graphitmoderierter, wassergekühlter Siedewasser- und Druckröhrenreaktor ohne Reaktordruckbehälter.

Strahlenbelastung durch den Reaktorunfall von Tschernobyl

Radioaktive Stoffe wurden herausgeschleudert und aufgrund von Graphitbränden in Höhen von etwa ein bis zwei Kilometer transportiert und über weite Gebiete verteilt. Die Umwelt war in einem Radius von etwa 30 Kilometern um den Reaktor sehr stark radioaktiv kontaminiert. Infolge von Regenfällen wurden die Radionuklide aus der Luft ausgewaschen und gelangten in zum Teil sehr hoher Konzentration in das Erdreich und in Gewässer.

In der Bundesrepublik Deutschald wurden eine Reihe von Radionukliden nachgewiesen, dabei kommt der Caesium-137-Aktivität eine große Bedetung zu, da aufgrund der relativ langen Halbwertszeit des Radionuklids von etwa 30 Jahren auch in Zukunft bestimmte Nahrungsmittel stärker belastet sein werden. Durch den Reaktorunfall von Tschernobyl wurde mancherorts fünfmal so viel Caesium-137 in den Boden abgelagert als durch alle Kernwaffentest in den Jahren zuvor.

Verbesserungsmaßnahmen am Tschernobyl Reaktortyp

Bei allen RBMK-Anlagen wurden Verbesserungen der reaktorphysikalischen Auslegung, der Abschalteinrichtungen und der Betriebsvorschriften vorgenommen. Somit erscheint zwar eine Wiederholung des damaligen explosionsartigen Unfallverlaufs heute kaum noch möglich, aber eine 100prozentige Sicherheit insbesondere eines Atomkraftwerkes kann niemals garantiert werden. Ein gewisses Restrisiko bleibt somit immer bestehen, und ob die Nutzen, die aus der Verwendung von Atomkraftwerken entstehen, die reellen und potentiellen Kosten, wie zum Beispiel in Form eines GAU´s und der damit einhergehenden Strahlenbelastung der Umwelt, rechtfertigen, darf angezweifelt werden.

Reaktionen in Deutschland

Nach der Katastrophe in Tschernobyl wurde mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ein neues Ministerium eingerichtet, da die Nachfrage der Bevölkerung nach Daten enorm war. Dutzende unabhängige Meßinstitute wurden gegründet und Lebensmittel auf ihre radioaktive Belastung hin untersucht.

Das Strahlenschutzvorsorgegesetz hat das Verhindern eines Informationschaos durch Vorschriften für alle offiziellen Stellen zum Ziel, so daß Meßdaten und Verbraucherempfehlungen nur noch nach Freigabe des Umweltministeriums veröffentlicht werden dürfen. Als Konsequenz richteten einige Unternehmen der Lebensmittelindustrie eigene Labors ein. In der Nahrungsmittelindustrie kann eine Verunsicherung der Verbraucher große Umsatzeinbußen zur Folge haben.

Die von der Regierung versprochenen umfangreichen Forschungsprogramme, mit denen das Bundesgesundheitsministerium wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkung von Strahlen auf den Menschen gewinnen wollte, liefen jedoch erst nach heftigen Bürgerprotesten an.

Literatur und Quellen

  • Wissenschafts-Pressekonferenz am 16. Januar 1996, Prof. Dr. Adolf Birkhofer Geschäftsführer der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), "Kernaussagen" zum 10. Jahrestag des Tschernobyl-Unfalls
  • Heldenepos Tschernobyl und die Folgen - 2 Farben der Zeit, Video
Sven Fauth, © Sven Fauth

Sven Fauth - Studium der Volkswirtschaftslehre in KonstanzStudium der Landschaftsplanung in BerlinAls selbständiger Künstler erstelle ich ...

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