2Pac: Die Highlights seines Knast-Interviews auf Deutsch

Jetzt auf DVD: Ein 2Pac-Interview von 1995 - New Video Group
Jetzt auf DVD: Ein 2Pac-Interview von 1995 - New Video Group
Kurz vor dem 15. Todestag des Rappers am 13.9.2011 ist ein Tupac Shakur-Interview von 1995 auf DVD veröffentlicht worden. Hier gibt es die Übersetzung davon

Tupac Shakur († 25) war 1995 wegen sexueller Belästigung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Davon saß er elfeinhalb Monate ab, dann löste ihn Suge Knight, der Chef seines Plattenlabels Death Row Records, gegen eine Kaution von 1,4 Millionen US-Dollar aus. Während der Haft im New Yorker Clinton Correctional Facility wurde das etwa 45-minütige Interview geführt. Anlass war ein Projekt gegen Jugendkriminalität, angestoßen durch den Tod von „Yummy“ Sandifer 1994 in Chicago. Obwohl erst elf, war der Junge schwerkriminell und wurde von einer verfeindeten Gang ermordet.

In dem Gespräch reflektiert der Rapper sein Leben, prangert gesellschaftliche Missstände an und beklagt ein falsches öffentliches Bild von sich. Da das Interview auf DVD und im Internet nur in der Originalfassung zu sehen ist, hat Suite101 die wichtigsten Passagen daraus übersetzt:

2Pac über...

...den Grund für seine Haft:

„Ich wurde wegen sexueller Belästigung verurteilt. Ich sitze, weil ich jemandem an den Hintern gepackt haben soll – was nicht stimmt. Aber jeder, der sich für seine Community einsetzt, läuft Gefahr, dass man ihm so etwas antut... Ich kann nur jedem raten: Seht zu, dass ihr nicht im Gefängnis landet, tut alles dafür, dass zu vermeiden. Es ist kein Ort, an dem man sein sollte!“

...den Gefängnisalltag:

„Das Gefängnis tötet deinen Geist! Ich kann hier nicht kreativ sein. Ein semibiografisches Drehbuch mit dem Titel ‚Live 2 Tell’ habe ich geschrieben (die Verfilmung soll 2012 ins Kino kommen, Anm. d. Autors). Aber dazu brauchte ich keine Inspiration, dafür musste ich mich nur an meine Vergangenheit erinnern. Ansonsten habe ich viel Zeit mit Workout verbracht, viel Musik gehört und gute Bücher gelesen, etwa von Michelangelo oder auch ‚Die Kunst des Krieges’ von Sunzi.“

...seine Musik und seine Texte:

„Auf meinen Alben spreche ich immer Dinge an, die mich oder meine Community betreffen. Ich verpacke das Ganze in Allegorien und Fabeln, die eine Moral haben oder ein Thema unterschwellig transportieren. Mich inspirieren Leute wie Don McLean, der Hits wie „American Pie“ oder „Vincent“ geschrieben hat, aber auch ein Shakespeare. Ich stehe halt auf tiefgründige Geschichten. Die sollen sich auch in meiner Musik finden.“

...seinen Erfolg:

„Als ‚Thug Life’ erschien, habe ich wirklich ein Gangsterleben geführt. ‚Me Against The World’ habe ich gemacht, bevor ich angeschossen wurde und ins Gefängnis kam – und nehme darauf genau diese Themen prophetisch vorweg. Das gefällt den Leuten offenbar. Meine Musik ist spirituell, sie handelt von Emotionen und vom Leben. Ich zeichne auch kein perfektes Bild von mir, sondern gebe meine dunkelsten Geheimnisse preis.“

...sein Gangster-Image:

„Ich verstehe nicht, wie Politiker dazu kommen, meine Songs als Gangster-Musik abzukanzeln. Ich glorifiziere in meinen Texten keine Verbrechen. Deshalb kann man mir auch nicht die Schuld dafür geben, dass es Gewalt und Verbrechen gibt. Wenn überhaupt, kann man mir nachsagen, dass ich mal ein Gangster war. Aber das betrachte ich nicht als Fehler, sondern als eine Entwicklungsphase. Schwarze, hispanische oder puertoricanische Jugendliche können ihre Energien eben nur auf der Straße ausleben. Die reichen, weißen Kids gehen zum Militär. Aber ich habe eh das Gefühl, dass ich mit anderen Maßstäben gemessen werde als andere. Ich werde wegen meiner Texte stärker angegriffen, als ich es verdient habe!“

...Gangs und Gewalt:

„Republikaner, Demokraten, die Polizei, das FBI oder die CIA sind auch nichts anderes als Gangs! Unser ganzes Land besteht aus solchen Banden. Auch Gewalt gibt es in ganz Amerika. Wenn jemand ein Mitglied deiner Familie erschießt, willst du Rache. Genau dasselbe machen die USA: Warum fliegen unsere Truppen nach Bosnien, obwohl wir dort eigentlich nichts zu suchen haben? Das ist nichts anderes als Gang-Mentalität! So lange das Land diese Einstellung nicht ändert, wird es keiner tun. Ich würde gerne sagen, dass die Gewalt aufhören muss – aber das wäre wirklichkeitsfremd.“

...das Leben der Schwarzen in den USA:

„Gewalt und Drogenhandel wird es immer geben, aber wir müssen das steuern. Ansonsten werden wir zugrunde gehen. Es gibt immer härtere Gesetze und immer mehr Gefängnisse. Wenn unsere Leute trotzdem weiter Gangster sein wollen, dann sollten sie wenigstens eins tun: Eine Revolution anzetteln, ein eigenes Land gründen und von hier verschwinden! Das Leben hier wird uns nirgendwo hinführen, außer ins Gefängnis.“

...Freundschaften:

„Von vermeintlichen Freunden bin ich nur enttäuscht worden. Bis zu dem Attentat auf mich (1994 wurde er auf dem Weg in die New Yorker Time Square’s Quad Recording Studios niedergeschossen, Anm. d. Autors) hätte ich nie gedacht, dass ein Schwarzer auf mich schießen würde. Schließlich habe ich mich immer als Repräsentant meiner Community gesehen. Aber die Schüsse und auch die Reaktionen darauf haben mir gezeigt, dass dem nicht so ist. Ich kann jedem nur raten: Traut niemandem!“

...sein Verhältnis zu seiner Mutter Afeni:

„Meine Mutter war mit mir schwanger, als sie hinter Gittern saß (wegen angeblicher Beteiligung an einem Bombenattentat, Anm. d. Red.). Wenn man so will, wurde ich also im Gefängnis herangezüchtet. Unser Verhältnis hat verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen: Erst hatten wir eine Mutter-Sohn-Beziehung. Dann war sie der Ausbilder und ich der Kadett, schließlich der Diktator und ich das kleine Land (lacht). Inzwischen respektiert sie mich als Mann und ist eine echte Freundin für mich. Viele Jungs aus dem Ghetto lieben ihre Mutter. Schon allein, weil sie nur von ihr großgezogen werden...“

...seine Zukunftspläne und Todesahnungen:

„Ich will Filme machen – als Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur. Außerdem werde ich Platten aufnehmen und andere Künstler produzieren. Und ich plane ein Sozialprojekt für die schwarzen Communitys, für das ich mit Lehrern und Sozialarbeitern zusammenarbeiten will. Es kann aber sein, dass ich umgebracht werde, sobald ich hier rauskomme. Der Tod ist der einzige, der mich stoppen kann. Aber selbst dann wird zumindest meine Musik ewig bestehen!“

Tupac Shakur wurde am 7.9.1996 in Las Vegas im BMW 750i von Suge Knight bei einem Drive-by-Shooting von mehreren Kugeln getroffen. Sechs Tage später erlag er seinen Verletzungen.

Das komplette Interview ist im Original unter dem Titel "Tupac Uncensored & Uncut: The Lost Prison Tapes" auf DVD erhältlich. Man findet es auch bei YouTube: Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Autor Frank-Michael Wellner (42) aus München, privat

Frank-Michael Wellner - Der Journalist ist seit 20 Jahren in der Medienbranche tätig. In dieser Zeit war der gebürtige Hamburger u.a. Chefredakteur des ...

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