35 Jahre deutsche Sesamstraße

Kinderprogramm stieß lange auf Zweifel der Kritiker und ist Erfolg

Die Sesamstraße war in Deutschland die erste Fernsehsendung, die sich an Vorschulkinder richtete, und nicht nur die erreichte.

Der Vorspann gehört zu den markantesten im Fernsehen: „Der, die, das / wieso, weshalb, warum / wer nicht fragt, bleibt dumm“, heißt es im Titellied. Dazu spielt die Zielgruppe im Laub, Matsch oder Schnee. Die Macher der Sesamstraße haben sich schon immer vorgenommen, den Horizont der Kinder erweitern zu wollen. In den USA wurde die Serie ursprünglich für den Nachwuchs der Unterschicht konzipiert.

Gegenstände werden gezählt, der Unterschied zwischen Begriffen wie „unten“ und „oben“ veranschaulicht. Mit diesem pädagogischen Konzept wirkt die Sesamstraße heute schon etwas antiquiert, heißt doch die Konkurrenz: „Power Rangers“, „Pokémon“ oder „Naruto“. Entsprechend früh, sonntags morgens um 7.35 Uhr zeigt das Erste heute die Sesamstraße. Bis in die 90er Jahre gehörte sie zum Nachmittag-Programm.

BR verweigerte Ausstrahlung

Als der NDR die Sesamstraße 1973 holte, regten sich viele darüber auf. Kritiker fürchteten, Kinder würden verdummen, wenn sie schon im Vorschulalter fernsehen. Der Bayerische Rundfunk stufte die Sesamstraße als „zu schnell und zu amerikanisch“ ein und verzichtete anfangs auf eine Ausstrahlung. Doch auf den anderen Sendern der ARD gewann das pädagogische schnell einen großen Fankreis, der über die Kleinen hinausging, und der BR musste bald nachziehen.

Seit 1978 produziert der NDR eine deutsche Rahmenhandlung. Dafür gewann der Sender früh prominente Schauspieler wie Liselotte Pulver und Manfred Krug. Auch Horst Janson und Anke Engelke spielten bereits mit den Puppen zusammen. Auch bei diesen gibt es eigene deutsche Figuren wie den gemütlichen, etwas tapsigen Bären Samson, der nichts mehr mag als Würstchen: „Uiuiuiuiuiuiui!“

Tiffy ist nicht mehr dabei

Wobei auch Puppenkarrieren enden können. Seit 1990 verzichtet der NDR aus Lizenzgründen auf den etwas hochnäsigen Herrn von Bödefeld. Und seit 2005 ist die Figur nicht mehr dabei, die lange als Identifikationsfigur für die Mädchen stand: Tiffy. Sie wurde ersetzt durch die allein erziehende Mutter Moni samt Tochter Lena.

Die Figuren stehen von Anfang an für Momente, die den Nachwuchs bewegen. Meist geht es um einfache Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit oder Hilfsbereitschaft. Die Macher greifen aber auch aktuelle Bezüge auf. Die südafrikanische Sesamstraße sorgte weltweit für Schlagzeilen, als sie eine Puppe eine Aidskranke spielen ließen. Im Land am Kap liegt die Zahl an Erkrankungen im zweistelligen Millionenbereich.

Immer mehr internationale Versionen

In 120 Ländern war oder ist die Sesamstraße zu sehen. Das jüngste in der Familie ist Indonesien. Hier gibt es Tantan, einen Orang-Utan, der das mögliche Aussterben dieser Rasse mahnen soll. In Ägypten ermutigen die Puppen Mädchen, in der Schule selbstbewusster aufzutreten. Ein Versuch der Völkerverständigung ist allerdings gescheitert.

Die "Iftab Ya Simsim" wurde in Israel und Palästina gezeigt und warb für Frieden zwischen den beiden Ländern. Doch der Hass war stärker. Mittlerweile ist die Sendung nur noch in Israel zu sehen. In muslimischen Ländern hat die Sesamstraße ohnehin damit zu kämpfen, dass sie eindeutig erkennbar aus den USA kommt. Aber auch dort ist nicht mehr alles wie es einmal war: So leiden viele Kinder in den Staaten an Übergewicht. Mit Folgen für das Krümmelmonster – das muss sich jetzt gesund ernähren und statt nach "Kekse, Kekse, Kekse" nach "Karotten, Karotten, Karotten" schreien.

In Deutschland: Figuren mit Laptop

In Deutschland geht’s harmloser zu. Aktuelle Figuren wie Feli Filo zeichnen sich dadurch aus, dass sie immer ihren Laptop dabei haben. Die Hauptdarsteller aus Fleisch und Blut sind derzeit Annette Frier und Nils Julius. Dirk Bach gibt hin und wieder den Zauberer Pepe und Franziska Troegner die großmütterliche Ella. Die Integrationsdebatte bringt Mehmet Yilmaz in die Sesamstraße ein. Dazu kommen amerikanische Originalfiguren wie Ernie und Bert oder Grobi.

Die Sesamstraße läuft in der Erstausstrahlung sonntags 7.35 Uhr im Ersten, montags 6.30 Uhr im HR und 8 Uhr im KiKa. Wiederholungen gibt es im NDR dienstags bis freitags 6.50 Uhr, im KiKa montags bis samstags 8 Uhr und im HR montags bis donnerstags 6.45 Uhr.