
- 3-D-Diskussion - G. Bachleitner
Auf den 25. Münchner Medientagen wurden alle wesentlichen Aspekte des Wandels in und durch Medien thematisiert. Im Folgenden werden zwei aktuelle technische Verfahren diskutiert.
3D als Fernsehzukunft und die Zukunft von 3D
Das technische Aufregerthema 3-D kam nur noch am Rande vor, vielleicht weil es bereits in der Mitte der Kinoproduktion angelangt ist. In einigen Genres ist die Raumform bereits Normalität. Daß im Detail aber doch nicht alles so klar und normal ist, machte die kluge Diskussion Filme zum Anfassen - Kann 3D das Kino retten? deutlich. Drei akademische Medienwissenschaftler rückten dem Thema unter der umsichtigen Moderation von Moritz Holfelder zu Leibe, aber der einzige Praktiker, der Stereograph Jan Bernotat, konnte ihnen leicht Paroli bieten, auch wenn man nicht alle seiner Thesen zur Zukunft des Raumfilms teilen mußte. Er hielt einen Großteil der aktuellen Produktion für minderwertig oder auf die falschen Sujets angewandt. Ihm schien der Dokumentarfilm als derzeit geeignetstes Genre, doch daß damit nicht die großen Zuschauermassen bewegt werden können, war auch ihm klar.
Tatsächlich ist die fehlende oder ungewohnte Ästhetik des 3D-Films offenbar das größte Problem, nachdem die technische Pionierphase mit den selbstgebastelten Rigs in den "Regelbetrieb" überzugehen scheint. Dr. Daniela Kloock, Kunstakademie Köln, mißfiel eine "Überdetermination" des Geschehens und des Zuschauers durch 3D und sprach von einem "Angriff auf die Sinne" - als ob nicht dies die Absicht, zumindest des amerikanischen Kinos wäre. Symptomatisch deutsch wirkten auch die Einwände Holfelders gegen die immersionssüchtige Ästhetik, welche die für das Kino wesentliche Imagation des Zuschauers schwäche oder zu erübrigen suche. Mit den gleichen Argumenten zog man doch seinerzeit gegen die Überwindung des Stummfilms durch den Tonfilm und des Schwarzweißfilms durch den Farbfilm zu Felde. Zu Ende gedacht könnte man, wie es eine Diskutantin tat, auch die Lektüre des dem Film zu Grunde liegenden Buches als Ideal der Imagination deklarieren und die daraus abgeleiteten Medienformen als Verfall.
Die Titelfrage ließ sich freilich leicht beantworten. Ein Kino, das sich von 3D retten lassen müßte, verdient 3D erst gar nicht. 3D ist kein ästhetisch indifferenter technischer Mehrwert, der sichere Mehreinnahmen garantiert, sondern eine buchstäblich neue Sicht auf die Dinge, die Erzählweisen und Genres durchrütteln muß. Daß es auch eine nicht zu vernachlässigende Diskrepanz zwischen dem 3D-Erlebnis im Kino und dem immer wohlfeiler werdenden vor dem heimischen Flachbildschirm gibt, machte die Diskussionsrunde den leicht irritierten Zuhörern ebenfalls klar.
Aus der Sicht wichtiger Marktteilnehmer beleuchtete eine BLM-Veranstaltung das Thema. Für Astra stellte Wolfgang Elsäßer fest, daß man einerseits mit einem im Dezember startenden Demokanal auf 19,2 Grad Ost dem Handel Verkaufsunterstützung liefern wolle, andererseits HD und die Digitalisierung überhaupt als die wichtigeren Themen ansehe. Selbst Katharina Behrends vom amerikanischen "Major" NBC Universal dämpfte die Erwartungen an 3D im Kino. Die Produktion sei noch zu teuer, und im Fernsehen könne man sich bisher nur Einzelveranstaltungen in 3D vorstellen. Bernd Schlötterer, Palatin Media, schätzte den Mehraufwand auf etwa 15 % an Drehzeit. Auch die Kosten für eine 3D-Konversion hielten sich, zumindest für Bluray-Veröffentlichungen, in Grenzen, betrügen etwa 300 Euro/min.
DAB+ als Radiozukunft
Der Neustart von DAB als DAB+ im August wurde mit einer Podiumsdiskussion gebührend gefeiert, von der veranstaltenden BLM aber doch noch mit einem Fragezeichen versehen "Was lange währt...?". Die zitierten Erfolgsmeldungen aus dem europäischen Ausland, England und Schweiz, sollten Mut machen, ferner aus dem Inland der Privatradioeinsteiger 90elf, der Fußballsender, und der aus den bekannten Gründen auf DAB dringend angewiesene Deutschlandfunk. Daß der Alpenraum noch nicht mit Digitalradio abgedeckt ist, weil die Österreicher noch zögern, machte die BR-Veranstaltung DAB+ für die mobile Gesellschaft bewußt.
Der europäische Gesamtüberblick, den Dr. Marko Ala-Fossi von der finnischen Universität Tampere gab, stimmte allerdings nicht sonderlich hoffnungsvoll. Nicht, daß die deutsche Initiative nicht an der Zeit und richtig gewesen wäre. Damit steht man im europäischen Vergleich eigentlich ganz gut da, was Reichweite und Netzabdeckung angeht. Immerhin gibt es nicht wenige Länder überhaupt ohne Digitalisierungsinteresse.
Ala-Fossi zog auch mediensoziologische und demographische Faktoren zur Erklärung der Einführungsschwierigkeiten heran. Das Radiohören befinde sich überall in einem langsamen, aber stetigen Rückgang. Die eifrigsten Radiohörer, in der älteren Generation, hörten leider am wenigsten digital, während die Jugend, sofern sie noch hört, gleich zum Internet greift, das dann zum zweitwichtigsten Verbreitungsweg nach UKW wird. Dort wird allerdings kein herkömmliches Programm gehört, sondern man begibt sich in "personalisierte Musikdienste". Aus Sicht der Programmacher sei der Übergang in die digitale Verbreitungsform weltweit mit Frustration verbunden. Ein Abschaltungstermin für UKW ist noch nirgendwo fixiert; lediglich plausible Voraussetzungen sind formuliert: 50% der Haushalte müßten über ein DAB-Gerät verfügen, und die Netzabdeckung müßte mit derjenigen von UKW vergleichbar sein.
