40 Jahre Kongress für Allgemeinmedizin in Graz

Kongressleiter Dr. Walter Fiala im Interview

Dr. Walter Fiala - privat
Dr. Walter Fiala - privat
In Graz wurde vom 26.-28.11.2009 zum Jubiläumskongress geladen. Wie sich die Fortbildungsveranstaltung im Laufe der Jahre verändert hat und was sie heute ausmacht.

Suite101: Herr Dr. Fiala, was bedeutet für Sie persönlich das Jubiläum 40 Jahre Kongress für Allgemeinmedizin in Graz? Seit wann sind Sie selbst mit dabei?

Dr. Walter Fiala: Das 40jährige Jubiläum ist für mich ein erfreuliches Zeichen für die Wertigkeit der Allgemeinmedizin und für den Fortbildungswillen der Kolleginnen und Kollegen. Ich war selbst vom dritten Kongress an mit dabei. Zunächst war ich Sekretär, seit 21 Jahren bin ich Kongressleiter.

Suite101: Wie hat sich der Kongress für Allgemeinmedizin in Graz im Laufe der 40 Jahre verändert?

Dr. Walter Fiala: Von vor 40 Jahren unterscheidet sich der Kongress heute allein schon vom äußerlichen her, weil die Räumlichkeiten in der Grazer Messe immer moderner und größer geworden sind. Damit ist auch die Teilnehmerzahl auf bis zu 400 in einem Saal gestiegen. Das ist für uns jedoch das obere Limit - mehr Teilnehmer wollen wir pro Vorlesung nicht. Insgesamt zählen wir jedes Jahr etwa 1.000 Teilnehmer.

Erst im Laufe der Jahre entwickelt hat sich das große Angebot an Seminaren für Mitarbeiter. Es besuchen diese mittlerweile mindestens 500 Arzthelferinnen jedes Jahr. Ärzte und Mitarbeiter kommen gemeinsam, und diese Gemeinsamkeit ist das Schöne, das der Kongress für Allgemeinmedizin in Graz vermittelt. Man trifft sich zwischen den Veranstaltungen wieder, tauscht Erfahrungen aus und unternimmt am Abend gemeinsam etwas.

Ganz entscheidend war schließlich auch: Wir haben die ersten zehn Jahre das Kongress-Thema an alle Kliniken und Spitäler ausgesandt, dann geschaut was an Rückmeldungen kommt und die Vortragenden ausgewählt. Vor 30 Jahren sind wir dazu übergegangen, gezielt die Vortragenden für jedes Thema einzeln zu suchen. Das ist mühsamer. Aber auf diese Weise finden wir immer die Experten, die einen speziellen Bezug zur Allgemeinmedizin herstellen können. Das macht die Sache spannend!

Suite101: Worauf sind Sie beim Programm des Jubiläumskongresses besonders stolz?

Dr. Walter Fiala: Wir haben bei den früheren Kongressen immer ein Thema wie z.B. Herz-Kreislauf-System drei Tage lang wirklich in die Tiefe behandelt: mit Vorträgen und Seminaren. Diesmal sind wir von jenen fünf Problembereichen ausgegangen, mit denen man in der Allgemeinpraxis am häufigsten konfrontiert wird: Herzkreislauf, Stoffwechsel, Bewegungsapparat, Psyche und Onkologie. Und haben interessante und spannende Vorträge zusammengestellt, was sich in diesen fünf Sparten im Laufe der vergangenen 40 Jahre verändert hat und wo man heute steht. Natürlich ist auch die Allgemeinmedizin für sich im Wandel der Zeit ein Thema.

Suite101: Warum sollten Kollegen den Kongress für Allgemeinmedizin in Graz unbedingt besuchen?

Dr. Walter Fiala: Unser Kongress ist die Schnittstelle zwischen dem Goldstandard, den Centers of excellcence, und der gelebten Medizin der Basis. Und das möchte ich mit besonderem Nachdruck betonen: Beide lernen voneinander. Auch die Vortragenden, die kommen, lernen an den Diskussionsfragen usw. - nämlich das Umsetzen ihres Wissens in die Praxis. Es treffen hier zwei völlig verschiedene Arten von Medizin zusammen, die beide notwendig sind, und die sich auch immer wieder treffen müssen.

Suite101: Welcher Stellenwert wird dem Grazer Kongress für Allgemeinmedizin in Zukunft zukommen?

Dr. Walter Fiala: Es gibt kaum einen anderen Kongress, der klinisches Wissen mit praktischer Medizin, also gelebter Medizin, so gut verbindet, wie der unsrige. Darum ist er nach wie vor - das bestätigen auch immer wieder deutsche Lehrbeauftragte und Kollegen, die uns am Kongress besuchen - sicher der bedeutendste Kongress für Allgemeinmedizin im deutschen Sprachraum. Und daher brauchen wir ihn auch in Zukunft!

Karin Martin, Karin Martin

Karin Martin - ... geboren und aufgewachsen in Wien absovierte ich eben dort mein Romanistik- und Publizistik-Studium. Später zog ich mit meiner ...

rss