40 Jahre Universität Bremen – Feierstunde im Rathaus

Reiche Eltern für alle - Lucy M. Laube
Reiche Eltern für alle - Lucy M. Laube
Mit einem Festakt in der Oberen Rathaushalle wurde am 31. Oktober 2011 der Geburtstag der Uni Bremen gefeiert - von der Kaderschmiede zur Exzellenz-Uni?

"Freie Entfaltung war vorgestern". Das stellte schon vor Jahren der ehemalige Bremer Bildungssenator Willi Lemke fest. In der Tat, die Bremer Uni hat seit ihrer Gründung 1971 einen derartigen Wandel durchgemacht, dass sie 2011, 40 Jahre später, kaum wiederzuerkennen ist. Ein Grund oder kein Grund zum Feiern? Darüber herrscht in der Hansestadt keine Einigkeit.

Festakt im Bremer Rathaus mit Politprominenz

Sicher, mit der Gründung der Universität Bremen ging 1971 ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Bürgermeister Jens Böhrnsen bei der Feierstunde mit etwa 300 Gästen: "Die Gründung der Bremer Universität ist von der Bedeutung so einzustufen wie die der Häfen im 17. Jahrhundert und der Stadt Bremerhavens im frühen 19. Jahrhundert". Und so war nicht nur die derzeitige, sondern auch frühere Politprominenz anwesend, um das Jubiläum zu begehen: Willi Lemke, heute UN-Sonderbeauftragter für Sport, war da, die unvergessenen ehemaligen Bürgermeister Henning Scherf und Hans Koschnik, ebenso wie aktuelle und frühere Rektoren der Universität. "Friede, Freude, Geburtstag", titelte die taz, denn wo waren sie, die kritischen Studierenden?

Dünner Protest aus den Reihen der Studierenden

Die Studierenden, eine nicht ganz unwichtige Personengruppe an einer Universität, sollte man meinen, waren hingegen nicht sehr zahlreich vertreten. Ebenfalls am Montag, 31. Oktober 2011, gab es eine kleine Demonstration vor dem Rathaus – später hielt der AStA-Vorsitzende Stefan Weger (AStA für Alle) eine Rede beim Empfang. Er kritisiert einen "Ausverkauf der Universität" und verweist auf die Anfänge der Uni: "Die Bremer Uni wurde als Reform-Uni im aktiven Widerstand zur damaligen bundespolitischen Entwicklung gegründet. Politische Bildung und kritischer Geist wurden dort groß geschrieben" (Bremer Anzeiger). Das jedoch ist nur die halbe Wahrheit.

40 Jahre Uni, 40 Jahre Berufsverbot, 40 Jahre Entwicklung wohin?

Die Eröffnung der Uni Bremen ging mit politischen Unruhen im Lande Bremen einher – die sozial-liberale Koalition ist daran zerbrochen. Eine Reform-Uni wollten die einen, einen Ort kritischer Wissenschaft – bis heute ist die Universität Bremen mit dem Begriff "Rote Kaderschmiede" assoziiert. Doch was heute nur mehr Mythos ist, war auch damals nur bedingt Realität. Die Angst vor allem "Radikalen", vor "den Kommunisten" hatte Berufsverbote zur Folge.

Dennoch – der Spitzname "Marx- und Moritz-Universität" kam nicht von ungefähr und leuchtete auch in den neunziger Jahren beispielsweise im Studiengang Sozialwissenschaft noch unmittelbar ein. Doch die Protagonisten von damals sind heute größtenteils emeritierte Professoren. Und die Studierenden von damals erinnern sich wehmütig an unvergessene Momente – etwa als eine als impulsiv bekannte Professorin während einer Sitzung der Studiengangskommission Soziologie/Sozialwissenschaft in Bezug auf den Teppichboden im Raum empört ausrief: "Ich protestiere gegen diesen Raum!"

Uni Bremen – exzellent?

"Du wirst, was du bist, nur durch die radikale Negation dessen, was aus Dir gemacht wird", wird Sartre im Bremer Uni-Buch von 2008 des AStA zitiert. Die Betonung kritischer Bewusstseinsbildung des "Bremer Modells" ist einem harten Konkurrenzkampf um einen Platz in der "Exzellenz-Initiative" gewichen; den Studierenden von heute bleibt kaum Zeit und Freiraum für kritische Gedanken. Immerhin – flache Hierarchien und "eine interdisziplinäre Forschung, die sich drängenden Fragen der Zeit widmet", seien geblieben, so Rektor Wilfried Müller (taz). Die Weltspitze erreicht man wohl nicht mit unbequemen Vorstellungen.

Quellen und Literaturhinweise:

  • taz vom 31.10.2011: "Friede, Freude, Geburtstag" (Klaus Wolschner)
  • taz vom 1.11.2011: "Das Ende vor dem Anfang" (Jan Bönkost)
  • Bremer Anzeiger vom 2. November 2011: "Kein Grund zum Feiern" (Karin Mörtel)
  • Weser Report vom 2. November 2011: "Uni-Geburtstag im Rathaus gefeiert"
  • Bremer Uni-Buch 2008 (AStA der Uni Bremen)
  • Peter Meier-Hüsing, "Universität Bremen – 40 Jahre in Bewegung", Edition Temmen 2011
  • Birte Gräfing, "Tradition Reform – Die Universität Bremen 1971-2001", Donat Verlag
Lucy M. Laube, Foto: Marc Mußmann

Lucy M. Laube - Ich liebe es, wenn Menschen auf enthusiastische Weise absurde Dinge verkünden. Diese sammle ich, leider an verschiedensten Orten, so ...

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