
- Kino Hof - Hermann Kauper
Es begann 1967 ganz klein. Der Filmemacher Heinz Badewitz suchte damals eine Plattform für seine Kurzfilme. Diese fand er in seiner Heimatstadt Hof. Die Idee für ein Filmfestival war geboren.
Festivalleiter Heinz Badewitz
Geboren wurde Heinz Badewitz am 26. Mai 1941 in der kleinen oberfränkischen Stadt Hof. Später ging er nach München, wo er am damaligen Deutschen Institut für Film und Fernsehen studierte. Nach dem Abschluss, einen Einstieg in die Filmbranche zu finden, stellte sich als schwierig heraus. Um trotzdem seine Filme einem Publikum vorzustellen, wendete Badewitz sich an einen Kinobetreiber seiner Heimatstadt Hof. Das Interesse bei Filmfans war geweckt. Heinz Badewitz gründete daraufhin das Hofer Filmfestival, dessen Leiter er bis heute geblieben ist. Jungen Talenten sollte von nun an bei den Hofer Filmtagen die Möglichkeit gegeben werden, ihre filmische Arbeit zu präsentieren.
Wissenswertes zu den Hofer Filmtagen
Jedes Jahr werden etwa 130 Filme an sechs Tagen in zwei Kinos, mit insgesamt acht Kinosälen, vorgestellt. Dabei haben die Filmschaffenden ein besonderes Augenmerk auf die Erstlingswerke. Heinz Badewitz hat sich vor allem dem deutschen Film verschrieben. Zunehmend werden auch ausländische Produktionen in das Programm der Hofer Filmtage aufgenommen. Das war ausschlaggebend für die Erweiterung des Namens zu „Internationale Hofer Filmtage“. Die hervorragende Organisation durch Heinz Badewitz und die Qualität der präsentierten Filme sind dafür verantwortlich, dass die Internationalen Hofer Filmtage, neben der Berlinale, zum wichtigsten Filmfestival Deutschlands wurden.
Junge Talente bei den 45. Internationalen Hofer Filmtage
Dieses Jahr kann man sich auf 74 lange Dokumentar- und Spielfilme und auf 38 Kurzfilme freuen. Auch dieses Jahr werden einige junge Regisseure ihr Spielfilmdebüt geben.
Carsten Unger ist einer davon und wird mit seinem Film „Bastard“ die Filmtage eröffnen. Carsten Unger ist 1977 in Gütersloh geboren. Von 2001 bis 2007 hat er an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Das Studium beendete er mit dem Diplomfilm „Der blaue Affe“. Dieser entstand in Koproduktion mit dem Hessischen Rundfunk. 2008/2009 durfte er bei SOKO Stuttgart die Folge „Stimmen der Straße“ entwickeln.
In seinem Debütfilm „Bastard“ muss eine Kriminalpsychologin die Geschichte des verschwundenen neunjährigen Nikolas aufdecken. Dessen Eltern scheinen mit den beiden 13-jährigen Tätern gemeinsame Sache zu machen.
Stephan Rick ist 1974 geboren. Er studierte in Bochum, New York und Ludwigsburg an der Filmakademie Baden-Württemberg. Das Studium schloss er mit dem Diplomfilm „Richtung Leben“ ab. Stephan Rick hat die Serie „Allein gegen die Zeit“ mitentwickelt und wurde dafür unter anderem für den Emmy Award nominiert. Sein Debütfilm behandelt die seltsame Freundschaft der beiden Nachbarn David und Robert. Robert überredet David nach einem Unfall zur Fahrerflucht und erhofft sich, dadurch David stärker an sich zu binden. Dieser Film wurde bereits auf dem Internationalen Filmfest in Shanghai präsentiert. Die Deutschlandpremiere findet dieses Jahr bei den Internationalen Hofer Filmtagen statt.
Ein weiteres junges Talent ist Leo Khasin. Er ist 1973 in Moskau geboren und kam mit acht Jahren nach Deutschland. Von 2006 bis 2007 besuchte er die Autorenschule Hamburg. Danach entwickelte er das Drehbuch zu „Kaddisch für einen Freund“. Darin wird das Verhältnis zwischen einem Palästinenser und einem Juden in Deutschland beschrieben. Ein 14-jähriger palästinensischer Flüchtling verwüstet in Berlin die Wohnung eines 84-jährigen russischen Juden und wird von diesem angezeigt. Da der Junge die Abschiebung fürchtet, muss er über seinen Schatten springen und sich dem Feind näheren.
Aber nicht nur Neulinge werden auf den 45. Internationalen Hofer Filmtagen begrüßt. Viele bekannte Regisseure und Schauspieler finden sich Ende Oktober in Hof ein. Auch David Mackenzie wird in der oberfränkischen Stadt erwartet. Ihm ist das diesjährige Porträt gewidmet.
Verleihung der Preise
Wie jedes Jahr dürfen sich die jungen Filmemacher auf die Preisverleihungen freuen.
- Die HypoVereinsbank, die Bavaria Film und das Bayerische Fernsehen vergeben den Förderpreis Deutscher Film, der mit 10.000 Euro dotiert ist.
- Der Filmpreis der Stadt Hof ehrt Personen, die mit der Stadt und dem Festival in enger Verbindung stehen. Meist stellen diese Personen im Jahr der Verleihung keine eigenen Arbeiten vor.
- Die Kodak GmbH vergibt den Eastman Förderpreis für Nachwuchstalente an junge Regisseure. Der Preisträger erhält Rohfilm-Material für zukünftige Produktionen.
- Der BILD-KUNST Förderpreis Szenenbild/Kostüm ist seit dem Jahr 2010 mit je 2500 Euro für Szenenbild und Kostüm dotiert. Organisiert wird der Preis vom S/F/K Verband und der Filmakademie Ludwigsburg.
Unterschied zu anderen Filmfestivals
Ein wichtiger Bestandteil der Internationalen Hofer Filmtage sind die Diskussionen mit dem Publikum. Nach Ablauf des Films stellen sich die Filmemacher den Fragen der Zuschauer. Dieser Austausch ist besonders beliebt bei den Fans.
Aber selbst nach dem Abspann des letzten Films, ist in Hof noch lange nicht Schluss. Das ausgelassene Beisammensein der Filmschaffenden, Mitarbeitern und Fans klingt in Hof sportlich aus. Erst nach dem Fußballspiel zwischen FC Filmwelt und FC Hofer Filmtage werden die Koffer wirklich gepackt.
