48 Stunden in Hamburg – Brücken um die Alster

Circa 2.500 Brücken führen über die Wasserwege der Hafenstadt

Lombardsbrücke an der Alster - Bettina McDowell
Lombardsbrücke an der Alster - Bettina McDowell
Von allen europäischen Städten hat keine mehr Brücken als die Hansestadt. Touristen, die für ein Wochenende herkommen, können einige vom Alsterdampfer aus besichtigen

Die Alster, die Elbe, die Bille und sämtliche Fleete und Kanäle, die zu diesen Flüssen gehören, schlängeln sich durch Hamburg. Das macht diese Stadt zu einer der wasserreichsten Europas. Eine logische Folgerung dieser Tatsache ist, dass es in der norddeutschen Metropole viele Brücken gibt. Die Schätzungen gehen von einer Zahl zwischen 2.300 und 2.500 aus. Wie viele es genau sind, ist jedoch nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass man sie überqueren kann, damit man sein Ziel erreicht. Schön ist es, wenn man die Zeit hat, sie einfach nur zu besichtigen, zum Beispiel während einer romantischen Fahrt mit dem Dampfer vom Jungfernstieg aus.

Die Lombardsbrücke

Einem Pfandleihhaus, das Mitte des 17. Jahrhunderts auf einem Teil der Hamburger Wallanlagen stand, verdankt diese Brücke ihren Namen. Sie markiert den alten Verlauf der Stadtbefestigung, trennt die Außen- von der Binnenalster ab und ist die erste Brücke, die der Dampfer nach der Abfahrt passiert.

Johann Hermann Maack konstruierte die Brücke, die 1868 fertiggestellt wurde. Carl Börner entwarf die vier gusseisernen Kandelaber mit den jeweils fünf Glaskugeln, die die Brücke zieren. Vom Jungfernstieg aus ist das etwa 69 Meter lange Bauwerk mit seinen drei Bögen gut zu sehen.

Die erste hölzerne Klappbrücke und Vorläufer der jetzigen Lombardsbrücke entstand bereits 1625. Über die Jahre hinweg waren diverse Erneuerungen und Verbreiterungen notwendig. Beim Bau der Verbindungsbahn von Hamburg nach Altona wurde die Lombardsbrücke endgültig durch eine Steinkonstruktion ersetzt und dient seitdem sowohl dem Schienen- als auch dem Straßenverkehr.

Bereits 1902 war eine Verbreiterung von 32 auf 48 Meter notwendig. Da das Verkehrsaufkommen nach dem Zweiten Weltkrieg weiter anstieg, wurde 1953 nördlich eine zweite Brücke direkt neben der Lombardsbrücke gebaut, die Neue Lombardsbrücke.

Die Kennedybrücke

Die Kennedybrücke verläuft parallel zur Lombardsbrücke und hieß zunächst Neue Lombardsbrücke. Im Jahr 1963, nach der Ermordung John F. Kennedys, wurde sie zu Ehren des amerikanischen Präsidenten umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt stand die Brücke bereits seit zehn Jahren.

Bernhard Hermkes, der in Hamburg unter anderem auch die Grindelhochhäuser und die Großmarkthallen entwarf, konstruierte diese Brücke. So wie die Lombardsbrücke ist auch die Kennedybrücke von großer Bedeutung für den innerstädtischen Schienen- und Straßenverkehr. Das starke Verkehrsaufkommen in Hamburg war schließlich auch der Grund für ihre Erbauung.

Vom nördlichen Gehweg aus kann man an einem schönen Tag die Segelboote auf der Außenalster beobachten. Auf diesem Teil der Brücke ist darüber hinaus der 10. Längengrad gekennzeichnet. Den kann man vom Dampfer aus leider nicht sehen.

Die Feenteichbrücke

Am östlichen Ufer der Außenalster befindet sich die Feenteichbrücke, die im Jahr 1884 erbaut wurde und viel kleiner und zierlicher ist als die beiden Brücken, unter denen der Dampfer bereits hindurch gefahren ist. Sie überspannt die Mündung zum Feenteich hin und wenn man auf ihr steht, ist es egal, ob man auf die Alster oder zum Feenteich hinüberblickt, denn der Blick ist in beide Richtungen schön. Vom Dampfer aus ist der Blickwinkel natürlich ein anderer.

Der Baumeister der Feenteichbrücke hieß Franz Ferdinand Carl Andreas Meyer. Er hat maßgeblich zum Hamburger Stadtbild beigetragen und gilt unter anderem als Schöpfer der Speicherstadt.

Die Feenteichbrücke am Rande der Alster baute er als Steinkonstruktion mit einem einzigen halbkreisförmigen Bogen. Da diese Brücke im zweiten Weltkrieg von den Bomben verschont blieb, hat sich ihr ursprüngliches Aussehen nicht verändert. Die vielen Details sind vom Dampfer aus nicht zu sehen. Dass die Brüstung mit spitzbogenartigen Ausnehmungen verziert ist und auf der Brücke jeweils recht und links oberhalb des Bogens vier nostalgischen Lampen stehen, ist jedoch auch vom Wasser aus zu erkennen. Und derjenige, der genauer hinschaut, kann unter Umständen auch die Podeste mit den Löwenfiguren ausmachen, die - wie das Hamburger Wappen - von der 1870 erbauten und 1888 erneuerten Brooksbrücke stammen, die sich in der Speicherstadt befindet.

Die Krugkoppelbrücke

An der Krugkoppel stand ab dem Jahr 1892 zunächst eine Holzkonstruktion, die dort als Brücke fungierte. In den Jahren 1927/28 wurde diese durch eine massive Stein- und Stahlkonstruktion ersetzt. Der damaliger Hamburger Oberbürgermeister Fritz Schumacher erteilte Gustav Leo den Auftrag für dieses Bauwerk. Leo entwarf eine Eisenbetonkonstruktion mit drei eingespannten Bögen und zwei Mittelpfeilern.

Die mit Klinkern verblendete und mit Keramiken und Reliefs von Richard Emil Kuöhl verzierte Brücke befindet sich an der Mündung in die Außenalster und verbindet die Stadtteile Harvestehude und Winterhude. Es ist idyllisch hier, oft sitzen Angler am Bootsanleger und genießen neben ihrem Sport vielleicht auch den Blick über die Alster. Besonders an sonnigen Nachmittagen sehen die Segel der Boote von hier aus golden aus.

Zwei Kanaltouren bietet die Alstertouristik an. Diese vier Brücken und noch ein paar mehr kann man vom Dampfer aus sehen. Und dazu gibt es Kaffee und Kuchen. Für alle, die den Blick von den Brücken genießen möchten, bietet sich hingegen ein Fahrradverleih an.

Bettina McDowell, Scholz Photo-Atelier Hamburg

Bettina McDowell - Bettina McDowell: Studium der Anglistik und Germanistik, freie Journalistin und PR-Beraterin. Bettina McDowell lebt in Hamburg und ist ...

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