
- vom 25.-27. Juni 2010 - Veranstalter
Seit 12 Jahren gibt es in Berlin allsommerlich ein besonderes Kunst: die 48 Stunden Neukölln. In diesem Jahr findet die Kunstaktion am letzten Juni-Wochenende statt. Vom 25. bis 27. Juni 2010 richtet sich der Blick der Kunstinteressierten auf den kulturell enorm expandierenden Norden Neuköllns. Dieser Stadtteil, von Künstlern wegen seiner Nachbarschaft zu Kreuzberg auch gerne "Kreuzkölln" genannt, lockt immer mehr KünstlerInnen an.
Kunst macht friedlicher
Ein Grund dafür ist sicherlich die Kunstförderung durch den Bezirk. Wichtig ist aber auch die Tatsache, dass in Neukölln (noch) bezahlbare Mieten verlangt werden und die Nutzung von leerstehenden Geschäftsräumen als Atelier oder Galerie teilweise öffentlich gefördert wird. Während aus der Mitte Berlins viele Galerien und Künstler mit oft horrender Mietforderungen geradezu vertrieben werden, sind sie in Neukölln bei der Immobilienwirtschaft und der Politik willkommen und werden dem entsprechend mit offenen Armen empfangen. Die politisch verantwortlichen im Bezirk Neukölln mit seinen zahlreichen sozialen Problemen, wissen, wie wichtig Kunst und KünstlerInnen für ein friedlicheres Zusammenleben von Menschen aus sehr vielen verschiedenen Länder sein kann.
So erstaunt es nicht weiter, dass das diesjährige Kunstspektakel „48 Stunden Neukölln“ unter der Schirmherrschaft des Berliner Staatssekretärs für Kultur, Andre Schmitz stattfindet.
Kunst als Brücke zwischen den Bevölkerungsgruppen?
Schmitz wirft in seinem Grußwort einige Fragen auf, Vermag die universelle Sprache von Kunst und Kultur es, Brücken zwischen den Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher Herkunft zu bauen? Können künstlerische Projekte im Bereich der kulturellen Bildung ein gesteigertes Lerninteresse bei Kindern und Jugendlichen wecken? Inwieweit kann eine Kommune in finanziell schwierigen Zeiten durch Kultur aufgewertet werden und ein neues Selbstverständnis entwickeln?
Das Hightech-Unternehmen BIOTRONIK hat einige dieser Fragen für sich positiv beantwortet und engagiert sich auch in diesem Jahr wieder als privatwirtschaftlicher Hauptsponsor von 48 Stunden Neukölln. Die Kunstszene in Neukölln lädt dazu ein, sich mit ihr über Sponsoring zu verbinden. Die meist nicht reichen und oft sehr jungen Künstler in Neukölln sind voller Elan und sehr dankbar für eine Förderung.
Ohrenhoch der Geräucheladen
Das Programm kann sich sehen lassen. Manche Kunstorte sind eng verbunden mit dem Leben in ihrem Kiez. So etwa der von einem Schweizer Ehepaar geführte Geräucheladen ohrenhoch“. Ohrenhoch ist mehr als nur eine Galerie für Musik und Geräuche. Es ist auch eine in Neukölln besonders bei Kindern beliebte Bildungsinstitution.
Anlässlich der 650-Jahr-Feier Neuköllns unternehmen die ohrenhoch-Kids in diesem Jahr Februar. bis Dezember jede Woche akustische Streifzüge, Exkursionen mit dem Tonband durch Nord-Neukölln. Die Ergebnisse können sich hören lassen. Clevere Kids gibt es in Neukölln eben nicht nur in der Rütli-Schule.
Kunst zum Abschneiden
Sehen lassen können sich die Neuköllner MalerInnen, BildhauerInnen und FotokünstlerInnen.
In der Darbietungsform gibt es in Neukölln fast nichts, was es nicht gibt. So zum Beispiel
Kunst von der Rolle im „Leichtkauf“’ dem von Frederike Hammann und Thomas Wiese initiierte Supermarkt der non-elitären Kunst. KünstlerInnen. Am Projekt beteiligen sich dreizehn KünstlerInnen, darunter die erfahrene niederländische Künstlerin Maria Es, die in früheren Jahren in Maastricht auch als Galerist und Galeristin erfolgreich tätig war oder Naomi Liesenfeld, eine junge Kunsthochabsolventin vom Rhein. Sie alle bieten ihre Kunstwerke unst auf Rollen an. Kunst als Zentimeter-Ware, zum abschneiden und absägen.
Mit der Fahrradrikscha durch die Kunstwelt
Um sich die Vielfalt des Stadtteils Neukölln zu erschließen, bedarf es auch in einem Zeitraum von 48 Stunden einer guten Organisation und Planung. Hilfreich sind dabei die Neukölln-Safars mit gut informierten Stadt-Kunstführern.Für den Transport gibt es außer dem, verglichen mit anderen Städten sehr guten Berliner ÖPNV-Netz in Neukölln bestehend aus U-Bahnen und Bussen, während der 48 Stunden auch einen kostenlosen Auto-Shuttle-Dienst, in diesem Jahr ergänzt durch einen Fahrradrikscha-Shuttel, bestehend aus zwölf „original chinesische Fahrradrikschas.
Ganzjährige Ausstellungsorte
Aber auch außerhalb der 48 Stunden spielt die Kunst in Neukölln eine wichtige Rolle. Partner der 48 Stunden ist die herbstliche Kunstaktion „Nacht und Nebel“. Für die nötige Kontinuität sorgen mehre größere und viele kleine Einzelinitiativen wie "Schiller Palais" oder die "Reuter Kunst", die Ausstellungen im Saalbau Neukölln, im Körner Park und die Galerien T27, der Frei Ruum, die Musenstube, R 31, Leuchtturm Neukölln und viele andere mehr.
