Eine Schreibblockade ist so ähnlich wie Insektenbefall in der Wohnung. Man sollte sich hüten, den ersten drei Ameisen in der Küche Unterschlupf zu gewähren, bloß weil sie so fleißig sind und bestimmt auch eine Seele haben. Und man sollte sich hüten, dem ersten Anfall von „Ich kann das nicht schreiben!" mit laschen Hausmitteln zu begegnen. Wenn sie auf freundliche Laxheit treffen, übernehmen die Ameisen bald das Ruder und man wird zum Untermieter im eigenen Haus. Und an jedem Tag, an dem man die Schreibblockade gewinnen lässt, wird sie stärker und mächtiger, und man wird morgen noch viel schlechtere Karten haben als heute.Gemeinerweise suggeriert sie ganz einfache Lösungswege, auf denen sie den Autor ins Verderben stürzt:
Den Kühlschrank putzen
Kaum hat man keine Ideen, wird es plötzlich wichtig, den Kühlschrank zu reinigen. Ist doch auch ein guter Plan: Das musste längst mal gemacht werden und während des Putzens kann man sich schon mal Gedanken über das Schreibprojekt machen. Nein, die Erfahrung lehrt, es ist ein teuflischer Plan. Alles, was einem beim Putzen einfällt, ist, dass der Dachboden mal wieder gefegt werden müsste. Enttarnen Sie Kühlschränke als das, was sie sind: Ausreden. Gilt auch für Fernster putzen, Keller aufräumen, ärztliche Vorsorgetermine wahrnehmen.
Recherchieren
Wenn man sich nur ein bisschen besser im Thema auskennen würde, dann wäre das Schreiben gar kein Problem. Noch so eine satanische Einflüsterung. Wenn tatsächlich Wissenslücken da sind, dann könnte man doch wenigstens schon mal drum herum schreiben, um den Schreibfluss aufrecht zu erhalten und um diese Lücken klarer definieren zu können. Aber nein, das Recherchieren ist nur so dringlich, um fluchtartig Richtung Wikipedia oder Bibliothek entschwinden zu können.
Aufschieben
Das Motto „Morgen ist auch noch ein Tag" sollte getrost Scarlett O'Hara überlassen werden. Es ist genauso alltagsuntauglich wie ihre Reifröcke. Morgen wird man ausgeschlafen sein? Morgen sind die Kopfschmerzen weg? Morgen wird man inspiriert sein? Und was ist mit Kaffee, Tablette, anfangen?
Schuldzuweisungen
Natürlich könnte man wundervolle Dinge schreiben. Wäre da nicht die Schwiegermutter, der Trompete spielende Nachbar, die Chefin ... Noch schlimmer ist es, wenn man sich selbst die Schuld gibt, für das offensichtliche Versagen und sich für zu dumm, zu schwach, zu phantasielos hält. Dabei geht es doch gar nicht um eine Schuldfrage.
Zweifel
Bei jedem Schreibprojekt kommt irgendwann der Punkt, an dem alles, was vorher noch interessant und faszinierend war, nur noch schal, langweilig und peinlich wirkt. Wenn man an dieser Stelle den Zweifel gewinnen lässt, gibt es keine Rettung mehr. Gesünder wäre es, die vermeintlichen Schwachstellen festzuhalten, die Liste beiseite zu legen und sich später darum zu kümmern, zum Beispiel nachdem man den ersten Entwurf abgeschlossen hat.
Hilfe gibt es hier: 18 Mittel gegen Schreibblockaden
