50 Jahre "Expeditionen ins Tierreich"

Bisons im Zweikampf - Marcus Brauer/ pixelio.de
Bisons im Zweikampf - Marcus Brauer/ pixelio.de
Mit 50 Jahren ist "Expeditionen ins Tierreich" eine der ältesten Sendungen im deutschen Fernsehen. Grund genug für einen kleinen Rückblick.

Bei der Weltmeisterschaft 1954 in Bern hatte ein Film über Spechte im englischen Fernsehen eine höhere Quote als die Fußballübertragung. Der junge Filmemacher hieß Heinz Sielmann. Kurz darauf drehte er für den NDR und startete am 6. März 1960 eine eigene Serie mit dem Titel "Expeditionen ins Tierreich". Dies war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, wie es sie nur bei wenigen Sendungen gibt.

Die erste Expedition ins Tierreich führte auf die Galapagos-Inseln

Gleich im Geburtsjahr der "Expeditionen ins Tierreich" bricht Heinz Sielmann zu einem geheimnisvollen Vulkanarchipel im Pazifik auf – 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors: die Galapagos-Inseln. Was heute weltberühmt ist, verdiente damals noch den Namen "Expedition". Ob Seelöwen oder Meeresechsen, Riesenschildkröten oder Darwin-Finken, die außergewöhnlich zahme Tierwelt auf Galapagos zieht Sielmann und sein Team in ihren Bann. Neun Monate dauern die Dreharbeiten, bei denen auch außergewöhnliche Unterwasseraufnahmen entstehen. Aus dem spannenden Material entsteht ein Kinofilm, der zum Kassenschlager wird. 1962 zeigt Das Erste eine dreiteilige Fernsehfassung – damals noch in Schwarzweiß.

Im August 1967 bekommt der Naturfilm durch die Einführung des Farbfernsehens eine neue Dimension. Ein Jahr zuvor bricht Sielmann zu seiner längsten Expedition auf. 19 Monate lang zieht er durch Nordamerika. Seine mehrteilige Dokumentation "Lockende Wildnis" in Farbe wird zum TV-Ereignis.

1991 verabschiedet sich Sielmann von seinem Publikum und widmet sich mit seiner Frau Inge ganz seiner Naturschutzstiftung.

Ungewöhnliche und spannende Bilder zeichnen die Tierreichexpeditionen aus

Bis heute stehen "Expeditionen ins Tierreich" für höchste Bildqualität, spannende Geschichten und engagierte Reportagen zum Tier- und Artenschutz. Immer wieder werden spektakuläre Aufnahmen gezeigt: 2002 filmt ein Kameramann die ersten Bilder eines Wolfes in Deutschland. 2004 entdeckt ein Expeditionsteam im Urwald Amazoniens eine unbekannte Säugetierart: das größte Nabelschwein Südamerikas – eine zoologische Sensation. Im Frühjahr 2009 gelingen im Dschungel Kameruns die ersten Aufnahmen des seltensten Menschenaffen der Welt: dem Cross River Gorilla. Ob zu Wasser, zu Land oder in der Luft, die Filmer sind auf ihren Expeditionen den Tieren an die unmöglichsten Orte gefolgt, in de Baumwipfel des Regenwaldes, in die Tiefen der Ozeane und auf die höchsten Gipfel. Sie haben exotische Landschaften auf fernen Kontinenten in die heimischen Wohnzimmer gebracht, aber auch die Nord- und Ostsee, den Harz und das Weserbergland eingefangen, wie es selbst Norddeutsche nie zuvor gesehen haben.

Beste Kameras und Objektive für beste Bilder

Hoch auflösende Kameras, Spezialobjektive für Makroaufnahmen, aufwendige Kran- und Seilkonstruktionen – was in anderen Bereichen eher zur Sonderausstattung zählt, ist beim Naturfilm Standard. Darüber hinaus ermöglichen es technische Neuerungen, Tierverhalten zu zeigen, das bisher verborgen blieb: Hoch stabilisierte Flugaufnahmen lassen den Zuschauer dramatische Geschichten aus großer Entfernung hautnah erleben, ohne die Tiere zu stören. Extreme Zeitlupen mit bis zu 2.000 Bildern pro Sekunde und Zeitraffer über viele Monate zeigen Details, die kein menschliches Auge sehen könnte. Und das nächste Ziel ist bereits gesteckt: Naturfilm in 3 D – erste Versuche sollen bereits laufen.

NDR Naturfilm bedeutendster Tierfilmproduzent

Seit 50 Jahren gehören Tier- und Naturfilme in einer Qualität, wie sie Heinz Sielmann vorgegeben hat, zu den beliebtesten Sendungen im deutschen Fernsehen. Der NDR Naturfilm im Studio Hamburg ist zum bedeutendsten Tierfilmproduzenten auf dem Kontinent geworden. Im vergangenen Jahr gewann das Team den amerikanischen Tierfilm-Oscar in Jackson Hole. BBC, National Geographic, Discovery oder ORF kaufen die Filme gerne für ihre Märkte. In mehr als 140 Ländern sind die NDR Produktionen inzwischen zu sehen.

Nach unzähligen Reisen der Tierfilmer rund um den Globus ist auch die Heimat immer mehr ins Blickfeld gerückt. Filme über die Nordsee, den Harz oder Ostfriesland werden heute mit gleichem Aufwand und Liebe zum Detail gedreht wie internationale Themen. Dies belegte nicht zuletzt "Mythos Wald" im vergangenen Jahr mit atemberaubenden Bildern.

Bildquelle: Marcus Brauer/pixelio.de

Benita Brunnert, Benita Brunnert

Benita Brunnert - auch bei Twitter https://twitter.com/#!/BenitaBrunnertseit 2011 Moderatorin, Reporterin Nowo1 TV2009 Freie Redakteurin und Moderatorin ...

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