50 Jahre Stuttgarter Ballett - Start in die Feier- und Festwochen

Stuttgarter Staatsoper - adlugokinski
Stuttgarter Staatsoper - adlugokinski
Das Stuttgarter Ballett feiert sein 50-jähriges Jubiläum mit den drei großen Choreographen Cranko, van Manen und Béjard, die diese Ballett-Kompanie prägten.

CRANKO / VAN MANEN / BÉJART – das Stuttgarter Ballett tanzt im Staatstheater Stuttgart. Alle Choreographien zeichnen sich aus durch Tänzer, die gleich akkurat ihre formvollendeten Bewegungsabläufe zur Musik tanzen. Das Orchester spielt ebenso melodisch die großen Werke. Mimik, Gestik und Musik passen ohne Unterschied exakt zueinander. Den Anfang macht der Gründer dieses Ballettes, John Cranko, mit „INITIALEN R.B.M.E.“

Harmonie ist Trumpf

John Cranko widmete den Tänzern Richard Cragun, Birgit Keil, Márcia Haydée und Egon Madsen seine Choreographie, die er nach ihren Initialen R.B.M.E. nannte. Uraufgeführt wurde das Werk 1972 mit Musik von Brahm - vier Sätze vom Zweiten Klavierkonzert.

Vor einer Farben-Poesie des Bühnenbildners Jürgen Rose tanzen sie mit eleganten, fließenden Bewegungen in vollkommener Einheit mit Brahms Musik. Jede Geste und jeder Schritt findet seinen Gegenpart im Rhythmus des Klavierkonzertes. Im dritten, langsamen Satz harmonieren die halbdunkle Bühne und die zartblauen Farbtöne der Kostüme mit den elegischen Melodien und fließenden Tanzschritten. Großes Ballett, und alle zusammen ergeben einen Organismus, der sich – besonders oft in der Diagonale - teilt und wieder findet.

Tanz der Einzelgänger

Choreographie Hans van Manen aus dem Jahre 2005 mit Musik Benjamin Britten – „Frank Bridge Variations“

Sie wirbeln auf die Bühne, tanzen ihre Pirouetten und werden, wie vom Sturm, wieder hinaus gepustet. Lauter Einzelgänger, den Kopf nach unten gesenkt. Paare gehören nur für eine begrenzte Zeit zusammen. Plötzlich, abrupt, dreht sich einer um und verschwindet zur Seite. Der Expartner hält für eine Schrecksekunde inne und tanzt dann umso kraftvoller seine Soli.

Tanz um den roten Tisch

Den Höhepunkt des Ballettabends bildet die mittlerweile – fast auf den Tag genau – 50 Jahre alte Choreographie von Maurice Béjart mit dem Bolero von Ravel. Am 10. Januar 1961 wurde sie im Théâtre de la Monnaie in Brüssel uraufgeführt.

Der „Bolero“ reißt allein durch die Musik schon mit; immer die gleiche Melodie. Erst erklingt nur die Klarinette, dann folgen andere Instrumente, dann Instrumentengruppen wie Streicher und Bläser, bis das ganze Orchester spielt. Die Emotionen schrauben sich von selbst hoch. Mit diesem Tanz steigert sich das Erlebnis. Erst eine dunkle Bühne, dann kommt der riesige, blutrote Tisch zum Vorschein – eine erhöhte Plattform. Auf ihm tanzt Friedemann Vogel ekstatisch wie in Trance. Rechts, links und hinten sitzen auf Stuhlreihen 40 junge Männer, alle mit bloßem Oberkörper und langen, schwarzen Hosen, die Arme auf die Knie gestützt, blicken sie unverwandt zum Mittelpunkt hin – zum Tänzer auf dem roten Tisch. Das hat etwas Sakrales an sich, wie die Anbetung eines indianischen Sonnengottes. Mit jeder neuen Instrumentengruppe beginnen jeweils zwei Tänzer, sich im stampfenden Rhythmus der Musik zu bewegen, immer in Richtung Solotänzer. Wie Derwische in Trance tanzen sie um die Plattform herum. Im Schlussakkord springen sie auf und reißen die Arme in die Höhe. Genau das Zeichen für die atemlos gewordenen Zuschauer, in Jubel auszubrechen.

Elke Wilkenstein, adlugokinski

Elke Wilkenstein - Natur und Kultur sind meine Hauptinteressen, über die ich gern schreibe: Blumen im April, Mai, Juni oder im Jahreslauf Ich esse ...

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