
- Mars - Scully van Funkel
Am 4. Juni 2010 beginnt das zweite Langzeitraumflug- Experiment, das in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumbehörde "ESA", der russischen Raumfahrtbehörde "Roskosmos" und der Uni Erlangen neue Einblicke in die psychische und physische Belastbarkeit zukünftiger Kosmonauten geben soll. Bisher hatten sich 5.600 Kandidaten beworben, doch letztendlich dürfen nur sechs an dem Simulationsflug zum Mars teilnehmen.
Geplant ist ein 17-monatiger Daueraufenthalt in einem Nachbau eines Raumschiffes am IBMP (Institut für Biomedizinische Probleme). Das Projekt findet in der Nähe Moskaus statt und beinhaltet die Echtzeit-Simulation einer 50 Tage währenden Reise zum Mars, einem 30 Tage andauernden Aufenthalt auf der Oberfläche des Roten Planeten und 240 Tage für die Rückreise.
Simulation eines bemannten Raumfluges zum Mars
Die Bedingungen sollen einem echten Langzeitflug im All angeglichen sein und somit muss jeder ausgewählte Astronaut darauf gefasst sein, fast 1 ½ Jahre ohne Außenkontakte, Dusche, Tageslicht, frische Luft und andere Annehmlichkeiten unserer irdischen Welt auszukommen. Auch mit ihren Familien können die Teilnehmer nur selten in Verbindung treten.
Medizinische Notwendigkeiten bei Langzeitraumflug
Unter anderem soll herausgefunden werden, welche Medikamente ein derartiger Langzeitflug erfordert und wie die Astronauten darauf reagieren. Daneben erhofft sich Jens Titze von der Uni Erlangen neue ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse. Es wird erforscht, ob salzreduzierte Ernährung einen wesentlichen Einfluss auf den Blutdruck hat und ihn nachhaltig senkt.
Erstes Langzeitraumflug- Experiment im Jahr 2009
Bereits 2009 nahm eine Crew auf ähnliche Weise an einem Raumflug-Simulationsprojekt teil. Oliver Knickel, Maschinenbauingenieur bei der Deutschen Bundeswehr, Cyrille Fournier, Linienpilot aus Frankreich, sowie Sergei Ryazansky (Kommandant) und Oleg Artemyez, der Mediziner Alexei Baranov und der Sportarzt Alexei Shpakov begaben sich freiwillig in die Isolation.
Cyrille Fournier, ESA-Teilnehmer des "Mars500-Programms" berichtete, dass der Teamgeist überwältigend war. Das Leben in der isolierten Umgebung und auf engstem Raum im Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP) sei sehr schwierig gewesen, doch alle Besatzungsmitglieder kamen bestens miteinander aus, ließ er verlauten. Immerhin mussten 105 Tage überstanden werden. Das Team durchlebte den Start, die Reise ins All, die Ankunft, einen Ausflug auf die Marsoberfläche und schließlich die lange Heimreise.
Alltag im Raumschiff-Nachbau
Die Mannschaft baute einen Teil der Nahrung selbst an. Obwohl sie vorwiegend Astronautenkost zu sich nahmen, kam auf diese Weise frischer Blattsalat, Radieschen und Kohl auf den Speiseplan, gab "esa.int" bekannt.
Die Freizeit verbrachten die Crewmitglieder mit Lesen, Musizieren, dem Anschauen von Filmen oder Gesellschaftsspielen. Oliver Knickel, ESA-Teilnehmer des "Mars500-Programms 2009", beurteilte das Experiment als erfolgreich und war sehr stolz auf seine Leistung. Er erhoffte sich eine baldige Auswertung aller Daten, sodass in allernächster Zukunft ein echter Flug zum Mars gestartet werden kann. Die gewonnen Erkenntnisse der Studie über die psychologischen und physiologischen Auswirkung auf die einzelnen Kosmonauten werden bei der Planung eines echten Marsfluges mit einfließen, obwohl Schwerelosigkeit und Strahlenbelastung nicht simuliert werden konnten.
Für das Jahr 2010 sei eine 520-Tage-Simulation geplant, wurde bereits im Sommer 2009 angekündigt. Beide Projekte gehören zum Mars500-Programm, das von der ESA und ihrem russischen Partner IBMP durchgeführt wird.
