60 Jahre Berlinale - Der Umzug

Auf der Berlinale wird um den Chef und neuen Standort gestritten

Soll die Berlinale an den Potsdamer Platz umziehen? Soll Moritz de Hadeln ihr Direktor bleiben? Klar ist: sie muss fit werden für die neue Zeit. Die Jahre 1995-2001.

60 Jahre Berlinale: Ein Überblick über die Jahre 1995-2001 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.

1995: Die Sektion im Wettbewerb

1995 war wieder eines dieser Jahre, das eine Weiterentwicklung forderte. Die Sparzwänge führten dazu, dass sich jeder der Nächste war. Die Animositäten zwischen Wettbewerb und Forum wurden immer deutlicher und das Panorama wurde immer mehr als Konkurrenz zum Forum wahrgenommen.

1996: Starauflauf und Umzugsvorschlag

Wie so oft in der Geschichte der Berlinale folgte einem Jahr voller Unzufriedenheiten ein Jahr der Zufriedenheiten. 1996 hatte die Filme dazu, die Stars kamen und man war sogar vom Hollywood-Kino begeistert. Dies zuzugeben, fiel auch deswegen so leicht, weil das europäische und Weltkino ebenfalls mit starken Beiträgen glänzte. Der damalige Bürgermeister Eberhard Diepgen machte den Vorschlag die Berlinale an den Potsdamer Platz zu verlegen. Hintergrund des Vorschlags war, dass die beiden Investoren debis und Sony das Areal durch große Kulturevents aufwerten wollten. Das Echo auf den Vorschlag war gemischt. Immerhin hatte man es gerade geschafft aus dem ungeliebten, weil schlecht angebundenen Haus der Kulturen der Welt in die City West zurückzukehren und im Interconti ein neues Festivalzentrum zu schaffen.

1997: Umzugsdiskussionen und Vertragsverlängerung

1997 beherrschten die Diskussionen um einen Umzug die Berlinale. Bis Festivalbeginn hatte sich de Hadeln skeptisch gegeben, da völlig unklar blieb, wie eine Festivalinfrastruktur am Potsdamer Platz entstehen könnte. Zugleich liefen sein und Ulrich Gregors Verträge aus, was zu einer heftigen Nachfolgediskussion Anlass gab, die eng mit einer zukünftigen Ausrichtung des Festivals verknüpft war. Die Politik wollte die Berlinale am Potsdamer Platz und es gab sogar den Vorschlag Wettbewerb und Forum zeitlich zu trennen. Bei einem Treffen mit der Daimler-Tochter debis zeigte sich diese offen für die Bedürfnisse des Festivals, so dass sich de Hadeln am Eröffnungstag für einen Umzug aussprach. Noch am selben Tag wurde sein Vertrag verlängert.

1998: Die Berlinale als Marketingplattform der Verleiher

Film wird immer mehr zu einem gut kalkulierten Geschäft. Das musste die Berlinale schon 1997 erfahren und sie erfuhr es jetzt wieder. Nicht jeder Film, den man gerne gehabt hätte, stand zur Verfügung und von den Kritikern musste man sich gar anhören nur die 2. Wahl erhalten zu haben, obwohl gerade das US-Kino große Produktionen schickte.

1999: Deutschland gewinnt zwei Bären

Die letzte Berlinale in der City West war ein starkes Jahr für den europäischen Film und mit „Aimée & Jaguar“ und „Nachtgestalten“ (beide mit Bären geehrt) war auch das deutsche Kino wieder stark vertreten.

2000: Neuer Standort: kurze Wege

Der neue Standort der Berlinale, der Potsdamer Platz, war gewöhnungsbedüftig. Aber er hatte einen enormen Vorteil: kurze Wege. Die Kinos in der City West wurden zum großen Teil noch bespielt, was für das Panorama und das Kinderfilmfest bedeutete, dass sie mit dem Zoo-Palast nun ein eigenes, repräsentatives Premierenkino hatten.

2001: Abschied von einem erfolgreichen Festival

2001 war dann das Jahr des Abschieds. Moritz de Hadeln und Ulrich Gregor, die in ihrer Arbeit stets von ihren Frauen – beide Erika mit Vornamen – unterstützt worden waren, gaben die Staffeten an Dieter Kosslick bzw. Christoph Terhechte weiter. Das Festival hatte unter Umzug und Wiedervereinigung gewonnen. Die Besucherzahlen waren erneut gestiegen und die ehemaligen Leiter konnten ein renommiertes Festival vorweisen. Nur mit dem deutschen Film gab es nach wie vor ein Problem. Das war aber ein rein innerdeutsches Thema, denn die internationalen Besucher interessierte vielmehr das starke internationale Kino.

60 Jahre Berlinale: 1951-1954, 1955-1963, 1964-1972, 1973-1979, 1980-1986, 1987-1994, 1995-2001, 2002-2009

Thomas Steiger, Sabine Felber

Thomas Steiger - Seit Mitte der 80er Jahre schreibe ich über Film und Fernsehen. Erst Filmbesprechungen, dann über die Hintergründe der ...

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