60 Jahre Berlinale - Tresorfilme und Mauerfall

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin vor und nach dem Mauerfall

Die Berlinale wird zum wichtigsten Festival des osteuropäischen Films - und dann fällt die Mauer. Die Jahre 1987-1994.

60 Jahre Berlinale: Ein Überblick über die Jahre 1987-1994 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.

1987: Tauwetter zwischen Ost und West

1987 profitierte die Berlinale vom Tauwetter zwischen Ost und West. Sogenannte Tresorfilme – osteuropäische Filme, die in den sozialistischen Ländern bislang verboten waren – wurden gezeigt und das KinderFilmfest wurde 10. Jack Valenti, Chef der US-Produzentenvereinigung traf sich mit Elem Klimow, dem Vertreter des neuen sowjetischen Kinos. Der im Oktober 1986 verstorbene Alfred Bauer wurde mit der Einrichtung des Alfred-Bauer-Preises gedacht, der an Filme, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen, verleihen wird. Erster Preisträger war Léo Carax mit „Böses Blut“.

1988: "Superman" kommt vorbei und der Filmmarkt wächst

Die US-Studios entdeckten Filmfestivals immer mehr als Marketing-Startrampe und Moritz de Hadeln wurde vorgeworfen, dies auch noch zu unterstützen. Doch der Deal war klar: die anspruchsvollen Filme gab es nur um den Preis von Aufmerksamkeit für die großen Filme. So ist es bis heute. Andererseits hat auch die Berlinale immer wieder Blockbusterfilme wie „Superman“ ins Programm aufgenommen. Und sie profitiert von dem Staraufgebot, das die Filme begleitet. Der Filmmesse kam mittlerweile der American Film Market in die Quere, der sich nun mit Berlin überschnitt. So wurden wieder Stimmen laut, die eine Rückverlegung in den Sommer forderten. Die neue Leiterin Beki Probst ging aber in die Offensive und baute den Markt zum European Film Market aus. Auf dem Festival selbst wurden weitere Tresorfilme gezeigt, das Forum glänzte erneut mit einer reichen Auswahl asiatischer Filme und Zhang Yimou gewann mit „Rotes Kornfeld“ zum ersten Mal einen Goldenen Bären für China.

1989: Ein gutes Jahr

Im letzten Jahr vor dem Beginn einer neuen Weltordnung war die Berlinale zum wichtigsten Festival für Filme aus Osteuropa geworden aber auch die westlichen Länder, insbesondere die USA, konnten durch starke Beiträge glänzen.

1990: Die Berlinale spielt auch im Ostteil der Stadt

Nur drei Monate nach Mauerfall fand die 40. Berlinale statt. Das Jubiläum wurde in beiden Teilen der Stadt begangen. Schon im Februar 1989 hatte Moritz de Hadlen dem Vorsitzenden der Hauptverwaltung Film der DDR, Horst Pehnert, den Vorschlag gemacht Berlinalefilme zeitnah auch im Ostteil der Stadt zu zeigen. Pehnert war nicht abgeneigt, glaubte aber nicht daran, dies je erleben zu dürfen. Um die Berlinale auch im Ostteil stattfinden zu lassen, war viel an Absprachen und Organisation nötig. Das Publikum selbst konnte im Februar jedoch ohne Ausweiskontrolle zwischen den Spielstätten wechseln. Kritik musste sich in diesem Jahr das Hollywood-Kino gefallen lassen. Überholt durch die Ereignisse empfand man es als öde und abgeschmackt. Das cineastische Gegengewicht fand man im europäischen Kino wie in „Das asthenische Syndrom“ oder „Coming Out“, beide mit Bären ausgezeichnet. Man musste nur hin schauen.

1991: Der nächste Aufreger: der 1. Golfkrieg

Noch war Deutschland nicht vereinigt, da schaute die Weltöffentlichkeit schon wieder woanders hin: an den Golf. Die Kuwaitkrise hatte zum Krieg geführt und im Hauptspielort der Berlinale – dem Haus der Kulturen der Welt – waren überall Fernseher aufgestellt, um seine Betroffenheit immer auf dem neusten Stand zu halten. Moritz de Hadeln, dem man einen Hang zu US-Großproduktionen vorwarf, hätte dieses Jahr gerne mehr europäische Filme gezeigt, nur waren zu wenige Filme im Angebot, aus denen man hätte auswählen können. Auch war Cannes auf diesem Feld ein großer Wettbewerber. Die Vorstellungen im Osten trafen in diesem Jahr kaum auf Interesse.

1992: Business as usual

1992 war ein Gemischtwarenladen an Filmen. Ein „Star Trek“-Sequel gab jenen Kritikern erneut Futter, die de Hadelns Hollywood-Affinität beklagten aber ansonsten glänzten die US-Beiträge genauso wie auch Filme aus anderen Ländern.

1993: Man groovt sich ein

1993: Die Sektion Panorama wurde von Wieland Speck übernommen. Das neue osteuropäische Kino präsentierte sich und auch sonst gab es ein spannendes Programm jenseits des US-Kinos.

1994: Die Berlinale ist oben auf

Nach dem bereits überzeugenden Vorjahr, war die Berlinale 1994 ein echter Erfolgsjahrgang. In den Augen der meisten Beobachter hatte er alles, was ein gutes Festival braucht: Eine Vielzahl herausragender Filme, thematische Schwerpunkte, regionale Profile. Problematisch wurde die Finanzierung der Berlinale. Der Etat war um 500.000 DM gekürzt worden und es gab kein Festivalzentrum. Gleichzeitig aber war die Filmmesse zu einem der wichtigsten Handelsplätze der europäischen Filmbranche geworden und nach einer Umfrage unter Produzenten war Berlin das wichtigste Festival nach Cannes und vor Venedig.

60 Jahre Berlinale: 1951-1954, 1955-1963, 1964-1972, 1973-1979, 1980-1986, 1987-1994, 1995-2001, 2002-2009

Thomas Steiger, Sabine Felber

Thomas Steiger - Seit Mitte der 80er Jahre schreibe ich über Film und Fernsehen. Erst Filmbesprechungen, dann über die Hintergründe der ...

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