Die Internationalen Filmfestspiele Berlin gelten als die politischen der großen A-Festivals. Geschuldet ist dies den Umständen ihrer Gründung. Aber auch zwei weitere ihrer herausragendsten Eigenschaften wurden bereits im Jahr Eins etabliert: der griffige Kurzname und die ambivalente Haltung zum deutschen Film.
Die 'Berlinale' erhält ihren Namen
Als die Kabarettistin Tatjana Sais den Begriff 'Berlinale' im Vorfeld der Filmfestspiele 1951 zum ersten Mal verwendete, zuckten die Verantwortlichen innerlich zusammen. Zu ähnlich klang der Spitzname nach 'Biennale', dem Kunstfestival Venedigs, das seit 1932 auch ein Filmfestival einschließt, von dem man sich absetzen wollte. Da der Berliner an sich aber Verballhornungen und griffige Spitznamen liebt, scheiterten alle Bemühungen dem Festival einen seriösen Beinamen zu geben. Heute ist die Berlinale das einzige Filmfestival mit einem einprägsamen Markennamen.
Wer die Berlinale wollte und wer nicht
Die Idee der Filmfestspiele in Berlin reklamierten der Journalist Manfred Barthel, der unter dem Eindruck des Festivals in Cannes eine „Olympiade des Films“ für Berlin forderte und auf den die offizielle Namensbezeichnung zurück geht, sowie der Kameramann Gerhart Ottow für sich. Auf den Weg gebracht wurde sie aber von dem amerikanischen Filmoffizier Oscar Martay, der 1948 nach Berlin gekommen war. Als Zeitpunkt für die Festspiele wurde der Juni 1951 fest gelegt – kurz war auch der Oktober in der Diskussion. Ihr erster Direktor wurde Alfred Bauer. Filme aus Ländern des Warschauer Paktes und ihm nahe stehender Nationen wurden nicht eingeladen. Die DDR legte parallel zum Festival die Welt-Jugend-Festspiele, deren Besucher nicht unerheblich zum Erfolg der Veranstaltung im Westen beitrugen.
Von Anfang an war geplant das Festival mit einer Jury auszustatten. Das traf allerdings auf wenig Gegenliebe bei der Fédération Internationale des Association des Producteurs de Film (FIAPF), die die Festivals in Cannes und Venedig vor Konkurrenz schützen wollten. Allerdings lag das Problem nicht an Berlin allein. In der FIAPF befürchtete man einen Damm einzureißen, der zu einer Schwemme von Filmfestivals und einem darauf folgenden zugehenden Interesse an ihnen führen würde. Dennoch erlaubte die FIAPF ihren Mitgliedsfirmen an dem Festival teilzunehmen. Und als Entgegenkommen gab es eine rein deutsche Jury.
Alfred Hitchcock eröffnet die erste Berlinale
Eröffnet wurde die erste Berlinale am 6. Juni 1951 im Steglitzer Titania-Palast mit Alfred Hitchcocks „Rebecca“, deren Hauptdarstellerin Joan Fontaine anwesend war und begeistert empfangen wurde. Allgemein hielten sich die ausländischen Gäste aber zurück. Sie bewahrten eine abwartende, beobachtende Haltung gegenüber einem Volk, mit dem sie sich wenige Jahre zuvor noch im Krieg befanden. 30.000 Zuschauer machten das Festival zum Erfolg. Die ausländischen Filme kamen bei ihnen und den Kritikern sehr gut an. Die drei deutschen Beiträge hingegen fielen unisono durch.
Die Berlinale ist vom Stand weg ein Erfolg
Die erfolgreiche Premiere erweckte Begehrlichkeiten bei Politik und Interessengruppen, so dass der Vorbereitungsausschuss für das Folgejahr auf 25 Personen anschwoll. Die Berlinale zog an den attraktiveren Ku'damm. Dort bespielte sie das Capitol (heute die Schaubühne am Lehniner Platz) und das in Ku'damm-Nähe gelegene Delphi (das später das Kino des Forums wurde). Schon in diesem Jahr stellte sich heraus, dass Sommer auch Regen und Kälte bedeuten konnte: die beliebten Aufführungen in der Waldbühne fielen alle ins Wasser. Auf eine Jury wurde 1952 verzichtet. Diese Aufgabe übernahm das Publikum und sprach den Goldenen Bären „Sie tanzte nur einen Sommer“ zu. „Rashomon“ von Akira Kurosawa wurde dagegen kaum wahrgenommen. In einem Winzkino neben dem Capitol veranstaltete die Berliner Filmindustrie, die schwer unter der Blockade gelitten hatte, eine Filmmesse ab – quasi die erste und aus heutiger Sicht – wichtigste Nebensektion der Festspiele.
Gary Cooper spricht sich gegen den Anti-Kommunismus aus
Auf den Vorabend der 3. Filmfestspiele fiel der Aufstand in der DDR und seine Niederschlagung am 17. Juni. Gary Cooper besuchte unter großem Aufsehen die Berlinale und sprach sich gegen die Kommunistenhatz Arthur McCarthys aus und die von einem Gremium ausgesuchten deutschen Beiträge wurden unerbittlich nieder gemacht. Am 15. Oktober 1953 dann wurde die Berlinale mit den Berliner Festwochen eine ständige Einrichtung des Landes.
Internationale Stars: Top – Deutscher Film: Flop
1954 kamen Stars wie nie. Die Berliner warteten vor den Hotels um einen Blick auf Gina Lollobrigida oder Jean Marais werfen zu können. Ein deutscher Beitrag wurde gnadenlos ausgepfiffen und sein Titel – „Rummelplatz der Liebe“ – in „Schrottplatz der Liebe“ umgetitelt. Am Ende der 4. Berlinale standen Querelen mit der Spitzenorganisation der Berliner Filmwirtschaft, die sich darüber beklagte, dass sie an Entscheidungen, die die Filmfestspiele betrafen, nicht beteiligt waren – und vorerst auch nicht wurden.
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