60 Jahre Berlinale: Ein Überblick über die Jahre 1980-1986 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.
1980: "Cruising", Billy Wilder und ein Jubiläum
Zum 30. der Berlinale wurde das Forum 10. Beide fanden nun zehn Tage lang statt. Die beiden Leiter waren gleichberechtigt. Moritz de Hadeln kam zumindest in diesem Jahr der deutlich schwierigere Part zu. Er musste das Vertrauen der sozialistischen Länder zurückgewinnen. Das gelang unter Anderem nur indem er in der in seinen Bereich fallenden Retrospektive über Billy Wilder auf Wunsch der UdSSR auf „Ninoschka“ und „Eins, zwei, drei“ verzichtete und Rainer Kunzes „die wunderbaren Jahre“ abgelehnt wurde. Anderseits berief de Hadeln mit Manfred Salzgeber einen eigenen Leiter für die Infoschau, die dieser zum Panorama ausbaute, das heute von Wieland Speck geleitet wird. Für Irritationen sorgten „Cruising“ über einen Mord im New Yorker Schwulenmilieu und Tinto Brass „Caligula“, der als reine Porno-Spekulation eingestuft wurde. Und Fußnote mit Weitblick: ein Teil der Retrospektive war dem 3D-Film gewidmet – unter einem riesigen Interesse des Publikums.
1981: der deutsche Film kommt zu kurz – mal wieder!
Jetzt war es an der Arbeitsgemeinschaft neuer deutscher Spielfilmproduzenten zu stänkern. Sie warfen der neuen Leitung Dilettantismus und Kontaktunfähigkeit vor und riefen zum Boykott auf. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass man mit de Hadeln unzufrieden war. Und der Grund: es gab nur einen (west-)
deutschen Film im Wettbewerb. In den Augen de Hadelns fehlte es anderen Kandidaten schlicht an Qualität. Zu dem Ärger führte sicherlich, dass man sich nicht kannte und keiner der beiden Parteien Schritte unternahm, dies zu ändern. De Hadeln verhielt sich geschickt und machte Heinz Badewitz, Leiter des Festivals in Hof, zum Mittelsmann
1982: Gedanken übers Wetter und ein Marketing-Gag
1982 machte man sich wieder Gedanken über das Wetter. Wie konnten Glanz und Glamour reüssieren, wenn man immer dick eingemummelt sein musste? Der politische Aufreger in diesem Jahr war die Ablehnung von „Mit dem Wind nach Westen“ über die Republikflucht einer DDR-Familie per Ballon. Man mutmaßte, dass der Verleih 20th Century Fox den Film nur einreichte, um das Festival so oder so als Werbevehikel zu nutzen. Die Beziehung zwischen de Hadeln und den deutschen Produzenten hatte sich beruhigt. Es liefen fünf westdeutsche Filme im Wettbewerb und 90 zusammen genommen in allen Sektionen.
1983: Hausbesetzer-Proteste und tolle Teilnehmerzahlen
Zwischenstand: 4500 akkreditierte Teilnehmer, 394 Filme, die Filmmesse ausgebucht, 173.000 Zuschauer. Die Berlinale kannte nur den Weg nach oben. Einige Filme wurden aus politischen oder vermarktungstechnischen Gründen wieder zurückgezogen, Margarethe von Trottas „Heller Wahn“ wurde ausgebuht. Hausbesetzter protestierten im Zoo-Palast. Moritz de Hadeln kann zwischen ihnen und der Polizei vermitteln. Seitdem wurde die Berlinale immer wieder genutzt, um andere Anliegen öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren.
1984: die CSU will die Kontrolle
Beide Leiter waren in ihrem Amt bestätigt worden. Bei Moritz de Hadeln war das gar nicht mal sicher gewesen. 1984 war das Filmangebot war expandiert. Die Diskussionen drehten sich auch um die neuen, rigiden Filmförderrichtlinien des Bunds, die der CSU-Innenminister Friedrich Zimmermann durchgesetzt hatte sowie auf seine Versuche Einfluss auf die Berlinale zu nehmen.
1985: Godard sorgt erneut für Diskussionsstoff
Auch 1985 konnte sich das Innenministerium nicht zurück halten. „Gegrüßest seist du Maria“ von Jean Luc Godard hatte die Gemüter der Katholiken erregt. Die Amerikaner waren mit allen Facetten ihres Kinos vertreten und das Panorama, das aber erst im Jahr darauf diesen Namen erhielt, ließ erstmals einen Schwerpunkt erkennen, für den es heute berühmt und anerkannt ist: Filme mit schwul-lesbischen Themen.
1986: Gina Lollobridida sagt, was sie denkt – ein Eklat!
Die Berlinale ist einfach nicht gut für deutsche Filme. Gerade in den Achtzigern und Neunzigern ein beliebter Vorwurf, der auch heute noch latent vorhanden ist. Andererseits geht dieser Vorwurf von einer falschen Maxime aus: nämlich jeder, nach der deutsche Filme per se gut sind. „Stammheim“ zumindest, der letztendlich den Goldenen Bären erhielt, brachte Jury-Präsidentin Gina Lollobrigida dazu ihre Verschwiegenheitspflicht zu ignorieren und zu erklären, dass sie gegen den Film war. Auch bei der Kritik kam er nicht allzu gut an. Das wirkliche filmische Ereignis war allerdings der 9 ½-stündige, im Forum gezeigte „Shoah“ von Claude Lanzmann.
60 Jahre Berlinale: 1951-1954, 1955-1963, 1964-1972, 1973-1979, 1980-1986, 1987-1994, 1995-2001, 2002-2009
