60 Kühe=1650 Liter=550 Euro/Tag

Milchbauer Heiko Emde streikt: „Handel muss sehen, daß sich was tut“

Streikplakat - Dennis Schmidt
Streikplakat - Dennis Schmidt
75 Kühe stehen bei Landwirt Heiko Emde im Stall, 60 von ihnen werden pro Tag gemolken. Dann kommt der große Milchwagen und fährt das Produkt durch die halbe Republik.

Der Lohn von Emde, der im kleinen Korbach im Norden Hessens lebt: 33 Cent pro Liter. Das ist ihm, so wie vielen Landwirten in ganz Deutschland, zu wenig. Seit letztem Dienstag streikt er deshalb. „Der Ausstand ist die einzige Möglichkeit, auf unsere Probleme aufmerksam zu machen", sagt er.Sein Problem, das ist vor allem das Entgelt für die Milch. „In naher Zukunft stehen bei uns einige Investitionen an, aber wie soll ich die denn bezahlen? Ich bin froh, wenn ich momentan kein Minus mache", empört er sich. Da ist ein Streik seiner Meinung nach folgerichtig.

"Bauern brauchen einen fairen Preis"

Dass er mitmachen würde, war allerdings nicht von Anfang an vorbestimmt. Denn der zweifache Vater ist gar nicht Mitglied im Bundesverband Deutscher Milchbauern, der den Streik organisiert. Trotzdem hat er nun die Lieferungen ein- und ein Schild im Garten aufgestellt. „Bauern brauchen einen fairen Preis" steht darauf. Ab 40 Cent könne der Betrieb wieder ordentlich wirtschaften. Dann sind Investitionen in Stall, Wohnhaus und Geräte wieder realistisch.

Pro Tag fallen bei Emdes rund 1650 Liter Milch an. Ungefähr 550 Euro landen also nicht im Tank des Lkws, sondern direkt in der Gülle. „Da kann man die Nährstoffe wenigstens noch zum Düngen nutzen", entschuldigt sich Emde fast. Er weiß, dass es eigentlich eine Schande ist, das gute Produkt wegzuschütten. „Aber an Schulen darf ich es nicht verteilen. Und Tiere, die die Milch trinken könnten, haben wir außer den wenigen Kälbern nicht mehr." Seit vielen Jahren schon haben Emdes ihre Schweine abgeschafft. Warum? „Man kann nur eine Sache richtig machen", ist er überzeugt.

Boykott der Bauern

Noch mindestens 30 Jahre hat Emde zu arbeiten, da braucht er eine Perspektive - für sich und seine Familie. Sein Vater, der ebenfalls auf dem Hof arbeitet, hat eine andere Sicht der Dinge. Milch wegzuschütten, das kommt für ihn nicht in Frage. Die Zeiten waren zudem schon immer schlecht. Und Boykott? Der bringt nichts, ist sich Vater Emde sicher. Der Boykott der Bauern ist also auch eine Frage der Generationen - und des Durchhaltevermögens. „Bis Ende der Woche wollen wir auf jeden Fall weitermachen", geben sich Emdes entschlossen. Eine sprichwörtliche Milchmädchenrechnung soll die Demonstration der Bauern indes nicht werden. Emde sieht vor allem den Großhandel in der Pflicht: „Die müssen endlich sehen, dass sich etwas tut."

Alle sechs Milchbauern in Berndorf haben sich dem Streik seines Wissens nach angeschlossen - und nicht nur die. „Wie das innerhalb einer Woche eine große Gemeinschaft geworden ist, das hat mich schon erstaunt." Emde macht eine Pause: „Und gefreut."

Dennis Schmidt, Dennis Schmidt

Dennis Schmidt - Von der Schülerzeitung zur Lokalzeitung zu Suite 101, so kann der Weg gehen, zumindest bei Dennis Schmidt aus Korbach. Dabei stand am ...

rss