Dass seit Jahrzehnten im thüringischen Greiz, gelegen an der Weißen Elster und einen Katzensprung von Sachsen entfernt, Karikaturisten eine bewährte Heimstadt für ihre Werke fanden, verdanken sie der emsigen Arbeit in der Bücher- und Kupferstichsammlung der Stadt. Eine gewichtige Rolle spielt auch die fürstliche Sammlung des Hauses Reuß, ältere Linie, diente sie doch mit ihren englischen und französischen sowie deutschen Blättern aus der Welt der Karikaturen bis zu solchen aus der Zeit des Vormärz und der 1848er Revolution als Grundstock für die größte Sammlung von DDR-Karikaturen. Das Sommerpalais Greiz entwickelte sich so zum nationalen Karikaturenmuseum der DDR.

Von der Biennale zur Triennale

Begonnen hatte alles am 18. Juni 1975. Der bekannte Karikaturist Harald Kretzschmar gründete zusammen mit dem damaligen Direktor des Museums, Dr. Werner Becker, das SATIRICUM. Geplant wurden Ausstellungen aus dem Fundes aber auch neue Werke der zeichnerisch-satirischen Zunft. Die erste ließ dann auch nicht lange auf sich warten. 1978 eröffnete sie, hervorgegangen aus einem zentralen Wettbewerb, zum Thema „Glück oder Unglück ein Kind zu sein“. Der große Erfolg bewog dann auch die Organisatoren, alle zwei Jahre solch einen Wettbewerb veranstalten zu wollen – die Biennale der Karikaturen in Greiz war geboren. Bis 1990, der 6. und vorerst letzten Biennale, zogen die Ausstellungen mit den unterschiedlichsten Themen Tausende von Besuchern an. Das Grundkonzept blieb jedoch erhalten. Ab 1994 wurde aus der Biennale die Triennale.

Die 7. Triennale ist eröffnet

Nachdem 1994 die erste Triennale unter keinem bestimmten Motto stand, sollte sie doch einen Überblick über das Schaffen der Karikaturisten der gesamten Bundesrepublik bieten, wurden bei den Folgenden wieder Themen vorgegeben. Von der Buchillustration und Buchkunst, über politische Themen wie „10 Jahre deutsche Einheit“, der Fußball-WM in Deutschland bis zum Motto „Im Dschungel der Kleinstadt“ aus Anlass der 800-Jahr-Feier der Stadt Greiz, die Karikaturisten hatten genügend „Stoff“ sich mit Stift und Pinsel an den Verhältnissen im Land abzuarbeiten.

So steht die am 9. Juni eröffnete Ausstellung im Zeichen der allgegenwärtigen Krisen, Kriege und sonstigen Ungereimtheiten auf der Welt. Eva-Maria von Máriássy, die Direktorin der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung mit dem Satiricum, erklärt das Thema in ihrem Vorwort zum Katalog so: „Wie die Fahrt in den Abgrund aussehen kann, welche Fragen oder Antworten sich auftun, und dass uns gar nichts Anderes bleibt, als beim Blick in die Tiefe zu lachen, zeigen die Arbeiten der Karikaturistinnen und Karikaturisten, die zur 7. Triennale im Satiricum Greiz ausgestellt sein“.

Griechenland, Banken- und Eurokrise, verseuchte Sprossen

Rund 300 Arbeiten, eingereicht von 55 Künstlern aus ganz Deutschland, viele bekannt durch den „Eulenspiegel, der „Titanic“ und anderen Zeitungen , setzen sich mit allen möglichen Untergangsszenarien auseinander. Kein Wunder, das dabei der 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic als ein beliebtes Grundmotiv benutzt wird. So ist es nur ein kleiner Schritt zur Costa Concordia, deren Schicksal ebenso als Symbolik gesellschaftlicher Risiken genutzt wird. Wenn Matthias Hiefel beispielsweise zwei Obdachlose zeichnet und den einen zum anderen sagen läßt: „Moodys stuft unser Land herab – Die soziale Schere geht wieder zusammen“, bleibt das Lachen kurz im Hals stecken. Christian Groß beleuchtet das Dilemma der Banken und Bänker in atemberaubender Kürze: Ein Kind mit Schulranzen auf dem Rücken hält sich den Kopf und jammert, er habe sich um 55 Millionen verrechnet und könne so nur noch Bänker werden. Auch Herbert Papala greift dieses Thema auf. Er zeigt einen Gefängniswärter, der einem Sträfling eine Zelle zuweist mit der Bemerkung: „ Ich hoffe, dass sie die Gesellschaft eines Bankräubers nicht stört, Herr Bankmanager!“. Köstlich auch die Karikatur von Thomas Plassmann, die ein Kind den Vater fragen läßt, wie viel denn 1,6 Billionen Euro Schulden seien und der antwortet: „Wirst Du schon merken“.

Vom "leisen Ton" bis zum Sarkasmus

Mancher arbeitet auch mit leiseren Tönen. Etwa Reiner Schwalme, der einen Zeitung lesenden Mann auf der Parkbank neben Jesus sitzend sinnieren läßt, was man eigentlich noch glauben könne. Oder Johann Mayr, bei dem ein Mann sagt, dass sie sich jetzt auch Gold zugelegt hätten und die Frau ergänzt, es sei aber aus biologischem Anbau. Selbst die Panik um die verseuchten Sprossen fanden in den Ideen der Künstler ihren Niederschlag.

So lebt die Ausstellung vom liebevollen satirischen Zeigefinger, bis zur sarkastischen Überhöhung alle Facetten zum Thema „Volles Risiko“ aus. Kein Wunder, dass die Ausstellung bereits mit großem Besucherinteresse gestartet ist. Eine Fahrt nach Greiz lohnt sich auf jeden Fall, zumal nicht nur die Ausstellung, sondern der wunderschöne Park und das Sommerpalais sowie die Stadt Greiz selbst eine Reise wert ist.

Die 7. Triennale ist vom 9. Juni bis 3. Oktober 2012 geöffnet.

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Quellen und Öffnungszeiten:

www.sommerpalais-greiz.de

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