
- Luxusbenzin bei Esso - C.v.Gerstenberg
Die Nerven der deutschen Autofahrer werden jedes Jahr an Ostern stark strapaziert. Kurz vor Beginn der Osterferien steigen mit schöner Regelmäßigkeit die Spritpreise, um nach den Feiertagen wieder geringfügig zu sinken. Auch die alljährlichen Staus sorgen bei den Urlaubern nicht für Feiertagslaune. Am Karfreitag ging es auf den Fernstraßen vor allem in Richtung Süden nur noch im Schneckentempo voran. Auf rekordverdächtigen 324 Kilometern staute sich bundesweit der Verkehr. Jetzt toppte eine Esso-Tankstelle im baden-württembergischen Filderstadt die österliche Preisabzocke an der Zapfsäule. Sie verlangte für einen Liter Superbenzin die unglaubliche Summe von 9,99 Euro. Wie die Autofahrer darauf reagierten, lesen Sie in diesem Artikel.
Fast zehn Euro für einen Liter Superbenzin: Autofahrer werden zur Kasse gebeten
Eine Autofahrerin aus Filderstadt in der Nähe von Stuttgart wunderte sich sehr, als sie an der Kasse der Esso-Tankstelle für zwanzig Liter Superbenzin die unglaubliche Summe von fast zweihundert Euro bezahlen sollte. Ein weiterer Kunde hatte nur zehn Liter getankt und sollte dafür hundert Euro hinblättern. Die beiden Kunden weigerten sich, die enorme Summe zu bezahlen und riefen angesichts der vermuteten Abzocke die Polizei. Die konnte ihnen allerdings genauso wenig helfen wie der Mitarbeiter an der Esso-Tankstelle. Er erklärte, keinen Einfluss auf die Benzinpreise zu haben, da diese von der Esso-Zentrale vorgegeben seien. Die Polizei bestätigte seine Äußerungen und konnte nichts für die geschröpften Autofahrer tun. Sie mussten die teure Tankfüllung zähneknirschend bezahlen und können nur noch auf das Entgegenkommen der Geschäftsleitung der Tankstelle hoffen. An der Esso-Tankstelle selbst wurde kein Kommentar zu dem Vorfall abgegeben, der sich nachts ereignete.
Die Hintergründe der nächtlichen Abzocke an der Tankstelle
Der Vorfall an der Esso-Tankstelle firmiert wohl unter der Überschrift "dumm gelaufen". Denn die Abzocke kam keineswegs überraschend. Das Benzin war an der Tankstelle ordnungsgemäß mit dem Preis von 9,99 Euro ausgezeichnet. Außerdem war an den Zapfsäulen ein gut lesbarer Hinweis angebracht, kein Superbenzin zu tanken. Hintergrund dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise: der Kraftstoff war nur noch in geringen Mengen vorrätig, und die Kunden sollten durch den extrem hohen Preis vom Tanken des Superbenzins abgehalten werden. Ganz offensichtlich funktionierte die pädagogische Lenkungsmaßnahme bei einigen Autofahrern nicht. Sie hatten den Warnhinweis und die Preisanzeige anscheinend überlesen und waren verständlicherweise sehr unangenehm überrascht, als sie für eine vergleichsweise geringe Menge Benzin ein kleines Vermögen bezahlen sollten. Der Sprecher des "Auto Club Europa" (ACE), Rainer Hillgärtner, erklärte anlässlich des Vorfalls, dieser erinnere ihn an den "Schwarzmarkt". Er forderte von der Gewerbeaufsicht die Aufnahme von amtlichen Ermittlungen wegen der "Wucherpreise an den Zapfsäulen."
Rund um die verkehrsreichen Osterfeiertage hatte es in verschiedenen Printmedien und im Fernsehen Meldungen gegeben, nach denen Engpässe bei der Benzinversorgung drohten. Diese haben sich allerdings nicht bestätigt. Das befürchtete Benzin-Chaos blieb aus. Leere Zapfsäulen gab es nur vereinzelt. Vor allem der bei den deutschen Autofahrern wenig geschätzte Biokraftstoff E10 war an allen Tankstellen noch in ausreichender Menge vorhanden.
Update vom 27.4.2011
Am 26. April 2011 zahlte Esso den beiden Autofahrern das Geld zurück. Der Konzern wollte es offenbar nicht auf weitere schlechte Publicity ankommen lassen.
Quelle: welt.de
