
- Gen-Test - Stephanie Hofschläger / www.pixelio.de
Tragisch beginnt das Theaterstück: Bernard sitzt fassungslos in der Wohnung seines Vaters. Bei einem Besuch im Krankenhaus erhielt er die erschreckende Nachricht, er solle ein Double eines anderen Menschen sein, ein Klon ohne eigene Identität. Doch wie kann das sein? Bernard hat einen Vater, ein Zuhause und die Erinnerung an seine Kindheit - oder ist dies nur ein Trugschluss?
Aus eins mach zwei, mach drei, mach vier…
Sein Vater Salter streitet zunächst alles ab und versucht Bernard davon zu überzeugen, sein leiblicher Sohn zu sein. Doch Bernard fragt weiter, nach dem Tod seiner Mutter, nach seiner Kindheit und wie es sein kann, dass er gerade eben im Krankenhaus 19 Menschen gesehen hat, die exakt so aussehen, wie er selbst.
Nach dem er die Lüge nicht mehr aufrecht erhalten kann, gibt Salter zu, er habe seinen damals vierjährigen Sohn klonen lassen, der bei einem Autounfall mit seiner Mutter zu Tode kam. Für Bernard bricht zunächst eine Welt zusammen. Als er sich kurz darauf wieder gefasst hat, traut er sich weiter zu fragen, nach den anderen 19 Klonen.
Klon oder Original?
Als der ursprünglich totgesagte Sohn Bernard 1 nun auch bei seinem Vater auftaucht, hat jedwedes Versteckspiel des Vaters seinen Sinn verloren. Er muss nun seinen beiden Söhnen die ganze Wahrheit offenbaren.
Briten in Berlin
Allein Patrick Lanagans typischer Glasgower Akzent, der den Vater Salter spielt, ist es wert, das Stück zu sehen. Doch auch Thomas S. Spencer brilliert im Rollenwechsel, zwischen Sohn Bernard und seinen Doppelgängern.
Wissenschaft kennt keine Grenzen
In der öffentlichen Diskussion um Stammzellen-Forschung, Klone und künstliche Befruchtung haben sich längst Moral und Ethik in den Köpfen der Menschen festgesetzt. Doch die wissenschaftliche Forschung geht, durchaus den Folgen bewusst, ihren Weg. Noch ungeklärt sind dabei die Verantwortlichkeiten von Politik und Wissenschaft. Wie weit darf ein Wissenschaftler gehen und wie viel Druck übt die Regierung dabei auf die Forscher aus? Personalausweise mit Fingerabdruck und biometrischem Lichtbild gibt es schon. Namen, Geburtstage, Geburtsorte und Verwandtschaftsgrade von Millionen Menschen kursieren in den social networks - und mit Sicherheit nicht nur dort. Datenklau und geistiges Eigentum, im Informationszeitalter muss man mit jeder Illegalität rechnen. Wie viel seiner eigenen Identität will man preisgeben und was davon darf ein Forscher auf legale Weise für seine Zwecke verwenden?
All diese Fragen beantwortet das Theater nicht. Doch es regt an, selbst einmal darüber nachzudenken, welche Freiheiten man Politik und Forschung einräumt, über das Leben anderer Menschen zu entscheiden.
Caryl Churchill
Mit viel Verwirrung und moralischem Appell inszenierte Caryl Churchill das Stück am English Theatre Berlin. Mehr als 30 Jahre prägen ihre Karriere in der Theaterdramaturgie. Mit Preisen ausgezeichnet, für die Werke "Owners" und "Top Girls", sieht sie permanent Bedarf, neue Missstände in der Gesellschaft aufzuzeigen, die sich perfekt im Theater umsetzen lassen. Zuletzt fiel sie durch die Inszenierung von "Seven Jewish Children - a play about Gaza" auf. Ein zehnminütiges Stück, das den Israelischen Angriff auf Gaza stilisiert.
