
- A Pale Horse Named Death Köln Underground 18.1.12 - Wolfgang Weitzdörfer
Es war wirklich ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt, am vergangenen Mittwochabend, als sich im Kölner Underground die beiden Bands "A Pale Horse Named Death" und "Blood Runs Deep" ein Stelldichein gaben. Ob der eher überschaubare Zuschauerzuspruch von gut 100 zahlenden Gästen dieser Tatsache geschuldet war oder ob es andere Gründe dafür gab, entzieht sich der Kenntnis des Chronisten. Schade ist es jedenfalls schon, denn - jegliches "Type O Negative"-Namedropping beiseitegelassen - "A Pale Horse Named Death", die neue Band von Sal Abruscato und Johnny Kelly (beide ex-"Type O Negative") ist wirklich eine rockende Granate vor dem Herrn und bescherte den Anwesenden einen tollen Konzertabend.
Supportband "Blood Runs Deep" überzeugt die Anwesenden im Kölner Underground
Pünktlich um halb neun Uhr legten aber zunächst einmal "Blood Runs Deep" aus der Schweiz mit dem gutklassigen Material ihres Debütalbums "These Thoughts About Suicide" los. Eine gute halbe Stunde konnte der Vierer um Sänger und Bassisten Stefan Vida mit Songs wie "All The Things Above" oder "These Thoughts About Suicide" beim Publikum mehr als nur Höflichkeitsapplaus erzielen. Bandname, Coverartwork und die Texte ließen auf lebensverneinende, misanthropische Düstergestalten mit Rasierklinge in der Hand schließen. Doch als Stefan auf Nachfrage mit einem verschmitzten Grinsen erklärt, dass der ausgedehnte Schlussteil im letzten Song "Suicide Is Life" von der Band "Supertramp" inspiriert sei, denkt man sich erleichtert, dass es wohl doch eher um ein drastisch transportiertes Image geht, als um wahre Todessehnsucht...
Routiniert aber spielfreudig - "A Pale Horse Named Death" im Underground/Köln
Es muss schon ironisch sein, mit "Type O Negative" füllten sie die größten Hallen, nun, zumindest in der Phase, als Johnny Kelly hinter dem Schlagzeug saß, der 1993 Sal Abruscato (heute Sänger und Gitarrist von "A Pale Horse Named Death") ablöste und die größten Erfolge der Band um Peter Steele miterleben durfte. Und an diesem Mittwochabend fanden sich im gemütlichen Underground in Köln vielleicht gut 100 Leute im Publikum ein. So etwas nennt man wohl auch Kontrastprogramm. Unabhängig davon merkte man dem Fünfer aus New York zu jeder Sekunde der mit etwa 60 Minuten leider etwas knapp bemessenen Spielzeit die Spielfreude an.
Ein Album - eine Show: konsequente Spielzeitausreizung bei "A Pale Horse Named Death"
Wer im Vorfeld vielleicht gehofft hatte, dass sich ins Set der New Yorker das eine oder andere Schmankerl von "Type O Negative" verirren könnte, der wurde enttäuscht. "We are going to play the whole album tonight..." Diese Worte von Sal Abruscato sollten sich als wahr entpuppen. Abgesehen von den beiden Instrumentalstücken "Bad Dream" und "And Hell Will Follow Me" gab es tatsächlich ausschließlich die Songs des Debütalbums zu hören. Das war sicherlich konsequent, aber andererseits schade, denn dass nach nur einer knappen Stunde schon Schluss sein sollte, passte so manchem im Publikum nicht - und bei einem Eintrittspreis von 18 Euro wäre ein wenig mehr auch genau das gewesen: mehr!
Die Qualität versöhnte - ein tolles Konzert einer doch noch hungrigen Band
Darüber tröstete aber die Spielfreude von Sal Abruscato (git/vox), Johnny Kelly (dr), Matt Brown (git), Eric Morgan (bass) und Eddie Heedles (git) genauso hinweg, wie die großartigen Songs des bisher einzigen Albums "And Hell Will Follow Me". Die Band startete nach einem harmlosen Grummel-Intro mit "To Die In Your Arms" gleich in die Vollen und überzeugte vor allem dadurch, dass sie perfekt aufeinander eingespielt war und die Songs durch die Besetzung mit drei Gitarren mit einem enormen Punch präsentieren konnte. Der nie zu laute und sehr gut abgemischte Sound tat sein Übriges, um Songs wie "Devil In The Closet", "Die Alone", "Heroin Train" oder das bedrückend-doomige "Cracks In The Walls" zu absoluten Ohrenschmeichlern werden zu lassen.
Jede Band sollte einen heimlichen Hit haben - "When Crows Descend Upon You"
Bei einem Konzert geht es oft weniger um filigrane Darbietungen von halsbrecherischen Instrumentalkabinettstückchen oder auch die möglichst perfekte Wiedergabe dessen, was man auf der CD zu Hause oftmals in besserer Soundqualität hören könnte. Nein, es sind die Hits, die ein Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen, und seien sie auch noch so heimlich. Wohl der Band, die über so einen heimlichen Hit verfügt - wie eben "A Pale Horse Named Death" auch. Bereits an dritter Stelle im Set überraschte der Übersong "When Crows Descend Upon You" mit seinem majestätischen Riff, seiner eingängigen Melodie und nicht zuletzt jener Kleinigkeit, die eben einen solchen Hit ausmacht: man bekommt das Lied bereits nach zweimaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf...
Fazit: großartiges Konzert einer tollen Band - "A Pale Horse Named Death"
Bleibt zum Schluss das sehr eindeutige Fazit, dass "A Pale Horse Named Death" nach dem letzten Song "Bath In My Blood (Schizophrenia In Me)" ein zufriedenes Publikum zurückließen, das es jedoch im ersten Augenblick nicht so recht zu verschmerzen schien, dass es keine weitere Zugabe mehr gab. Doch als die Band sich beim Abbau des Equipments völlig unkompliziert ins Publikum begab und sich mehr als nur fannah gab, war das auch vergessen und am Ende waren dann doch alle zufrieden. Schönes Konzert, schöner Abend!
