Eine Fahrt zu den Skellig Rocks

Ring of Kerry - ©Bernhard Haußmann
Ring of Kerry - ©Bernhard Haußmann
Ein abenteuerlicher Boat-Trip zu den im Atlantik gelegenen Skellig Rocks kann selbst einen Tag, der mit Regen beginnt, zum 'schönsten Ferientag' machen.

Die Geschichte beginnt am Ring of Kerry, ein B&B irgendwo zwischen Caherdaniel und Ballinskellig. Es ist Sommer, morgens um 9.30 Uhr beim Frühstück.

A Lots of Weather

Es gibt Ferientage in Irland, die fangen so an: Beim Frühstück sitzt man eher lustlos rum, weil die Aussicht trübe ist, woran auch die Palme vor Maureen’s Haus, die man vom Frühstücksraum aus sehen kann, nichts ändern kann. Der Himmel ist verhangen – vom Meerblick keine Spur. Bereits die letzten beiden Tage zeigte sich das irische Wetter von der vorurteilsbehafteten Seite – will heißen: strömender Regen den ganzen Tag – die laut Reiseführer schönste Aussicht an der Südküste Irlands grau verhangen. Maureen, die Gastgeberin, verspricht vage (wie schon an den Tagen zuvor), dass es am Nachmittag besser werden soll – there’s a lots of weather in Ireland!

Valencia Island - Skellig Experience Centre

Sei's drum – es heißt also raus. Eher lustlos geht es erst einmal in Richtung Valencia Island, eine vorgelagerte Insel, die bei Portmagee mit dem Festland verbunden ist. Die bunte Häuserzeile wirkt bei diesem Wetter wie pastellig aquarelliert. Der (Fuß-) Weg zum Bray Head im Westen der Insel gerät zum Abenteuer, weil der Boden vom tagelangen Regen aufgeweicht ist und die tolle Aussicht, die man von den Fogher Cliffs haben soll, hält heute leider nicht, was der Reiseführer verspricht. Also könnte es nicht schaden, einen (trockenen) Fuß ins Skellig Experience Centre (Visitor Center) zu setzen, um in 'Fionan's Kitchen' einen Apple-Pie zu essen. Immerhin sieht das Gebäude von außen vielversprechend aus: aus Bruchstein gebaut, das Dach mit Gras gedeckt, die Architektur preisgekrönt. Die Ausstellung erzählt und zeigt alles Wissenswerte über die Skelligs, drei rauhe Inseln draußen 12 Kilometer vor der Küste im Atlantik gelegen.

Mit dem Kutter raus auf den Atlantik

Plötzlich, gegen Mittag, scheint der Nebel etwas heller, weißer zu werden und es heißt, dass in einer halben Stunde das Boot zu den Skelligs raus fahren wird. Mit dieser Überraschung war nicht zu rechnen. Das Boot – das ist in diesem Fall ein hochseetauglicher offener Kutter, der maximal 15 Leute zu den Inseln fahren kann. Auch wenn dem See-Unerfahrenen 12 km nicht weit vorkommen und die drei 'Felsen' im Meer bei schönem Wetter so nah erscheinen, ist es doch eine ernsthafte Fahrt raus auf den Atlantik. Wind und Seegang haben es in sich und gelten als unberechenbar, sodass nur erfahrene Skipper zu den Skelligs fahren und auch nur, wenn das Wetter es zulässt. Auch bei schönstem Wetter können die Wellen fünf Meter hoch und es kann unterwegs recht frisch sein. Es ist daher ratsam, wetterfeste Kleidung mit zu nehmen. Auch ein Sandwich kann nicht schaden – der gesamte Trip dauert immerhin 5 Stunden. Wenn man auf Skellig Michael anlegen kann, noch eine Stunde länger.

Kaum ist man ein kurzes Stück auf die offene See hinaus gefahren, wird es nicht nur mit jeder Minute heller und sonniger (Maureen sollte also für heute recht behalten), auch das Boot fährt munter gegen die Wellen an, die Gischt spritzt auf das Deck. Und endlich hat sich der Nebel so weit gelichtet, dass man sein Reiseziel sehen kann: die Skelligs, drei Felspyramiden im offenen Meer. Kaum zu glauben, dass die Fahrt zwei Stunden dauern soll. Aber mit Teddy, dem Skipper, vergeht die Zeit wie im Flug. Er weiß reichlich Wissenswertes und Anekdotisches über die Inseln zu erzählen.

'Wo der Himmel ins Meer taucht'

Natürlich in erster Linie über 'Skellig Michael' (die größte von den dreien, 289 m hoch, die als magischer Ort gilt und berühmt ist wegen der Überreste eines Mönchsklosters aus dem 7. Jahrhundert - seit 1996 UNESCO Weltkulturerbe). Es ist ein unwirtliches Eiland und man fragt sich, was Menschen bewegt haben mag, hier eine Siedlung zu bauen? Besonders anschaulich sind seine Geschichten über den Bau der beiden Leuchttürme (1820-1826) und das einsame Leben der Leuchtturmwärter auf der Insel. Angesichts des Seegangs selbst bei diesem nun mittlerweile wundervollen Wetter fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, mit wie viel Schwierigkeiten der Bau verbunden gewesen sein muss. Das einsame Leben der Leuchtturmwärter 12 km vom Festland entfernt ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Wie oft musste man im Winter und bei Sturm vergeblich auf Ablösung, Nachschub und Proviant warten, weil die Fahrt vom Festland oder das Anlegen des Bootes nicht möglich war? In den 60er Jahren soll der Seegang bei einem Sturm so hoch gewesen sein, dass es den Leuchtturmwärter aus dem unteren Turm, dessen Leuchtfeuer sich auf immerhin 53 m über dem Meer befindet, gespült hat. Der Betrieb des oberen Leuchtturms (121 m ü.M.) wurde bereits 1870 wieder eingestellt, weil er zu oft von Nebel und Wolken verschluckt wurde. Der untere Leuchtturm (Neubau 1962-1967) ist bis heute im Betrieb, natürlich wurde irgendwann auf automatischen Betrieb umgestellt.

'Little Skellig'

Von Weitem sieht die kleinere Insel 'Little Skellig' aus, wie mit Schnee bedeckt – die Hinterlassenschaften der unzähligen Seevögel, die auf ihr brüten. Während der Kutter sich nähert, flitzen Papageientaucher, diese lustigen Clowns der Lüfte, unglaublich schnell rechts und links durchs Wasser und auch mal unter dem Boot hindurch, als ob sie sich mit dem Boot ein Wettrennen liefern wollten. Man wird nicht müde, sie so aus der Nähe zu sehen und man könnte ihrem Spiel stundenlang zuschaun. Zwei Mal umkreist Teddy die Insel – unglaublicher Lärm von Tausenden von Seevögeln – die größte Basstölpel-Kolonie der Welt (mehr als 30.000 Brutpaare). Man könnte stundenlang schaun; betreten darf man die Insel allerdings nicht.

An diesem Tag kann man auf Skellig Michael nicht anlegen, weil die Wellen zu hoch sind. Aber die Zeit ist auch so vergangen wie im Flug mit der abenteuerlichen Fahrt und mit Teddy und seinen Geschichten. Nach fünf Stunden laufen wir wieder in den Hafen ein – durchgepustet vom Wind auf dem Atlantik und angefüllt mit Eindrücken. Es war der perfekte Urlaubstag!

Boote zu den Skelligs gehen von Portmagee, Waterville, Ballinskellig und Caherdaniel. Ein Mittel gegen Seekrankheit und Regenjacke können nicht schaden.

Skellig Experience Centre Öffnungszeiten: März, April, Oktober und November 10.00 bis 17.00 Uhr, Mai, Juni und September 10.00 bis 18.00 Uhr, Juli und August 10.00 bis 19.00 Uhr

Charlotte Schäfer, Bernhard Haußmann

Charlotte Schäfer - Seit drei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Architektur und darstellender Geometrie (zweidimensional als Architektur-Illustratorin ...

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