"A single man" - der Kinofilm mit Colin Firth und Julianne Moore

Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Colin Firth fasziniert in dem Film "A single man", dem Regiedebüt des Modedesigners Tom Ford, das auf einer Romanvorlage von Christopher Isherwood basiert.

"A single man" ist ein ungewöhnliches Hybrid von einem Film-Melodram, denn es ist exzessiv und zurückhaltend zugleich. Exzessiv wenn es um die Bildgestaltung und Farbgebung geht. Zurückhaltend dagegen, wenn es die Schauspielerführung und die Darstellung von Emotionen betrifft. Vor allem aber ist der Film wahrhaftig und er zeigt sich erfolgreich darin, die Gefühlslage eines Mannes darzustellen, der den wichtigsten Menschen in seinem Leben für immer verloren hat.

Die Handlung von "A single man"

Ein Autounfall passiert. Dunkelrotes Blut durchdrängt den Schnee. Der Fahrer des Wagens liegt tot neben seinem Fahrzeug in einer einsamen Landschaft. Ein anderer Mann im akkuraten Anzug, körperlich unversehrt, legt sich neben den Toten. Eine Traumsequenz, die am Anfang des Filmes "A single man" steht. Wenig später hören wir aus dem Off die Stimme des Erzählers George Falconer (Colin Firth), Professor für Literatur an einem College in Los Angeles, dem gut gekleideten Herren aus dem Traum, dass er durch diesen verdammten Tag muss. Die Stimme begleitet auch weiterhin den Zuschauer durch die Filmhandlung, die an einem einzigen Tag, nämlich den 30. November 1962, spielt. Einen Monat nach der Kubakrise steht die Welt am Rande einer nuklearen Katastrophe. Die Krise ist in aller Munde, aber für George spielt Weltgeschichte keine Rolle mehr. Seine Welt ist nämlich schon längst untergegangen, seitdem vor acht Monaten sein Lebensgefährte Jim (Matthew Goode) bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Um sein Leiden zu beenden, hat George alle Vorbereitungen getroffen, noch an diesem Tag Selbstmord zu begehen.

Die literarische Vorlage von Christopher Isherwood

Der Roman "Der Einzelgänger" von Christopher Isherwood, erschienen 1964, diente dem Regie-Debütanten, Modedesigner Tom Ford, als Vorlage für seinen Film "A single man". Im Gegensatz zum Roman verleihen John Ford und sein Co-Autor David Searce der Geschichte zusätzliche Dramatik, indem sie George seinen Freitod planen lassen und darüber den Zuschauer bereits zu Beginn des Filmes informieren. So muss sich dieser sich während des ganzen Filmes immer wieder mit der Beantwortung der Frage beschäftigen, ob George sich vielleicht doch von seinem Vorhaben abbringen lässt.

Die visuelle Sprache von "A single man"

Der Film "A single man" versteht es sehr gut, eine visuelle Sprache dafür zu finden, dass George nach dem Tod seines Geliebten in seiner eigenen Welt lebt. Mal erscheinen ihm die Ereignisse in Zeitlupe und sehr oft weiß man als Zuschauer gar nicht in welcher Zeit- bzw. Realitätsebene George sich gerade befindet. Beispielsweise als dieser die frühreife Tochter seiner Nachbarin in der Bank trifft, führt er mit ihr schon ein surreal anmutendes Gespräch über deren Skorpione in einem Einmachglas, die sie mit sich herumträgt. Wo befinden wir uns hier: Immer noch in der Gegenwart? Oder in der Vergangenheit? Oder sind diese Bilder nur ein Konstrukt seiner Einbildung?

Farbgebung als Metapher für den Seelenzustand

Gleichermaßen als Metapher für Georges Seelenzustand ist die Farbgebung im Film gestaltet. Desaturiert sind die Farben aufbereitet, wenn George sich durch das Grau seines nur noch schwer zu ertragenden Alltags bewegt. Schöne Erinnerungen, etwa an sein erstes Zusammentreffen mit George, werden dagegen in den buntesten Technicolour-Farben präsentiert. Auch die Gegenwart wird bunt, wenn George wieder anfängt zu leben, etwa als er in derselben Bar auf den ihn verfolgenden Studenten Kenny (Nicolas Hoult) trifft.

Schauspielerische Glanzleistungen von Colin Firth und Julianne Moore

Von einer geradezu faszinierenden Perfektion kommt Colin Firth Porträt eines Mannes daher, der peinlich darauf bedacht ist, seine innere Trauer nicht nach außen zu kehren und weiterhin in seinem Umkreis zu funktionieren. Julianne Moore überzeugt als Georges ehemalige Freundin Charlotte, die von ihrem Ehemann und Sohn verlassen, sich dem Alkohol hingeben hat. Schmerzlich berührt einen als Zuschauer ihr Versuch, George bei einem gemeinsamen Abendessen bei sich zu Hause doch noch umzupolen, da sie immer noch der Illusion nachhängt, dass seine Homosexualität lediglich nur eine Fassade ist. Der Engländer Matthew Goode tut erfolgreich seinen Teil dazu, dass die Chemie zwischen ihm und Firth auf der Leinwand rüberkommt. Der mit nur begrenzter Mimik agierende Nicolaus Hoult ("About a boy"), der kurzfristig als Ersatz für den bereits gecasteten Jamie Bell einsprang, ist vielleicht der einzige Störfaktor in der sonst so hochgradig besetzten Film.

Film-Empfehlung fürs Arthouse-Publikum

Nach dem ganzen Oscar-Hype um diesen Film werden alle Fans von Colin Firth und Julianne Moore wahrscheinlich ganz automatisch in den Film pilgern. Zudem ist der Film noch jenen Zuschauern zu empfehlen, die sich im Kino auch mal gern mit den unangenehmen Fragen des Lebens beschäftigen wollen.

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

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