Aachen – die Stadt, in der die Brunnen murmeln

Wer dem Murmeln und Raunen der Aachener Brunnen lauscht, dem flüstern sie von Legenden und Sagen ebenso wie von Historie und Anekdötchen.

Der plätschernde Stadtschmuck Aachens besteht aus zahlreichen und ganz unterschiedlichen Brunnen. Das sprudelnde Wasser erzählt von witzigen Geschichtchen, streift große Historie, fließt durch die verschlungene Welt der Legenden und bietet jedem Besucher mannigfache Berührungspunkte zum Kennenlernen. Der folgende kleine Brunnenreigen zeigt eine Auswahl.

Das Bahkauv – eine legendäre Last

Wer allerdings zu tief ins Glas geblickt hat, sollte unbedingt die Gegend am Aachener Büchel meiden. Denn dort haust ein mysteriöses Wesen, das sich durch ein äußerst unangenehmes Verhalten auszeichnet, sobald es den Alkoholdunst eines Passanten wittert. Vor allem, wer die ganze Nacht durchgezecht hat, wird seine Zeche auf völlig unerwartete Art und Weise zahlen müssen. Das Ungeheuer ist laut Legende für Betrunkene buchstäblich unerträglich, denn das Bahkauv kann zu einer wahren Last werden ...

Das Fischpüddelchen – beliebtes Brunnenkind

Ein wesentlich angenehmerer Zeitgenosse hingegen beehrt seit vielen Jahrzehnten, wenn auch mit Unterbrechungen, den Aachener Fischmarkt mit seiner Anwesenheit – ein niedlich-nackiges Bübchen mit seinen zwei um sich schlagenden Fischen, die fast so groß sind wie der Knabe selbst. Heute ist dies Brunnenkind ein beliebtes Kunstwerk. Doch nicht immer schlug ihm unbelastetes, heiteres Wohlwollen entgegen. Es gab auch harte Zeiten für das Fischpüddelchen.

Türe-Lüre-Lißje – Mädchen in Not

Putzig oder peinlich? Das mag sich mancher bei der Betrachtung dieses Brunnens in der Klappergasse fragen. Ein Mädchen hockt in einem Kreis von drei grinsenden Jungen, die sich an den Händen fassen. Doch sie spielen nicht etwa "Häschen in der Grube"; die frechen Knaben haben das arme Mädchen in ihrem Kreis eingefangen und lassen sie nicht mehr heraus. Und dabei muss die Kleine ganz dringend auf Toilette. Wohin so etwas führen kann, da kann nicht nur das Türe-Lüre-Lißje ein Lied von singen ...

"Laufende Kinder" – drei vergnügte Nackedeis

Ein vergnüglicher Brunnen für alle Beteiligten findet sich auf dem großen Platz zwischen der St.-Josefskirche und dem Hallenbad Ost. Bei diesem lebhaft wirkenden Kunstwerk fassen sich drei Kinder an den Händen und laufen und springen aller Hüllen bar auf das erfrischende, nasse Element zu, das ihnen entgegensprudelt. Von reinem Spielspaß und Vergnügen kündet die Bronzeplastik "Laufende Kinder".

Wehrhafter Schmied – entschlossener Erretter

Ganz und gar nicht vergnügt, sondern heroisch und erhaben, thront der legendäre "Stadtretter Aachens" auf seinem hohen Podest zwischen zwei Brunnen in der Jakobstraße. Seine muskulöse Darstellung und nicht zuletzt der gewaltige Schmiedehammer symbolisieren Kraft, Mut und Entschlossenheit. Doch bis dem Helden diese Darstellung zur Ehre gereichen konnte, brauchte es Jahrhunderte. Lange Zeit verdrängte ein anderer den "Wehrhaften Schmied".

"Kreislauf des Geldes" Wasser und Währung

Im mystischen Reich des Bahkauvs begann dieser kleine Brunnenreigen – im materiellen Reich der Banken und Sparkassen findet er nun seinen Abschluss: Auf der Ecke Ursuliner-/Hartmannstraße demonstrieren sechs sehr ausdrucksstarke Bronzefiguren, die auf dem Rand eines Brunnens stehen, den unterschiedlichen Umgang mit Geld. Gemeinsam mit dem stetig zirkulierenden Wasser im Becken bildet der Brunnen das Thema "Kreislauf des Geldes" ab.

Wer offenen Auges durch Aachen zieht, der wird noch weitaus mehr Plätschern und Sprudeln wahrnehmen. Ein Sprudeln, das manches Mal von historischen Tatsachen kündet, aber häufig von geheimnisvollen Legenden, humorigen Histörchen oder Anekdötchen aus dem Aachener Alltagsallerlei erzählt.

Quellen:

  • Wo Wasser fließt und Bronze schimmert: Brunnen und Denkmale in Aachen; Rundwege, Schütt, Anke und Hahnbück, Oscar, Einhard-Verlag
  • Aachen, Rundgänge durch die Geschichte, Stadtbekannt und Co Aachen, Sutton-Verlag