Minijobs sind geringfügige Jobs, was bedeutet, dass sie arbeitsrechtlich eine Teilzeitbeschäftigung darstellen und sozialrechtlich für Arbeitnehmer eine mögliche Befreiung von den Sozialversicherungen (Abgaben für die Renten-, Arbeitslosen- sowie Kranken- und Pflegeversicherung) bieten. Arbeitgeber werden nicht komplett befreit – sie werden mit insgesamt höchstens 31,08 Prozent des Entgelts belastet.

Zwei Arten der geringfügigen Jobs

Vom Verdienst her geringfügig sind Jobs mit einem Entgelt bis 400 Euro im Monat. Rentner über 65 Jahre können mehr verdienen. Rentner unter 65 Jahren mit Bezug einer Altersrente oder bei Bezug einer Erwerbsminderungsrente können bis 350 Euro im Monat geringfügig verdienen.

Als 'geringfügig' gelten die sogenannten kurzfristigen Beschäftigungen. Das sind Arbeitsverhältnisse, deren Dauer zwei Monate nicht überschreitet – wenn an fünf Tagen die Woche gearbeitet wird – oder 50 Tage nicht überschreitet, wenn nur an einzelnen Tagen in der Woche gearbeitet wird. In jedem Fall müssen die Arbeitgeber die Arbeitnehmer in der zuständigen Berufsgenossenschaft versichern (gesetzliche Unfallversicherung), um Wegeunfälle abzudecken. In Privathaushalten muss eine Unfallversicherung extra abgeschlossen werden.

Abgaben für Arbeitgeber bei Jobs bis 400 Euro

Beim Entgelt bis 400 Euro zahlen die Arbeitgeber:

  • 15 Prozent für die Rentenversicherung;
  • 13 Prozent für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) – der Betrag muss nicht gezahlt werden, wenn der Arbeitnehmer privat- oder gar nicht krankenversichert ist;
  • 2 Prozent für pauschale Lohnsteuer (sofern nicht über Lohnstreuerkarte abgerechnet wird);
  • Arbeitgeber mit 30 und weniger Beschäftigten zahlt außerdem 0,67 Prozent für die Umlage für Lohnfortzahlungsversicherung im Falle von Krankheit / Kur oder Mutterschaft;
  • eventuell auch 0,41 Prozent für die Insolvenzgeldumlage – diese ziehen seit Januar 2009 nicht mehr die Träger der Unfallversicherung, sondern die Krankenkassen oder die Minijob-Zentrale ein. Arbeitgeber der öffentlichen Hand und private Haushalte sind von diesem Beitrag befreit.
Insgesamt werden die Arbeitgeber somit mit höchstens 31,08 Prozent des Entgelts belastet. Bei einem Verdienst von 400 Euro wären es 524,32 Euro im Monat.

Abgaben für Arbeitgeber in Privathaushalten

Für Privathaushalte sind die Sozialabgaben geringer. Sie belaufen sich auf maximal 14,27 Prozent und setzen sich wie folgt zusammen:

  • 5 Prozent Rentenversicherung;
  • 5 Prozent Krankenversicherung;
  • 1,6 Prozent gesetzliche Unfallversicherung;
  • 0,67 Prozent Umlage für Lohnfortzahlungsversicherung im Falle von Krankheit/Kur oder Mutterschaft;
  • gegebenenfalls 2 Prozent pauschale Lohnsteuer.
Gezahlter Lohn und abgeführte Steuern dürfen in Privathaushalten insgesamt 400 Euro nicht überschreiten. Die Minijob-Zentrale ist damit beauftragt, alle Abgaben des Arbeitgebers im Haushaltsscheckverfahren per Einzugsermächtigung vom Konto abzubuchen.

Abgaben der Arbeitgeber bei kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen

Der Arbeitgeber zahlt höchstens 1,08 Prozent des Entgeltes:

  • 0,41 Prozent für die Insolvenzgeldumlage;
  • 0,67 Prozent für die Umlage für Lohnfortzahlungsversicherung im Falle von Krankheit oder Mutterschaft.

Nachteile für Arbeitnehmer

Die Stundenlöhne in Minijob-Verhältnissen sind eher gering, auch wenn man theoretisch dieselbe Bezahlung beanspruchen kann wie vollzeitbeschäftigte Kollegen. Darüber hinaus erwerben die Arbeitnehmer keine oder nur eingeschränkte Ansprüche in der gesetzlichen Sozialversicherung. Die vom Arbeitgeber bezahlten Pauschalbeiträge an die Rentenversicherung werden zwar auf die Wartezeit angerechnet, jedoch nur in einem sehr geringen Umfang. Das Verhältnis 1:4 bedeutet, dass bei vier Monaten im Minijob ein Monat Wartezeit angerechnet wird – damit sind Mindestversicherungszeiten gemeint, welche die Arbeitnehmer erfüllen müssen, um überhaupt eine Rente zu bekommen. Auch der Zuschlag zu den Entgeltpunkten ist sehr niedrig. Verdient ein Arbeitnehmer ein Jahr lang genau 400 Euro in seinem Job, erhält er einen Rentenzuwachs von 2,61 Euro. Dadurch, dass die vom Arbeitgeber entrichteten pauschalen Versicherungsbeiträge keine vollwertigen Beiträge sind, erwerben die Arbeitnehmer auch keine Ansprüche auf Reha-Maßnahmen wie Kuren oder Erwerbsunfähigkeitsrenten.

Rechte der Arbeitnehmer

Alle Arbeitnehmer haben Anspruch auf Urlaub, Mutterschutz, Elternzeit und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Es gilt der Kündigungsschutz, Tarifverträge und das Recht, betriebliche Interessenvertretungen zu wählen. In Tarifverträgen werden die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte einer bestimmten Branche in einem bestimmten Geltungsbereich geregelt. Gelten in einem Betrieb Tarifverträge, gelten sie auch für die Minijobber, wenn im Arbeitsvertrag nicht etwas anderes bestimmt ist. Das Kündigungsschutzgesetz gilt, wenn die im Vertrag vereinbarte Probezeit vorbei ist. Die einheitliche Kündigungsfrist, welche seit 1993 gilt, beträgt 4 Wochen zum 15. eines Monats oder zum Monatsende. Je länger man dem Betrieb zugehört, desto stärker verlängern sich die Fristen.

Welche Vorteile gibt es beim Verzicht auf die Befreiung?

Minijobber können auf die Befreiung von den Sozialversicherungsbeiträgen auch verzichten, freiwillig die Differenz zum Pflichtbetrag entrichten und somit weniger verdienen, dafür aber die Wartezeit auf ein Verhältnis von 1:1 erhöhen. Damit erhält man eine etwas höhere Rente und den Anspruch auf das volle Leistungsspektrum der gesetzlichen Rentenversicherung wie Reha-Leistungen oder Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit sowie den Anspruch auf staatliche Förderung einer Eigenversorgung im Alter (Riester-Rente). Dennoch sind die Rentenansprüche der Arbeitnehmer im Mini-Job-Arbeitsverhältnis nur sehr gering.

Mehrere Jobs gleichzeitig?

Hat ein Arbeitnehmer zwei oder mehr Minijobs, deren Verdienst insgesamt 400 Euro nicht überschreitet, bleiben die Arbeitsverhältnisse abgabefrei. Wird die 400-Euro-Grenze überschritten, sind alle Minijobs sozialversicherungspflichtig bei der zuständigen Krankenkasse zu melden. Neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung darf jedoch ein Minijob abgabenfrei sein. Für einen derartigen Nebenverdienst gilt immer die Steuerklasse VI. Ausführlichere Informationen stellt die Minijob-Zentrale zur Verfügung.

Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat durch einen Anwalt ersetzen können.