Absturz einer Sojus-Rakete bremst internationale Raumfahrt

Ein Rückschlag für den Griff nach den Sternen - Adolf Riess  / pixelio.de
Ein Rückschlag für den Griff nach den Sternen - Adolf Riess / pixelio.de
Nach dem Absturz einer russischen Sojus-Transportrakete finden bis zur Klärung des Unglücks keine weiteren bemannten Raumflüge mehr statt.

Am 24.08.2011 sollte eine russische Trägerrakete einen unbemannten Frachter mit nahezu drei Tonnen Versorgungsgütern zur Internationalen Raumstation ISS bringen. Sie erreichte ihr Ziel jedoch nicht, sondern stürzte im Altai-Gebirge ab. Bis die Ursache für diesen Unfall geklärt ist, setzt Russland die bemannte Raumfahrt mit Sojus-Trägerraketen aus. Damit finden zunächst auch keine Versorgungsflüge zur ISS mehr statt, geschweige denn ein Transport von Kosmonauten.

Absturzursache ist noch nicht vollständig geklärt

Der Absturz des Frachters zog glücklicherweise wohl keine Opfer nach sich, da die Trümmer in einem menschenleeren Gebiet niedergingen. Nach dem Start der Trägerrakete wurde laut der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos ein Druckabfall im Treibstofftank festgestellt. Der Kontakt zur Sojus-Rakete brach kurz darauf ab. Es wird vermutet, dass eine fehlerhafte Zündung der dritten Raketenstufe den Absturz herbeigeführt hat.

Versorgung der ISS fällt vorerst aus

Bis alle Umstände und Gründe der Panne geklärt sind, wird keine Sojus-Rakete mehr starten. Nachdem die USA ihr Space-Shuttle-Programm und damit die bemannte Raumfahrt vorerst eingestellt haben, sind die russischen Sojus-Trägerraketen derzeit die einzigen Transportmittel, mit denen die ISS versorgt werden kann. Damit sind die Kosmonauten, die derzeit die Besatzung der Raumstation bilden, auf ihre Vorräte angewiesen, Diese reichen jedoch nach Angaben der Raumfahrtbehörden von Russland und den USA noch für etwa zwei Monate. Doch nicht nur die Versorgung der Besatzung wird nicht wie geplant stattfinden können, auch der Transport von Kosmonauten von und zur ISS wird sich verschieben. Geplant war, drei der derzeitigen Besatzungsmitglieder am 8. September den Heimflug antreten zu lassen. Dieser könnte sich nötigenfalls um bis zu 50 Tage verschieben. Auch der geplante Start der neuen ISS-Besatzung am 22. September findet möglicherweise nicht planmäßig statt.

Auch andere Raumfahrtprogramme sind betroffen

Nicht nur der Zeitplan für die Versorgung und den Besatzungswechsel der ISS, auch der anderer Raumfahrtprogramme ändert sich aufgrund des Unfalls. Am 26.8.2011 sollte für das russische Navigationssystem Glonass ein Satellit mit einer Sojus-Trägerrakete ins All geschickt werden. Der Start wurde verschoben. Die ersten Satelliten für das Navigationssystem Galileo sollten eigentlich am 20. Oktober in ihre Umlaufbahn gebracht werden. Da dabei ebenfalls russische Sojus-Raketen genutzt werden, verschiebt sich ihr Start möglicherweise auch.

Die Panne der Rakete und vor allem ihre Folgen machen deutlich, wie abhängig sowohl die amerikanische als auch die europäische Raumfahrt seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms von der russischen Technologie sind. Bisher sei die Sojus-Technik zuverlässig gewesen, sagte der Chef des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Dietrich Wörner, der Süddeutschen Zeitung.

Der Betrieb der ISS soll noch bis 2020 weitergehen. Sollten sich weitere Pannen von Sojus-Raketen ereignen, wird eine Alternative benötigt. Wer sie entwickelt und wie sie finanziert werden soll, steht allerdings in den Sternen.

Quellen: