AC Mailand in der Hand von Gaddafi?

Berlusconi will den hoch verschuldeten Traditionsklub abstoßen

AC Milan - AC Milan
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Gerüchte um einen Verkauf des AC Mailand schwelen schon seit März 2009. Klubchef Berlusconi hat jetzt offenbar Libyens Staatschef Gaddafi ein Geschäft vorgeschlagen

Ein riesengroßer Flachbildschirm, und darauf läuft ununterbrochen, Tag und Nacht, das Fußballspiel AC Milan gegen den Lokalrivalen Inter vom 29. August 2009. So hatten sich Spötter die Hölle für den AC-Besitzer und italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ausgedacht. Das Lokalderby zum Start in die Saison der italienischen Serie A war 4:0 für Inter Mailand ausgegangen. Eine Schmach, ein Fegefeuer also. Dem allerdings will der Vereinsbesitzer offenbar künftig entgehen. Die Schlagzeilen schrien es Anfang September 2009 heraus: „Milan in vendita“ – Milan steht zum Verkauf. Entsprechende Gerüchte hatte es zwar schon im März 2009 gegeben, aber jetzt ist die Sache handfester. Berlusconi, der fußballerische tifoso (was im übertragenen Sinne Fieberkranker heißt), beugt sich offenbar dem Druck seiner Kinder, die den hoch verschuldeten Klub abstoßen wollen.

Libyens Staatschef statt eines arabischen Prinzen

Der 110 Jahre alte Verein, die Rossoneri (Rot-Schwarzen), steht vor einer ungewissen Zukunft. Das Zittern hatte allerdings längst eingesetzt. Bereits im Februar 2009 waren erste Verkaufsgerüchte aufgetaucht. Seinerzeit hieß es, Prinz Mansour Bin Zayed, Mitglied der Königsfamilie des arabischen Emirates Abu Dhabi, habe für einen 40prozentigen Anteil am AC Mailand 500 Millionen Euro geboten. Der Prinz ist Experte auf europäischen Fußballfeldern: Ihm gehört bereits Manchester City. Diese Gerüchte verstummten, als der Verein schweren Herzens den brillanten Mittelfeldspieler Kaká für satte Millionenbeträge, exakt für 67 Millionen Euro, an Real Madrid verkaufte und so Löcher in der Bilanz stopfte. Doch nun wird die Sache pikanter, vielleicht auch brisanter. Der neue Interessent ist über seine Banken bereits auf dem italienischen Fußballmarkt tätig. Es ist ganz offensichtlich der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi. Spekuliert wird über einen Verkaufspreis von 600 bis 800 Millionen Euro.

Gaddafi gehören schon Anteile an Juventus Turin

Berlusconi und Gaddafi pflegen auf politischer Ebene, sehr zum Argwohn der anderen europäischen Staaten, seit längerem engen Kontakt. Der libysche Staatschef war in Rom – samt Beduinenzelt und weiblicher Garde – und Berlusconi weilte im August 2009 zum Gegenbesuch in Tripolis. Hier soll, am Rande der Staatsgeschäfte, der Fußball-Deal mit einem entsprechenden Angebot des AC-Eigners eingefädelt worden sein. Zumal sich der Libyer bereits auskennt im italienischen Fußball-Geschäft: Über die libysche Zentralbank und die libysche Investmentbehörde ist er schon Aktionär beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Die italienischen Zeitungen kommentieren den gesamten Vorgang mit den Worten: „Il Cavaliere cede al pressing dei figli“ (Der Cavaliere beugt sich dem Druck der Kinder).

In der Gunst der Fans liegt der AC vor Inter

In den 110 Jahren seines Bestehens hat der AC Milan sportlichen Niedergang wie triumphale Wiederaufstehung erlebt, er steckte mitten im Sumpf des italienischen Manipulationsskandals, und er wurde unter Berlusconis Führung eine europäische Spitzenmannschaft; immer in scharfer Konkurrenz zu Inter. 17 nationale Meistertitel, fünf Pokalsiege, siebenmal der Gewinn des Europapokals der Landesmeister beziehungsweise der Champions League sowie viermal der Gewinn des Weltpokals stehen auf der Habenseite des Klubs – der in der Gunst der tifosi in der gesamten Lombardei nach wie vor auch vor Internazionale Mailand rangiert.

Auch Oliver Bierhoff trug das Trikot

Das Trikot der Rossoneri trugen eine Reihe international höchst renommierter Spieler wie Roberto Baggio, Franco Baresi, Marco van Basten, Andrij Schewtschenko – oder auch Oliver Bierhoff. Einer der berühmten „jungen Alten“, Paolo Maldini, hat in 2009 kurz vor dem 40. Lebensjahr die Fußballschuhe an den Nagel gehängt.

Der sportlichen Habenseite stand aber schon seit Jahren der finanzielle Verlust gegenüber. In 2008 hatte es bei einem Umsatz von fast 210 Millionen Euro ein Minus von fast 32 Millionen Euro gegeben. Das scheint Berlusconis Kindern nun zu viel zu sein.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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