
- Früher waren Gürtel ein Rechtssymbol - Rike / pixelio.de
Ein Gürtel aus hochwertigem Material und mit edlen Schmucksteinen verziert ist ein gern getragenes Accessoire. Er ist gewissermaßen das i-Tüpfelchen jeglicher Garderobe. Während Gürtel früher nur funktionalen Zwecken dienten, sind sie heute zum trendigem Accessoire geworden. Kombiniert mit einer lässigen Jeans oder einem schicken Rock schaffen Gürtel es, sich in den Mittelpunkt zu spielen. Anders ein paar Jahrhunderte früher: Im Mittelalter galt der Gürtel als Symbol für Kraft, Herrschaft und eheliche Treue. In seiner alltäglichen Funktion diente er dem Zusammenhalten der Unterkleidung. Wer also den Gürtel löste, dem fielen die Beinkleider zu Boden, und er stand im Hemd da. Daraus erkärt sich auch seine symbolische Wirkung bei Rechtsakten. Auch im Aberglauben hat der Gürtel seinen festen Platz. Etwa als Kräutergürtel getragen.
Der Gürtel als Rechtssymbol
Der Gürtel bedeutete in früherer Zeit eines: nämlich Kraft und Herrschaft. Ein aus dem Land Verwiesener musste Schuh und Gürtel ablegen und barfuß im Hemd Haus und Hof verlassen. Als Zeichen ihrer Unterwerfung hatten Besiegte den Gürtel abzulegen und dem Sieger auszuliefern, also in demütiger Kleidung einherzugehen. Die hohe Achtung des Hausfriedens zwang bei einer Hausdurchsuchung die dazu Beauftragten den Gürtel abzulegen und im Hemd einzutreten. Ein Symbol von besonderem Wert war er als Brautgürtel, denn mit der Entgürtung nahm der Mann am Hochzeitstag die Braut völlig in Besitz. Den Schlüsselbund am Gürtel getragen galt als Zeichen der hausfraulichen Gewalt. Wurde er abgelegt, zum Beispiel bei einer Scheidung, bedeutete dies die Aufgabe aller Rechte. Eine Witwe konnte sich der Schulden ihres Mannes entledigen, wenn sie ihren Gürtel auf das Grab des Mannes legte.
Im Volksglauben fand der Gürtel besondere Beachtung
Bei all der Kraft, die von einem Gürtel ausgehen soll, wurde er auch als Statussymbol angesehen. Je nach Stand seines Besitzers war er aus Leder oder kostbaren Stoffen hergestellt und reichlich verziert. Je höher der Rang des Gürtelträgers war, desto höher - so glaubte man zumindest - war auch seine Macht. So wurden dem Gürtel als Symbol und sichtbarem Ausdruck dieser Macht seit alters her übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Der germanische Gott Thor wurde der Sage nach doppelt so stark, sobald er sich seinen Gürtel umschnallte. Die Tatsache, dass Gürtel besondere Beachtung beigemessen wurde, erklärt, dass ein Mann früher seine Wertsachen, Geld und Waffen, im Gürtel aufbewahrte, der Gürtel einer Frau aber als ein sichtbares Zeichen ihrer Reinheit galt. Deshalb war es Prostituierten im Mittelalter unter Androhung von Strafe verboten, Gürtel und Schleier zu tragen.
Als Kräutergebinde getragen, verliehen Gürtel besondere Kräfte
Eine besondere Bedeutung hat der Gürtel auch deshalb, weil er gebunden wird und das Binden im Aberglauben eine große Rolle spielt. Die gleiche Symbolik, die dem Faden zukommt, wird auch dem Gürtel zugeschrieben, nämlich eine Schutzfunktion. So sollen sich die Heilkräfte bestimmter Pflanzen auf denjenigen übertragen, der einen aus ihnen gebundenen Gürtel trägt. Manche Kräuter wurden deshalb gleich als Gürtelkraut bezeichnet. Johanni (24. Juni) war in der Regel der Tag, an dem ein solcher Gürtel verfertigt wurde. Mädchen und Frauen, die sich aus Johanniskraut, Beifuß und fünf weiteren Pflanzen einen solchen Gürtel umbanden, hofften auf Fruchtbarkeit, Kraft und allgemeinen Segen. Ein ausschließlich aus Farnkraut geflochtener Gürtel und am Vorabend des Johannistages getragen, sollte vor allen nur denkbaren Krankheiten schützen.
Von derlei Ansichten, Volksglauben und Rechtssymbolik ist der Gürtel heute weit entfernt und agiert lieber als Blickfang beiderlei Geschlechter. Und reiner Ersatz für die Hosenträger der Männer ist er auch schon lange nicht mehr.
Quellennachweis: Autor: Carl Puetzfeld – Deutsche Rechtssmbolik – Metzner Verlag
