Accessoires, Design und Souvenirs aus dem Revier

Design: Revier-Souvenirs - Vera Kriebel
Design: Revier-Souvenirs - Vera Kriebel
Design-Kiosk: Exklusive internationale Designprodukte für unter 20 Euro als Mitbringsel und Geschenkidee aus der europäischen Kulturhauptstadt Ruhrgebiet.

Unter dem Titel DESIGNKIOSK RUHR.2010 läuft von Mai bis Juli 2010 ein Projekt des Vereins "Bochum Design". Dabei werden 30 ausgewählte Designprodukte 100 Tage lang in typischen Ruhrgebietskiosken angeboten und verkauft. Das Ganze wird verpackt mit der inzwischen bereits etwas überstrapazierten Ruhr.2010-Sprache, die die Tendenz hat, Einfaches und Komplexes mit einem Brei von neudeutscher Marketing-Sprache zu überziehen.

Das Kulturhauptstadt-Projekt Designkiosk

30 exklusiv für die Designkiosk-Edition gefertigte Objekte von jungen europäischen Designern sind ab Mai für weniger als 20 Euro in 30 Kiosken des Ruhrgebiets erhältlich. Wert wurde auf Nachhaltigkeit und Hochwertigkeit mit qualitativ guter, handwerklicher Arbeit gelegt, so dass meist der Produzent vom Entwurf bis zur Ausführung beteiligt ist. Statt Kunsthandwerk nennt man das aber Arts & Crafts - englisch hört es sich ja besser an. Als Bedingungen sollte der Herstellungspreis nicht über 10 Euro liegen, das Format die 11 mal 11 Zentimeter große Verpackung nicht übersteigen. Für Kreativwirtschaft und Manufakturen sollen hiermit neue Vertriebsorte ausgetestet werden, für die Kioske bedeutet es eventuell ein neues Einkommen.

Ein bisschen Kohle aus dem Revier: Design als Revier-Souvenirs für unter 20 Euro

Dabei sind unter anderem ein Amulett aus Kohle und Blattgold, ein Armreif aus Fahrradschlauch, ein Kerzenständer aus Stahlschmiede, eine Wanduhr wie ein Kneipendeckel, ein Buntes Verdienstkreuz als Brosche, die Telefon-Ohrmuschel als Pilldendöschen oder der wellenförmige Ruhrverlauf fürs Revers. Die USB-V@se ist Accessoire für den mobilen Arbeitsplatz - bifunktional als Vase oder Leuchte - und ein witziges Zubehör für Laptop oder Desktop. Ein Portemonnaie für 9,90 Euro wird laut Veranstalter nachhaltig produziert, und zwar indem es Kinderarbeitsplätze in einem Slum in New Delhi schafft. Diese Kinder dürfen nämlich alte Plastiktüten zu dieser "Ragbag" recyceln. Die "Ruhrsteine" aus Beton - ein Wegwerfprodukt, da sie die ideale Form zum Ditschen übers Wasser haben - sind bereits ausverkauft (Weitere Ideen für Ruhrgebietstypisches, Geschenke und Mitbringsel aus dem Revier).

31 Kioske mit herausragendem Design für wenig Geld

Die Verkaufsorte sind Trinkhallen, Kioske, Büdchen - früher im Revier eine Institution im Leben eines jeden Kindes ("Einmal gemischt für 10 Pfennig") und eines jeden Trinkers, der dort immer Mittrinker fand. Das Projekt Designkiosk will diese Institution beleben oder zumindest an sie erinnern.

Designkiosks gibt's in Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Herdecke, Herne, Herten, Holzwickede, Mülheim, Oberhausen, Recklinghausen und Witten. Ein 31. Kiosk, das Designkiosk-Mobil, wurde von Designstudenten der Technischen Universität Dortmund entworfen und bewegt sich wie eine "Roadshow" entlang der Designkiosk-Route durchs Ruhrgebiet. Etwas merkwürdig ist, dass die Kioske nach dem Zufallsprinzip bestückt werden, so dass jeder nur einen Teil der Kollektion anbietet und man nie weiß, was im angesteuerten Kiosk tatsächlich zu kaufen ist.

Fahrrad-Erlebnistouren und Entdeckungsreise durchs Ruhrgebiet

Das Ganze wird anhand von acht Designkiosk-Erlebnisrouten auch noch zu einer Entdeckungsreise durchs Revier. Es gibt Stadtrouten für Bochum, Essen, Dortmund, aber auch regionale Touren, zum Beispiel durchs westliche Ruhrgebiet - jeweils ideal für eintägige Ausflüge. Abgefahren werden dabei (möglich ist dies auch mit dem Auto) nicht nur die Design-Kioske, sondern interessante Designquartiere, Szeneviertel, Kunst- und Kulturorte oder Ankerpunkte der Industriekultur - Routen also, die durchaus für einen frühlingshaften oder sommerlichen Familienausflug geeignet sind.

Bei drei Designkiosken kann man sich sogar kostenlos ein Brompton-Faltrad (Kult in der Londoner City) leihen, um die Szene-Viertel mit ihren vielen Designgeschäften, Cafes und Restaurants zu erkunden. Da die Internetseite des Projekts katastrophal unübersichtlich ist, hier die Adressen: In Bochum der Kiosk Altegoer (Königsallee 72) in Dortmund Café Büdchen (Hoher Wall 30), in Essen Anne Bude (Brigittastr.). Brompton passt als Designkiosk-Sponsor bestens ins Konzept, weil die Fahrräder als kleinste Fahrräder der Welt mit ihrer ausgeklügelten Falt-Mechanik handwerklich gute Qualität und einzigartiges Design verbinden.

Stärkung der Kreativwirtschaft

Neben Produkten, Kiosken und Erkundungstouren durchs Revier liegt der Schwerpunkt des Projekts auf der so genannten Kreativwirtschaft: Die ist in der Definition von kreativwirtschaft.net deckungsgleich mit Kulturindustrie (Cultural Industries) und beschäftigt sich primär mit der Herstellung und Distribution von Produkten mit hohem Symbolcharakter. Der ökonomische Wert dieser Produkte leitet sich von deren kulturellem (abstraktem) Wert ab (Justin O´Connor, Manchester). Laut Designkiosk-Veranstalter soll diese Branche in Deutschland sogar die viertgrößte sein.

In den letzten Jahren haben sich viele Kreativwirtschaftler im Ruhrgebiet an Orten der Industriekultur, in besonderen Stadtteilen oder in Kreativ-Quartieren niedergelassen, die auch bei den oben beschriebenen Erlebnisrouten angefahren werden: so im Essener Stadtteil Rüttenscheid oder in Bochum-Ehrenfeld. Das überall im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt erwähnte Dortmunder Zentrum der Kreativwirtschaft am Dortmunder U, einer ehemaligen Brauerei, ist bislang eine Vision mit Baustelle und dies wird voraussichtlich auch noch Monate lang so bleiben. Obwohl größte Stadt des Ruhrgebiets hat Dortmund - eventuell auch wegen der Wählertäuschung bei der Kommunalwahl mit der Folge einer monatelangen führungslosen Stadt sowie der Wiederholung der Oberbürgermeisterwahl in diesem Jahr - den Anschluss an die Kulturhauptstadt-Projekte im großen Maßstab und als Impulsgeber verpasst.

Kulturwirtschaftlich ist das Designkiosk-Projekt laut Aussagen eines Vertreters der Kreativwirtschaft ein "innovatives Experiment": Ausgelotet wird dabei, ob sich Kioske beispielsweise als Verbindungsglied in der Kette zwischen Prototyp und Massenfertigung einsetzen lassen - als vertriebliches Zwischenglied sozusagen, was der Kreativwirtschaft neue Vertriebswege eröffnen würde. Zusätzlich soll das Projekt über Fachveranstaltungen bei der Vernetzung und dem Austausch innerhalb und mit der Kreativwirtschaft beitragen. Die Ausstellung "Retrospektive Designpreis Bochum" begleitet das Designkiosk-Projekt und präsentiert alle bisherigen Preisträger und Teilnehmer am Bochumer Designpreis im Foyer der Jahrhunderthalle in Bochum.

Design-Souvenirs aus der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet

Auch wer die hohen Visionen der Initiatoren nicht teilt - positiv ist sicherlich, dass dadurch endlich auswärtige Besucher Mitbringsel aus der Kulturhauptstadtregion kaufen und Ruhrpöttler endlich mal etwas "Authentisches" aus dem Revier verschenken können.

Revier-Souvenirs gibt es übrigens auch bei der Künstlerin Lisa Lyskava, Teilnehmerin der Starken Orte-Serie der Künstlerbünde. Allerdings dann etwas teurer: zum Beispiel eierförmige Briketts im Eierbecher unter Plexiglas, ein "Brikett, Andachtsbild auf Sockel" (49,50 Euro) oder trendig schwarze T-Shirts "Kohlenpott" für 20,00 Euro.

Die Accessoires des Designkiosk sind im Internet vorbestellbar. Die Liste der Ruhrgebietskioske bietet eine Googlemaps-Übersichtskarte und für jeden Kiosk Tipps rund um Kunst, Kultur und die Region. Städte- und regionale Routen sind auch für Navis downloadbar. Weitere Ideen für Ruhrgebietstypisches, Geschenke und Mitbringsel aus dem Revier.

Vera Kriebel, Vera Kriebel

Vera Kriebel - Themen: u.a. Wirtschaft, Technik, Literatur, Reisen, IuK, Politik, Kultur, Geistes- und Sozialwissenschaften Texte, Recherchen, ...

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