Achtsamkeit in den Alltag integrieren

Garden of Lingering, Souzhou - Sonja Eliane Stenek
Garden of Lingering, Souzhou - Sonja Eliane Stenek
Das buddhistische Prinzip der Achtsamkeit in den westlichen Alltag integrieren - wie funktioniert das?

Der Begriff der Achtsamkeit ist in den letzten Jahren in der Psycho- und Esoterikszene immer öfter aufgetaucht und dementsprechend leider etwas abgenutzt worden.

Was ist Achtsamkeit?

Der Begriff der Achtsamkeit taucht bereits im Pali-Buddhismus auf, das heißt, dass in den kanonischen Texten, in denen Buddha zitiert wird, der Begriff „Achtsamkeit“ übersetzt wurde. In Pali ist der Begriff „sati“ zunächst als „Erinnerung“ zu verstehen. „Sich erinnern heißt hierbei, dass einem etwas in den Sinn kommt und auch eine gewisse Zeit dort bleibt, was man im Grunde schon wusste, aber nicht gegenwärtig hatte“. Das ist der Kontext, in welchem „sati“ in der Achtsamkeits-Meditation (Vipassana) aufscheint. Es geht letztlich darum zu wissen, was die Sinne wahrnehmen, Gedanken, Kognition als auch Reaktionen zu registrieren. Der Begriff „sati“ ist wohl am besten so zu übersetzen, dass darauf Aufmerksamkeit gerichtet wird, worauf üblicherweise nicht geachtet wird.

Wie sieht bewusstes Leben aus?

Schellenbaum erläutert, dass der bewusste Mensch gleichzeitig ein energetischer Mensch ist, der sich dem psychoenergetischen Fluss des Lebens aussetzt und keine Widerstände geltend macht. In seiner Betrachtung der Psychoenergetik finden sich viele buddhistische Anteile und Ideen. Laut Schellenbaum ist der energetische Mensch ohne Bedürfnis, sich dem Leben und den Situationen aufzuzwingen. Der Wille rückt in den Hintergrund und es kommt zu einer Gelassenheit beziehungsweise einem Zulassen dessen, was das Leben bereit hält. Es geht um ein gutes Gleichgewicht zwischen Aktiviertheit und Entspanntheit. Im Leben seiner Beziehungen zeigt sich, dass diese wachsen, weil er nicht bedrängt und dadurch den natürlichen Fluss des Miteinander zulässt. Durch das Zurücksetzen des Ego, dem Verzicht darauf "besonders" zu sein, gelingen Beziehungen und Begegnungen. Es geht ihm um Austausch und Dialog. "Er ist kein Abhängiger, sondern ein Hingezogener, kein Unterdrücker, sondern ein Zugewandter. Was ins Leben drängt, ist nicht gegen andere, sondern zu anderen hin".

Schellenbaum weist darauf hin, dass die Heilung von allem, das "nicht im Reinen" ist, durch Geschehen Lassen passieren kann. Die Heilsamkeit des Nichts-Tuns wird gerade in der jetzigen Zeit nach und nach an Bedeutung gewinnen und kann den westlichen Menschen vielleicht auch dahingehend motivieren, zur Langsamkeit und Gelassenheit zurückzufinden. Methoden wie Achtsamkeitsmeditation, Yoga, progressive Muskelentspannung und viele andere mehr bringen die Wichtigkeit der Präsenz im Hier und Jetzt in den Fokus.

Quellen:

Gäng, Peter: Meditationstexte des Pali-Buddhismus I (Pali und Deutsch), Buddhistischer Studienverlag. Berlin, 2003.

Nyanaponika: Geistestraining durch Achtsamkeit. Buddhistische Handbibliothek. Verlag Beyerlein und Steinschulte. Stammbach, 2007.

Schellenbaum, Peter: Die Wunde der Ungeliebten. Blockierung und Verlebendigung der Liebe. Dtv-Verlag. München, 1991. (13. Auflage)

Mag. Sonja Eliane Stenek, Mag. Sonja Eliane Stenek

Sonja Eliane Stenek - Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychosomatik, depressive Erkrankungen, Angststörungen, Begleitung in Krisen insbesondere bei ...

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