
- Buddhistische Meditations-Gruppe - Tosaporn Boonyarangkul auf stock.xchng
Vipassana ist eine buddhistische Meditationstechnik, die zur Einsicht in die wahre Natur des Geistes führen soll. Sie besteht aus drei Elementen: Ruhige Konzentration (samatha), Achtsamkeit und Einsicht (vipassana). Vipassana ist Pali und bedeutet Einsicht oder klare Sicht.
Aufmerksamkeit ist die erste Stufe der Achtsamkeits-Meditation
Der erste Schritt in der Achtsamkeits-Praxis (auch Einsichts-Meditation genannt) ist Aufmerksamkeit. Durch aufmerksames Beobachten von Atem, Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen wird der Geist ruhig und konzentriert. Einsichtsmeditation wird daher auch samatha-vipassana genannt, wobei samatha als Ruhe, Stille, Gelassenheit oder Konzentration übersetzt wird. Es gibt hierfür mehrere Techniken. Die üblichste besteht darin, den eigenen Atem zu beobachten, indem entweder die Luft in oder unter den Nasenlöchern oder das sich Heben und Senken der Bauchdecke während des Atemprozesses wahrgenommen wird.
Negative Verhaltensmuster durch Achtsamkeit auflösen
Das Beruhigen und Konzentrieren des Geistes mag ein wichtiger Schritt sein – Achtsamkeit beinhaltet aber noch mehr. Denn solange die tieferen Ursachen von Unruhe und Leiden nicht erkannt und beseitigt werden, kann sich kein echter spiritueller Fortschritt einstellen. Um dem Kreislauf von negativen Emotionen und Leiden zu entkommen, müssen die meist unbewussten Reaktionsmuster des menschlichen Geistes wahrgenommen und verwandelt werden. Dies geschieht durch die Praxis der Achtsamkeit.
Achtsamkeit im Vipassana
Achtsamkeit ist der zweite Schritt im Vipassana. Wenn Ruhe und Aufmerksamkeit tief und ausdauernd genug geworden sind, wird der Geist sich der eigenen Funktionsweise bewusst. Dazu gehört auch, das ständig im Geist ablaufende Beurteilen und Kommentieren abzustellen. Achtsam zu sein bedeutet, nichts festzuhalten und nichts weg zu schieben. Es heißt, ganz im gegenwärtigen Moment zu sein und die Dinge so zu sehen, wie sie sind.
Einsicht ist der dritte Schritt der Vipassana-Meditation
Einsicht ist das Ziel der Achtsamkeits-Meditation. Sie geschieht als spontanes Resultat der zuvor eingeübten konzentrierten Ruhe und Achtsamkeit. So wie ein durch aufgewühlten Schlamm getrübtes Wasser wieder klar wird, sobald es ruhig gestellt ist und der Schlamm sich setzt, so wird der Geist durch ruhige, achtsame Aufmerksamkeit gereinigt, so dass sich schließlich seine wahre Natur offenbart. Dies führt außerdem zur Einsicht in die Unbeständigkeit aller Dinge und die Unwirklichkeit des Ichs.
Von der Geistesruhe zur Einsicht
Einsichtsmeditation oder samatha-vipassana, wie sie auch genannt wird, bezieht sich also auf spirituelle Übungen, die Ruhe durch anhaltende Aufmerksamkeit sowie Einsicht (vipassana) durch stille Betrachtung entwickeln. Dabei ist das zur Ruhe-Kommen des Geistes nur ein erster Schritt, denn erst die Einsicht kann lehren, wie weitere Störungen und Unruhe in Zukunft verhindert werden können. Das Betrachten des eigenen Atems in der Sitzmeditation ist dabei nicht mehr als ein erster Schritt. Die Praxis der Achtsamkeit erstreckt sich auf den ganzen Tag und sogar die Nacht.
Vipassana in verschiedenen buddhistischen Traditionen
Vipassana als Übungsweg findet sich in allen wichtigen buddhistischen Traditionen wie dem Theravada, Mahayana und Vajrayana Buddhismus. Dabei ist sicherlich der Theravada der Weg, der dieser Meditationsform das größte Gewicht beimisst. Vipassana sollte idealerweise von einem erfahrenen Lehrer gelernt werden. Während die Technik an sich recht simpel wirkt (in der Regel dreht es sich um die Beobachtung des eigenen Atems, wobei es auch hier verschiedene Ansätze gibt), ist dauerhafter und gründlicher Fortschritt meist nur unter Anleitung möglich. Einige allgemein anerkannte Lehrer der Einsichtsmeditation sind Thich-Nath-Han, Jon Kabat-Zinn, Joseph Goldstein, Jack Kornfield, Sharon Salzberg und S. N. Goenka. Vipassana sollte weder als Glaubenssystem noch als Form der Psychotherapie verstanden werden – sein Ziel ist die Einsicht in die wahre Natur des Geistes.
Quelle:
Jack Kornfield. Das weise Herz: Die universellen Prinzipien buddhistischer Psychologie. Arkana Verlag, 2008.
