Achtung: Zeit der Hufrehe beginnt

Kalte Nächte, sonnige Morgen - Pferde sind jetzt besonders gefährdet

Hufrehe ist eine Zivilisationskrankheit. Mangelnde Bewegung, Mastigkeit und zu viele Kohlenhydrate können einen Reheschub hervorrufen. Jetzt hilft: vorbeugen!

Ob Herbst oder Frühling - jetzt gibt es sie wieder, die kühlen Nächte und die sonnigen Morgenstunden, die eigentlich so schön sind. Doch sie bergen extreme Hufrehegefahr. Vor allem für bereits vorgeschädigte Pferde, für übergewichtige Ponys und Pferde mit zu wenig Bewegung.

Nicht Eiweiß, sondern Kohlehydrate sind die Verursacher von Hufrehe

Noch immer sind zahlreiche Pferdebesitzer davon überzeugt, dass Eiweiß der Verursacher für Hufrehe ist. Inzwischen ist der Stand der Forschung allerdings ein anderer: Nicht das Eiweiß ist Schuld an einem Reheschub. Es sind unter anderem die Kohlenhydrate (Fruktan, Stärke und Zucker). Und diese sammeln sich je nach Wetterlage mal mehr, mal weniger in den Gräsern. Wenn Pferde diese leicht verdaulichen Kohlenhydrate in zu großen Mengen fressen, kann die empfindliche Darmflora des Dünndarmes überfordert werden, sie kann die leicht verdaulichen Kohlenhydrate nicht komplett aufnehmen. Das hat zur Folge, dass ein nicht unerheblicher Anteil dieser Kohlenhydrate sowohl in den Dickdarm als auch in den Blinddarm gelangen kann. Die Folge: Der Darm übersäuert, dadurch können die Darmbakterien absterben. Diese toten und damit hochgiftigen Bakterien gelangen dann durch die Darmwand in den Kreislauf: Die Gefäße können reagieren und eine Hufrehe auslösen.

Fruktan - gespeicherte Energie, die Pferde krank machen kann

Momentan geht die Forschung davon aus, dass einer der Hauptverursacher einer Hufrehe das Fruktan ist. Bei Fruktan handelt es sich um eine spezielle langkettige Zuckerform, die manchen Pflanzen als kurzfristiger Speicher für Energie dient. Die Produktion von Energie ist abhängig von der Photosynthese der Pflanze. Diese Photosynthese, also damit die Energieproduktion zum Beispiel des Weidegrases, ist wiederum abhängig von Wärme - also von der Sonne. Darüber hinaus benötigt die Pflanze natürlich auch Luftfeuchtigkeit und Wasser. Das bedeutet: Ist es also warm, sonnig und dazu ein bisschen feucht, kann die Photosynthese stattfinden, und mit dieser Energie kann das Gras ungehindert wachsen.

Kühle Nächte, sonnige Morgen - höchste Gefahr

Im Herbst und auch im Frühling allerdings - dann, wenn die nächtlichen Temperaturen kühl oder kalt sind - kann das Gras nicht wachsen. Aufgrund der morgendlichen Sonne allerdings, läuft die Produktion der Energie auf Hochtouren. Das hat zur Folge, dass die Pflanze mehr Energie, also mehr Zucker, produziert, als sie tatsächlich gerade benötigt. Die Pflanze wandelt nun die Zucker in Fruktane um und lagert diese Energiespeicher ab, um sie bei passenden Witterungsverhältnissen wieder zum Wachstum zu verwenden. Und genau aufgrund dieser extrem hohen Konzentration von Fruktan in den Pflanzen besteht bei Pferden eine hohe Hufrehegefahr, wenn in den kalten Morgenstunden die Sonne auf das Gras zu scheinen beginnt. Zahlreiche Tierärzte raten daher, Pferde erst zwischen 10 und 11 Uhr vormittags auf die Weiden zu stellen.

Ob das Gras lang oder kurz ist - Hufrehegefahr kann immer bestehen

Bedauerlicherweise können Besitzer, deren Pferde Hufrehe gefährdet sind, nur selten entspannt sein. Denn: Der Fruktangehalt in Pflanzen kann sich nicht nur binnen weniger Stunden ändern. Er ist auch abhängig von der jeweiligen Pflanzenart und auch von deren einzelnen Bestandteilen. In Stängeln beispielsweise kann sich mehr Fruktan einlagern als in den Blättern. Der Gehalt ist darüber hinaus abhängig von der Jahreszeit, vom Reifegrad der Pflanze und von der Tageszeit. Eine frisch abgemähte Wiese kann gefährlicher sein als eine ungemähte. Und dann auch wieder umgekehrt. Eine von der Sonne vertrocknete kann ebenso einen Hufreheschub verursachen, wie eine sattgrüne.

Pferde, die zu einer Hufrehe neigen - wie beispielsweise mastige, also zu dicke Pferde (vor allem Ponys) oder Pferde, die bereits einen Reheschub hatten, sollte man zu Zeiten auf die Weide bringen, wenn beispielsweise

  • es bewölkt ist,
  • Pflanzenwachstum durch Wärme, Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit ungehindert stattfinden kann,
  • es dunkel ist (nachts),
  • das Gras nicht durchs Mähen, Trockenheit und schlechtes Düngen gestresst ist,
  • das Gras nicht blüht

Fazit: Hufrehe ist - ähnlich wie beim Menschen der Herzinfarkt - eine Zivilisationskrankheit. Hervorgerufen durch ein Zuwenig an Bewegung und ein Zuviel an falscher Nahrung. Wir - die Menschen - sind Schuld, wenn unsere Pferde Hufrehe bekommen. Ein gutes Weidemanagement ist extrem wichtig, aber vor allem sollte darauf geachtet werden, dass die Pferde genügend Bewegung haben und sie nicht zu dick werden. Wenn Pferde bereits vorgeschädigt oder bereits mastig sind, gilt: Pferde lieber erst in den Vormittagsstunden mit einem Maulkorb auf die Weide schicken.

Weitere Informationen zum Thema Hufrehe finden Sie hier.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Friederike von Bülow, Friederike von Bülow

Friederike von Bülow - Friederike v. Bülow ist Journalistin und Buchautorin (7 Buchveröffentlichungen), Bildhauerin und Pferdetherapeutin. Sie hat sich ...

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