
- Ruhe finden in der Natur - Sigrid Stephenson
Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen eine lebenslange Beeinträchtigung durch die für das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom typischen Störungen und Auswirkungen in vielen Lebensbereichen. Viele Betroffene berichten, in ihrem ganzen Leben niemals wirklich glücklich gewesen zu sein. Ihr Leben sei ein ständiger Kampf gewesen. Ist die Diagnose ADS oder ADHS endlich gestellt, liegt oft ein langer Weg hinter den Patienten.
Einzelgänger und Messies - Probleme in Haushalt und Alltag durch ADS
Viele ADSler entwickeln sich zu Einzelgängern, weil sie sich selbst nicht verstehen und von anderen nicht verstanden werden. Sie fühlen sich "irgendwie falsch" und bekommen diese Einschätzung durch das Verhalten ihrer Umwelt auch häufig gespiegelt. Da es den Betroffenen schwer fällt, sich zu strukturieren und zu entscheiden (dazu gehört auch die Fähigkeit, überflüssige Dinge abzugeben oder wegzuwerfen), kann ein Messie-Verhalten entstehen. Wichtige Dinge werden nicht mehr oder nur unter großen Schwierigkeiten gefunden, auch unwichtige Dinge werden angehäuft. Das erschwert den Alltag besonders dann, wenn von der Störung ebenfalls betroffene Kinder in der Familie leben. Das Gefühl, hoffnungslos überfordert zu sein, bleibt selten aus.
Hoher Leidensdruck durch Depressionen, Zwänge, Selbstverletzung, Fibromyalgie, Essstörungen
Der Leidensdruck ist vor allem deshalb hoch, weil häufig weitere Komorbiditäten und Auffälligkeiten, also sich aus der Störung entwickelnde Erkrankungen und Besonderheiten, auftreten, wie:
- Essstörungen (Bulimie, Anorexie, Binge-Eating-Störung, Adipositas)
- Angststörungen
- Zwänge
- Depressionen
- Persönlichkeitsstörungen, teilweise mit Selbstverletzung
- chronische Schmerzen durch Fibromyalgie
ADS als Modeerkrankung versus ADS als lebenslang bestehende neurologische Erkrankung
Auch manche Ärzte denken ebenso wie Privatpersonen beim Stichwort ADS vor allem an Hyperaktivität und zappelige Kinder, die nicht einen Moment still sitzen können. Oft fällt auch der Satz: "Ach, ADS, das ist so eine Modeerkrankung." Teilweise wird die Störung als schlichtweg nicht existent betrachtet. Fachleute, die sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt haben, sehen das anders. Für sie ist ADS eine lebenslang bestehende neurologische Störung, die man nicht einfach so abschütteln kann. Aber sie sehen Möglichkeiten, ADSlern zu helfen, den Leidensdruck zu mindern und trotz der Störung ein zufriedenes und in vielen Bereichen auch sehr erfolgreiches Leben zu führen.
Therapie von ADS und ADHS im Erwachsenenalter in Deutschland
In Deutschland wurde das Syndrom lange Zeit als eine Erkrankung angesehen, die auf das Kindes- und Jugendalter beschränkt ist. Inzwischen gibt es auch hierzulande mehrere Kliniken, die sich der Behandlung von ADS und ADHS bei Erwachsenen zugewandt haben. Teilweise werden die Kinder mit aufgenommen. Da die Störung erblich ist, bedeutet das für viele Mütter eine große Entlastung. Wird eine Reha beziehungsweise Mutter-Kind-Kur genehmigt, so kann die oft unerträgliche Unruhe des Kindes - mit oder ohne Medikamente - behandelt werden und die Mutter gleichzeitig ihre eigenen Probleme angehen.
Aufklärung über ADS und ADHS im Erwachsenenalter bei Frauen - "Die Chaos-Prinzessin"
Wichtig auf dem Weg zu einem weniger schwierigen Lebensweg ist es für die betroffenen Frauen, soviel wie möglich über ihre Störung und deren Symptome zu erfahren. Inzwischen sind viele Bücher zum Thema auf dem Markt, ein Großteil davon in englischer Sprache. Ein Klassiker für die ADS-Problematik bei Frauen ist das Buch "Die Chaos-Prinzessin" von Sari Solden. Hilfe bietet neben Lektüre, Verhaltenstherapie und Medikation (zum Beispiel mit Metylphenidat, das die zu schnelle Wiederaufnahme von Botenstoffen hemmt) unter Umständen die Untersützung durch einen Coach, der die Besonderheiten des Syndroms kennt. Nicht jede von ADS oder ADHS betroffene Frau muss Medikamente (wie Ritalin) nehmen. Die wenigsten Betroffenen, so ADHS-Experte Dr. Martin Winkler, sind zudem ein Leben lang auf eine Medikation angewiesen. Oft genügt ein begrenzter Zeitraum, zu dem man in die Lage versetzt wird, konzentriert und motiviert Strategien zu entwickeln, sich Hilfe zu holen sowie Ordnungssysteme und Strukturen ins eigene Leben zu etablieren, die sich irgendwann auch ohne medikamentöse Unterstützung nutzen lassen. Es gilt, neue und als sinnvoll erachtete Gewohnheit einzuüben. Sport gehört unbedingt dazu. Regelmäßige Bewegung in freier Natur zum Beispiel kann zumindest vorübergehend für mehr inneren Frieden, Ruhe und Klarheit der Gedanken führen.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel ärztlichen Rat grundsätzlich nicht ersetzen kann.
