Adolf Hitler ist zurück in Berlin

Madame Tussauds ermöglicht ein Treffen mit dem Diktator!

Unter den Linden 74 - die Anschrift, unter der Adolf Hitler als Wachsfigur zu besichtigen war und wieder sein wird. Steht dies im Einklang mit dem Strafgesetzbuch?

Wer berühmte Zeitgenossen aus Vergangenheit und Gegenwart hautnah erleben möchte, besucht das Wachsfigurenkabinett der Madame Tussaud. Auf dem Berliner Prachtboulevard Unter den Linden eröffnete im Juli die weltweit achte Filiale des Unternehmens. Dass jedoch schon der zweite Besucher der Show für eine aufsehenerregende Werbung sorgt, hat wohl niemand erwartet. Ein Hartz IV-Empfänger aus Kreuzberg verübte aus dem Motiv einer Wette heraus und mit den Worten „Nie wieder Krieg“ einen Anschlag auf den wohl berühmtesten Zeitgenossen der Ausstellung, in dem er dessen Figur den Kopf abriss: Adolf Hitler.

Es gibt nichts, was über Adolf Hitler nicht schon geschrieben worden wäre

Hitler entfachte den Zweiten Weltkrieg sowie den Holocaust und war für den Tod von annähernd 50 Millionen Menschen verantwortlich. Diejenigen Kreise, die auch heute noch zu seinen Verehrern zählen, haben sich in den einschlägigen Internetforen bereits erfreut dazu bekannt, Hitler im Wachsfigurenkabinett „ihre Aufwartung machen“ zu wollen. Seine Figur soll repariert in die Ausstellung zurückkehren.

Unter den Linden 74

Einen perfekteren Ort dafür kann es aus Hitlers Sicht kaum geben: Zu seinen Lebzeiten wie auch heute führt die Straße Unter den Linden vom Prenzlauer Berg durch das Brandenburger Tor und den Tiergarten zum Westteil der Stadt. Es ist die sogenannte Ostwestachse, die im Zuge der Bauarbeiten zu Germania – der von den Nazis als Nachfolgerin Berlins geplanten Weltstadt – entstanden ist. Doch ist es richtig, Hitler am Ort seiner Militärparaden und Aufmärsche von SA und SS ein Denkmal in Form einer Wachsfigur zu setzen? Unweit des Holocaustmahnmals?

Ist die Wachsfigur überhaupt ein Denkmal?

Madame Tussauds ist ein Unternehmen, das Geschichte erlebbar machen will. Zahlreiche Persönlichkeiten aus der Vergangenheit werden neben Berühmtheiten aus der Gegenwart ausgestellt: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlins Oberbürgermeister Klaus Wowereit, Boris Becker, Oliver Kahn, Thomas Gottschalk oder die Schauspieler Tom Cruise, Brad Pitt und Johnny Depp sowie der sich als Berliner bekennende, unvergessene US-Präsident John F. Kennedy. Letztlich sind diese und andere Personen Menschen, die es aufgrund ihrer Lebensleistung verdient haben, dass man auch nach ihrem Tod an diese erinnert. Wachsfiguren kommen demnach einem Denkmal gleich.

Aber worin besteht der Verdienst Hitlers, um neben diesen positiv besetzten Zeitgenossen einen Platz zu finden? Ist das nicht eine Verharmlosung Hitlers, eine Verharmlosung dessen, was als Symbol für Völkermord und Judenverbrennung steht?

Das Strafgesetzbuch spricht eine klare Sprache: § 130 StGB, Volksverhetzung , Absatz 3

Zitat aus dem Gesetzbuch: „Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.“

Nun steht die Figur und der Name Adolf Hitlers für alles, was man mit der Herrschaft des Nationalsozialismus in Verbindung bringt. Dieses Symbol des Schreckens auf eine nahezu harmlose Weise als Wachspüppchen neben positiv besetzte Zeitgenossen zu stellen, ist jene Form der Verharmlosung, die das Strafgesetzbuch definiert.

Aber auch Absatz 4 des § 130 StGB findet Anwendung in diesem Fall

Zitat: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.“

Die Ausstellung der harmlosen Wachsfigur in der Nähe des Holocaustmahnmals kann von bestimmten Bevölkerungsgruppen auf eben diese verletzende Weise interpretiert werden. Und das alles nicht, um zu mahnen oder zu erinnern, sondern letztlich nur des schnöden Geldes zuliebe.

Was ist der nächste Schritt: Eine Bronzestatue Hitlers neben dem Brandenburger Tor?

In Fernsehinterviews verkünden Vertreter der Firma, dass Hitler als Figur der deutschen Geschichte in diese Ausstellung gehöre. Aber die Gesellschaft hat einen geeigneteren Weg gefunden, um an Hitlers Schreckensherrschaft zu erinnern: Man setzt den Opfern Denkmäler, nicht dem Täter!

Ist Hitlers Wachsfigur letztlich dann doch nicht vielmehr nur ein Mittel, um ordentlich Profit zu machen und um die Ausstellung verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken? Profit einfahren zu wollen ist an sich kein Fehler, aber die Frage stellt sich, ob die Verharmlosung eines Massenmörders das richtige Mittel dazu ist und nicht im Konflikt zum Strafgesetzbuch steht. Eine Frage, der sich der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Berlin, Dr. Andreas Behm, irgendwann sicher stellen muss. Die Figur Hitlers an der Aufmarschmeile der Nazis aufzubauen zeugt wohl eher von Habgier anstatt von Fingerspitzengefühl den Opfern gegenüber.

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