
- Adventskränze - G.Regner
Ursprünglich galt die Adventzeit – abgeleitet vom lateinischen adventus, was Ankunft bedeutet – als Fastenzeit, welche im 6. Jhd. von Papst Gregor dem Großen auf die vier Sonntage vor der Ankunft von Jesus Christus festgelegt wurde. Sie liegt zwischen dem 27. November und dem 24. Dezember und beginnt mit dem Tag des Heiligen Andreas. In der katholischen und evangelischen Kirche beginnt mit dem ersten Adventsonntag auch das neue Kirchenjahr. In der orthodoxen Kirche startet die Adventszeit bereits Mitte November, dauert sechs Wochen und wird ebenfalls als Fastenzeit zelebriert. Das Kirchenjahr beginnt hier bereits am 1. September.
Der Adventskranz
Der Adventskranz wurde vermutlich vom evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern im Jahr 1838 erfunden, welcher kranzförmig bunte Wachskerzen aufstellte, wobei ursprünglich täglich eine kleine – und an den Sonntagen jeweils eine große Kerze angezündet wurde. Die Kerzen standen für das „Licht der Welt“, als welches Jesus Christus im christlichen Glauben bezeichnet wird. 1860 begann man, die Kerzen mit Tannenzweigen zu schmücken, sodass der heute bekannte Adventskranz entstand. Auch in den skandinavischen Ländern gab es bereits Lichterkränze, wobei in diesem Kulturkreis am 21. Dezember die Wiedergeburt des Lichtes (Wintersonnenwende) gefeiert wurde. Heute ist es Brauch, einen Kranz aus Tannenzweigen zu binden – in England auch aus Stechpalmen und Efeu – auf welchem vier Kerzen angebracht sind und der oftmals mit Kugeln, Schleifen und kleinen Figuren geschmückt wird.
Der Adventskalender
Wer die kindliche Vorfreude in der eigenen Familie kennt, kann gut nachvollziehen, wie der Adventskalender entstanden ist! Wie alle schönen Geschichten, beginnt auch diese mit „es war einmal“: Es war einmal eine Mutter, die der ungeduldigen Frage ihres Kindes, wann denn endlich Weihnachten sei, damit begegnete, dass sie kleine Schachteln nahm, diese verzierte und kleine Süßigkeiten hinein tat. Ihr Sohn durfte dann täglich eine Schachtel öffnen und den Inhalt entnehmen. 1904 griff Gerd Lang die Idee seiner Mutter auf und ließ den ersten gedruckten Adventskalender erscheinen, welcher aus zwei Blättern bestand: eines mit Zahlen -, das andere mit Engelsbildern bedruckt. 1950 wurden bedruckte Adventskalender dann zum Massenprodukt. Die Befüllung mit vorwiegend Schokoladefiguren folgte dann wenige Jahre später. Heute gibt es Adventskalender in allen Formen und Farben. Vom klassischen mit Bildern bedruckten Papierkalender bis hin zu aufwendig gestalteten Formen, gefüllt mit Leckereien oder Spielereien. Auch Adventskalender zum Selbstbefüllen werden angeboten.
Der Weihnachts- oder Christkindlmarkt
Bereits im 15. Jahrhundert wurden Weihnachtsmärkte oder Christkindlmärkte, wie man sie auch nennt, namentlich erwähnt. Die Tradition, einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten, stammt zwar ursprünglich aus Deutschland, hat mittlerweile aber auch in anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel in Österreich, England und Italien Einzug gehalten. Selbst in den USA gibt es seit einigen Jahrzehnten Weihnachtsmärkte. So findet in San Francisco die „Great Chrismas Dickens Fair“ statt, wo es neben Santa Claus zahlreiche Figuren des Romanautoren zu entdecken gibt. Eines darf auf keinem Weihnachts- oder Christkindlmarkt fehlen: der Glühwein. Der mit Nelken, Zimt und anderen Gewürzen verfeinerte und erhitzte Wein sorgt dafür, dass beim Bummel am winterlichen Weihnachtsmarkt die Kälte vertrieben wird. Zahlreiche regionale Köstlichkeiten wie beispielsweise Nürnberger Lebkuchen oder Dresdner Stollen sowie die vielfältigen, nostalgisch anmutenden, handgearbeiteten Kunstwerke tun dann das Übrige, um einen Besuch am Weihnachtsmarkt zu einem stimmungsvollen Erlebnis zu machen. Im deutschsprachigen Raum besonders bekannt sind auch der Wiener Christkindlmarkt sowie der Salzburger Christkindlmarkt. Während am Wiener Christkindlmarkt Handwerker traditionelle Arbeitsweisen zeigen, können Musikliebhaber am Salzburger Christkindlmarkt Advents- und Weihnachtslieder vor dem Dom genießen.
Der Nikolaus (6.12.)
Zahlreiche Geschichten gibt es um den Heiligen Nikolaus, die alle eines gemeinsam haben: Nikolaus gilt als Helfer in der Not – insbesondere für Arme. Seit 1555 wird die Gestalt des Nikolaus nun als Gabenbringer für Kinder in Erinnerung gehalten. Dabei gibt es unterschiedliche Bräuche: während bei den einen Nikolaus zusammen mit seinem Helfer, Knecht Ruprecht, die Kinder mit Gaben besucht, stellen anderen Orts Kinder am Vorabend des Nikolaustages Ihre geputzten Stiefel vor die Türe, damit dieser sie über Nacht mit Süßigkeiten füllt. Aus den Niederlanden kommt der „Sinterklaas“, von welchem der Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Gewand abgeleitet wurde. Dieses Bild vom Nikolaus wurde von der Firma Coca-Cola weltweit für Werbung verbreitet. Selbst in islamischen Familien werden die Kleinen von „Noel Baba“ beschenkt.
Der Krampus
Mitte des 17. Jahrhunderts entstand – abgeleitet vom Nikolaus-Gehilfen Knecht Ruprecht – die Gestalt des Krampus. Um Missetaten aufzuzeigen, bekam der Nikolaus den Krampus zur Seite, welcher mit seinem furchterregenden, teuflischen Aussehen die Kinder erschrecken – und damit für Ihre Missetaten bestrafen sollte. Insbesondere im katholisch gläubigen Alpenraum entwickelten sich daraus die sogenannten Krampus- oder Perchtenläufe, welche ausschließlich in der Adventszeit stattfinden. Mit schauerlichen Kostümen und Masken verkleidet laufen die Krampusse durch die Straßen und erschrecken mit ihrem Kettenrasseln, Glockengeläute und Ruten Jung und Alt, wobei die Figur des Krampus‘ regional mit unterschiedlichsten Namen belegt wurde wie Schiachperchten, Gankerl, Glöckler, Buttnmandl, usw.
Barbarazweig (4.12.)
Wer an Weihnachten Blütenzweige im Zimmer bewundern möchte, der sollte dem Adventsbrauch des Barbarazweige schneidens folgen und am 4. Dezember Kirschbaumzweige abschneiden und diese ins Zimmer stellen, da die Zweige nach 3-4 Wochen und somit an Weihnachten blühen. Es können übrigens durchaus auch andere Obstbaumzweige dazu hergenommen werden.
An dieser Stelle sei allen Lesern eine besinnliche, brauchtumsreiche und schöne Adventzeit gewünscht.
