Ägypten: Mubarak tritt ab. Stimmen zum Rücktritt

Alles, was ist, endet: Husni Mubarak abgetreten - Johannes Flörsch
Alles, was ist, endet: Husni Mubarak abgetreten - Johannes Flörsch
Es ist wahr! Auf dem Tahir Platz in Kairo feiern die Menschen ausgelassen den Rücktritt Mubaraks und skandieren: Das Volk hat das Regime gestürzt.

Auf twitter.com überschlagen sich die Meldungen: Innerhalb von Sekunden kommen seit Freitagabend, 11. Februar 2011, neue Tweets, wie die Kurznachrichten heißen: Mubarak ist zurückgetreten! Mubarak hat die Geschäfte in die Hand des Militärs und einer Übergangsregierung gelegt! Noch am Tag zuvor hatte der alte Diktator Forderungen nach einem Rücktritt von sich gewiesen.

Was den Menschen weltweit besonders gefällt und immer wieder genannt wird: Der Rücktritt ist das Verdienst des ägyptischen Volkes, das sich nicht hat ängstigen oder irritieren lassen, sondern mutig Tag für Tag seinen Lebenswillen demonstriert hat. Erinnerungen an 1989 werden wach, als in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) bei den sogenannten Montagsdemonstrationen in Leipzig die Menschen riefen: „Wir sind das Volk!“

Facebook, Twitter, Internet: Die neue Macht der Medien hat Menschen in Ägypten geholfen

Mubaraks Stellvertreter Omar Suleiman las die entscheidenden Sätze mit unbewegter Miene in die Kamera des staatlichen Fernsehens: „Präsident Mubarak hat sich entschieden, als Präsident der Republik zurückzutreten. Er hat die Macht an das Oberkommando der Armee unter dem bisherigen Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi übergeben. Möge Gott helfen!“ In nur 18 Tagen hat „sein“ Volk den Diktator aus dem Amt gedrängt: Nach mehr als 30 Jahren ist die Ära des Diktators Husni Mubarak zu Ende – in Ägypten bricht der Jubel aus.

Derzeit noch unklar ist, wer oder was Mubarak letzten Endes zum Aufgeben gebracht hat: das Militär? Persönliche Einsicht? Seine Berater? Ein wichtiges Bausteinchen pflasterte den Weg zum Rücktritt: zunächst die Verhaftung des jungen Google-Mitarbeiters Wael Ghonim und in der Folge seine Freilassung nach zwölf Tagen. Ghonim war von überforderten Beamten des alten Regimes befragt worden, und es wurde offensichtlich, welche Stärke die Menschen aus den neuen Medienformen gezogen hatten: Internet, Facebook, Twitter hatten ihnen den Rücken gestärkt und stets das Gefühl vermittelt, die Welt sei informiert, die Welt schaue zu, die Welt werde sie nicht allein lassen – auch wenn beispielsweise die amerikanische Regierung einen Eiertanz aufführte und sich in diplomatischen Floskeln übte.

Was wird aus Mubarak?

Mubarak hat sich zunächst an den Badeort Scharm el Scheich am Roten Meer zurückgezogen. Hier besitzt er ein Domizil. Für die Übergangszeit hat das Militär das Ruder übernommen. In einer Erklärung, die über Euronews verbreitet wurde, hieß es, das Militär habe Reformen und eine faire Wahl garantiert. Kein friedlicher Demonstrant müsse sich vor Strafverfolgung fürchten. Dass der Druck aus dem Volk so machtvoll und überzeugend war, liegt sicherlich in seiner alles anderen als aggressiven Form: Die Menschen haben schlicht gezeigt, dass für sie Leben untrennbar verbunden ist mit Freiheit. Sie haben während der Demonstrationen darauf geachtet, dass Gewalt keine Chance bekam – Gewalt, die nur die Gegengewalt provoziert und die guten Absichten konterkariert hätte.

Stimmen zum Rücktritt von Husni Mubarak

UNO-General-Sekretär Ban Ki-Moon sagte vor der internationalen Presse: „In diesem historischen Moment wiederhole ich meine Aufforderung … nach einem transparenten, geordneten und friedlichen Übergang.“

Catherine Ashton, Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, sagte: „Wir haben hohe Erwartungen an die, die die Führung in dieser Zeit übernehmen werden … Wir haben viel Erfahrung mit der Demokratisierung, und die bieten wir dem Volk von Ägypten an.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Präsident Mubarak hat mit seinem Rücktritt dem ägyptischen Volk einen letzten Dienst erwiesen.“ Merkel kam auch auf Israel zu sprechen (was wohl der Vergangenheit Deutschlands geschuldet ist) und äußerte die Hoffnung, dass die Sicherheit Israels garantiert werde.

Die Revolution, sie hat bisher über 300 Opfer gefordert. Trotzdem wird sie wohl in die Geschichte als friedliche Revolution eingehen – wenn nicht die nach dem Rücktritt unübersichtliche Situation von marodierenden Banden, Kriminellen, einflussreichen Menschen für ihre persönlichen Absichten missbraucht wird: Ägypten, wohin gehst du?

Quellen: n24.de und Welt.de

Johannes Flörsch, Johannes Flörsch

Johannes Flörsch - Johannes Flörsch (Jahrgang 1956): Nach einer Bankkaufmannslehre, nach dem Studium der klassischen Gitarre am Konservatorium ...

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