Ägypten nach dem 25. Januar 2011

Ägyptischer Markt  - Michael Hubka / pixelio.de
Ägyptischer Markt - Michael Hubka / pixelio.de
Das Leben in Ägypten hat sich nach den Demonstrationen und dem Rücktritt Mubaraks geändert, aber auch die Einstellung der Menschen & ihr Selbstbewusstsein.

Die Demonstrationen in Ägypten und das Aufbegehren des Volkes waren eine Frage der Zeit. In einem Land, in dem der Normalbürger ebenso wie Staatsangestellte nur unter großen Einsparungen vom ihrem Lohn leben können, eine kleine Minderheit aber über finanzielle Mittel im Überfluss verfügt, ist eine Revolution vorprogrammiert.

Von ägyptischer Ergebenheit zum Aufbegehren

Trotz der Lebenseinstellung der Ägypter, dass schwierige Situationen von Gott gegeben wurden und der Lohn für die Bewältigung im Jenseits erlangt wird und trotz des Wissens, dass die Regierung ebenso wie Firmen Widerspruch nicht hinnehmen, starteten einige wenige eine Welle, die weitreichende Ausmaße annahm. Das Volk und die Armen haben sich in Ägypten mit den Demonstrationen, die am 25. Januar 2011 begannen, nicht nur ihr demokratisches Recht zurückerobert, sondern auch ihr Selbstbewußtsein gestärkt. Zwar ist der Preis hierfür hoch, trotzdem ist die Mehrheit der Ägypter stolz auf den aufgebrachten Mut und den erzielten Erfolg.

Vom begehrten Urlaubsland zum Land der arbeitslosen Hotelangestellten

Die Folgen sind jedoch weitreichend und in Dauer und Schwere nicht vollkommen absehbar. Da das Land seine Einkünfte neben dem Suez-Kanal hauptsächlich aus dem Tourismus bezieht, leidet die Mehrheit der Bevölkerung unter schwerwiegenden Einbußen. Der Tourismusverkehr ist in den Tourismusgebieten fast vollständig zum Erliegen gekommen. Hotels behelfen sich zwar momentan damit, ihren Angestellten einen verlängerten Urlaub aufzuzwingen, jedoch folgen die ersten Entlassungen und Familien stehen aufgrund der fehlenden sozialen Absicherung ohne finanzielle Mittel dar. Da die Gehälter in den meisten Fällen noch nicht einmal zur Finanzierung der täglichen Bedürfnisse ausreichten, stehen auch keine Rücklagen zur Verfügung. Selbst im Falle einer Weiterzahlung der Gehälter, die bei Kellnern, Kofferträgern, Reinigungskräften und anderem Servicepersonal lediglich etwa 20 bis 30 % der Gesamteinkünfte ausmachten, da die Trinkgelder die hauptsächliche Einnahmequelle darstellen, ist die Finanzierung der Familie nicht mehr gesichert.

Aber auch Unternehmer, die mit der Herstellung oder dem Verkauf von Souveniers ihr Geld verdienen, sind gezwungen, ihre Firmen oder Geschäfte zu schließen. So findet man in Hurghada und Sharm El Sheikh nur noch wenige geöffnete Geschäfte. Auch die Geschäfte an den Sehenswürdigkeiten in Kairo, Luxor und Assuan sind weitestgehend geschlossen. Ebenso leiden die ländlichen Gebiete unter dem Ausbleiben der Touristen. Die meisten Hotelangestellten haben ihre Familien nicht in ihren Beschäftigungsorten, sondern hier, wo das Einkommen weit unter dem in den Tourismusorten liegt. Somit betreffen die Folgen des 25. Januars fast alle Ägypter.

Die Hoffnungen eines Volkes

Jedoch bedauern nur wenige den Rücktritt Mubaraks. Im Gegenteil: Das Volk ist über den erzielten Erfolg erfreut und glücklich und hat die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in der die Willkür der Polizei, käufliche Gerechtigkeit, fehlende soziale Absicherung sowie ungerechte Bezahlungen der Vergangenheit angehören. Die Menschen erinnern sich an Zeiten lange vor Hosni Mubarak, in denen das Land zu den führenden in Kultur, Bildung und Fortschritt in der arabischen Welt gehörte. Jede Aufdeckung von Unterschlagung durch einen Ex-Minister wird erfreut zur Kenntnis genommen und viele Ägypter fühlen sich wieder verantwortlich für ihre Zukunft und die Eigentümer des Landes. In Kairo rund um den Tahrir-Platz reinigen junge Männer täglich die Straßen und Statuen. Zu hoffen bleibt, dass die Menschen auch ihre neu erlangte Verantwortung wahrnehmen und nicht in ihre alte Denkweise zurückfallen, so dass ein neues und gerechtes Ägypten entstehen kann.

Bildnachweis: Michael Hubka / pixelio.de

Petra Liermann, Petra Liermann

Petra Liermann - Mein Name ist Petra Liermann. Ich wurde 1971 in Dortmund geboren. Nachdem ich mein Abitur und mein Fachhochschulstudium abgeschlossen ...

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